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Nazarener-Muttergottes Andächtige Revoluzzer

Mit dieser Madonna aus dem Jahre 1818 hat der Münchner Maler Heinrich Hess seinen Protest gegen alle Stilrichtungen ausgedrückt, die der Renaissance folgten.

Stand: 28.11.2013 | Archiv

Es ist der Blick zurück in die Zeit der Florentiner Renaissance, also die Zeit um 1500, die dieses Bild prägt. Die so genannten 'Nazarener' oder 'Präraffaeliten', zu denen sich auch der Münchner Maler Heinrich Hess zählte, wehrten sich gegen den barocken Bombast und gegen die klassizistische Kühle. In ihren Augen galt nur die Kunst der Renaissance, die Werke Rafaels oder seines Lehrers Perugino, als die 'gute Kunst'.

Dieser in sich gekehrten Madonna ist nicht anzumerken, dass ihr Maler Heinrich Hess und die ihm geistig nahestehenden Lukas-Brüder zu ihrer Zeit Revolutionäre waren. Sie bildeten eine künstlerische Avantgarde, die außerhalb der Ateliers lautstark auf sich aufmerksam machte. Mit ihren Bildern drückten sie eine für das frühe 19. Jahrhundert typische, romantisch-innige Haltung aus. Dieses Madonnenbildnis ist ein frühes Beispiel der Abspaltung vom üppig-überladenen Historismus: das Produkt einer neuen Geisteshaltung.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 6.000 bis 7.000 Euro
  • Datierung: 1818
  • Herkunft: München
  • Künstler: Heinrich Hess
  • Sendung vom 30. November 2013

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