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Gotische Kirche Poesie der Genauigkeit

Ein Drittel Mathematiker, ein Drittel Wissenschaftler, ein Drittel Maler: das war Gustav Seeberger, der Mitte des 19. Jahrhunderts dieses gotische Kircheninterieur in Öl skizziert hat.

Stand: 04.09.2012 | Archiv

Schon bald hatte sich der gebürtige Marktredwitzer Gustav Seeberger in München als Architekturmaler etabliert. Besonders Gebäude, die vom Untergang bedroht waren, verewigte er mit seiner Feinmalerei. 1854 bekam er eine Professur an der Münchner Kunstakademie. Kollegen wie Piloty und Kaulbach schätzten ihn als Kontrolleur und Korrektor ihrer perspektivischen Studien.

Bei Seeberger stimmt die Perspektive freilich immer – auch bei diesem Interieur einer Kirche aus der Gotik. Ein Kunststil, der im 19. Jahrhundert durch die gerade etablierte Disziplin der Kunstgeschichte wieder entdeckt und gewürdigt wurde. Die Künstler standen den Kunsthistorikern dabei mit ihren vor Ort gemalten Bildern auf dokumentarische Weise zur Seite, wie Archivare einer verflossenen Zeit.

Die Ölskizze war aber nur als Gedächtnisstütze gedacht, um das Motiv später im Atelier in Öl zu malen. Deshalb wurde sie nicht signiert. Und dennoch hat sie, besonders aus heutiger Sicht, eine eigenständige Qualität: Gustav Seeberger hat diese Kirche in eine erhabene Atmosphäre getaucht, hat die Kühle des Steins spürbar gemacht und das Licht eingefangen, als wäre es ein Wink des Göttlichen. Der Maler als ein Poet der Genauigkeit.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 1.800 bis 2.000 Euro
  • Datierung: Mitte 19. Jahrhundert
  • Herkunft: München / Bayern
  • Künstler: Gustav Seeberger
  • Sendung vom 8. September 2012

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