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Venedig-Vedute Schönheit, die sich auszahlt

Ein Reiseandenken, über das sich auch Daheimgebliebene freuen durften: die Venedig-Vedute des Malers Friedrich Wilhelm Jankowsky von 1871.

Stand: 16.04.2012 | Archiv

Wie sehr Kunsthandelspreise von Gefühlen bestimmt werden, lässt sich am Motiv Venedig besonders gut zeigen. Denn Venedig erzielt, verglichen mit anderen Motiven, immer einen guten Preis. Wer also ein Bild der 'Serenissima' daheim hat, kann auch selbst "heiter, ruhig, gelassen" sein. Bei gleicher malerischer Qualität, aber einem anderen Motiv, wäre das Bild nur einen Bruchteil wert. Die vielleicht schönste und romantischste Stadt der Welt öffnet eben die Herzen vieler Menschen und so auch ihre Geldbeutel.

Kein Wunder, dass die Lagunenstadt auch als Reisesouvenir in Öl auf Leinwand ihre Liebhaber fand - und viele Künstler, die sie malten. Einer von ihnen war Friedrich Wilhelm Jankowsky. Seine Venedigansicht zeigt die Stadt von leicht oben, aus der Vogelperspektive, was ihr einen tiefen Horizont verleiht. Einerseits wirkt seine Komposition wie zusammen geschoben, verdichtet, idealisierend, etwas unwirklich, ja fast magisch. Andererseits mutet diese hohe Präzision der Darstellung und die Zurücknahme der Farbe zugunsten von Licht und Schatten photographisch an.

Tatsächlich beginnt die Photographie am Ende des 19. Jahrhunderts, die Malerei zu verdrängen – besonders in Form der Ansichtskarte. Die malerisch präzise, überhöhende Darstellung von Stadtansichten steht aber darüber hinaus in einer bedeutenden kunsthistorischen Tradition: Antonio Canal und sein Neffe, Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, haben mit ihren Venedigveduten Prototypen geschaffen, an denen sich seither Jankowsky und viele andere Maler gemessen haben.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 12.000 Euro
  • Datierung: 1871
  • Künstler: Friedrich Wilhelm Jankowsky
  • Sendung vom 21. April 2012

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