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Vogelstillleben Das Große Picken

Für die Biedermeierzeit war es ein ungewöhnliches Motiv: ein Vogelstillleben, um 1825 in Porzellanmanier auf Kupferblech gemalt.

Stand: 06.07.2012 | Archiv

Gleich in zweifacher Hinsicht ist dies ein seltenes Bild: einmal, weil es für ein Bild auf Kupfer recht groß ausfällt, zum anderen, weil das Biedermeier die Landschafts- Genre- und Portraitmalerei bevorzugt hat. Stillleben aber waren zu seiner Entstehungszeit, um 1825, sehr selten. Technisch lehnt es sich an die Porzellanmalerei an, wie sie an der Wiener Akademie gelehrt wurde. Es könnte vom Karlsbader Wenzel Peter (1745 – 1829) stammen. Dafür spricht, dass er in Wien ausgebildet wurde. Nicht zuletzt galt er als der bedeutendste Tiermaler seiner Zeit.

Dargestellt sind verschiedene Vögel: ein Eichelhäher, eine Kohl- und eine Blaumeise, die nach Futter picken. Den Früchten nach ist es Spätsommer oder Herbst, der Tisch ist für die Tiere jedenfalls reich gedeckt. Die Szene spielt vor grau-grünem Hintergrund, auf einer Steinkonsole. Es ist eine Komposition, wie sie in der holländischen Malerei Tradition war. Solche 'Bildrezepturen' finden sich in der Folge vor allem in Dänemark, Deutschland und Österreich und wurden vorbildhaft für die Malerei des 19. Jahrhunderts.

Früchte- und Blumenstillleben symbolisieren oft einen ganzen Jahresablauf mit all seinen Stufen von Werden und Vergehen: von der Blüte bis zur reifen oder sogar überreifen Frucht. Hier sind nur die reifen Früchte der Erntezeit dargestellt. Ist dieses Bild vielleicht eine Allegorie des Herbstes und damit Teil eines Jahreszeitenzyklus?

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 4.000 bis 6.000 Euro
  • Datierung: um 1825
  • Herkunft: Karlsbad (?)
  • Künstler: Wenzel Peter (?)
  • Sendung vom 7. Juli 2012


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