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Flusslandschaft Geburtsstunde des Impressionismus

Es wäre schon eine kleine Sensation, wenn dieses unsignierte Landschaftsbild von 1865/1870 dem bedeutenden französischen Maler Charles-François Daubigny zugeschrieben werden könnte.

Stand: 04.06.2012 | Archiv

Aber ist es wirklich von ihm? Der Aufkleber hinten am Rahmen lässt natürlich hoffen: 'Galerie Durand Ruel, Rue Laffitte, Paris'. Monsieur Durand-Ruel war der führende Impressionistenhändler in Paris und Daubigny zählte zu seinen Künstlern.

Ohne Zweifel handelt es sich um ein Bild, das am Beginn des Impressionismus steht. Aufgrund seiner Qualität, vor allem der sensibel eingefangenen Landschaftsstimmung, lässt es sich der so genannten 'Schule von Barbizon' zurechnen. Zu ihr gehörten die Wegbereiter des Impressionismus: Jean-Baptiste-Camille Corot, Jean-François Millet und Charles-François Daubigny. Maler, die schon ab den 1830er Jahren im nahen Wald von Fontainebleau, außerhalb ihrer Ateliers unter freiem Himmel, also 'en plein air' gemalt haben.

Dieses Bild ist typisch für die Barbizon-Maler: allein durch die Farbarchitektur und den Pinselstrich wurde hier eine zweite Welt geschaffen, die trotzdem die Wirklichkeit wiedergibt. Die Landschaft ist nicht durch Konturen nachgezeichnet, sondern baut sich aus Impressionen auf, aus Eindrücken von Licht und Gegenlicht. Meisterlich auch die Behandlung der Farbe: die Grau- und Grüntöne, obwohl sie sich kaum voneinander unterscheiden, sind doch klar und fein voneinander abgesetzt.

Dieser Maler legt, typisch für das 19. Jahrhundert, den Fokus auf die Wirklichkeit. In diesem Bild ist es die Wirklichkeit der Stimmung, der Tageszeit, die er so vorzüglich eingefangen hat. Aber war es wirklich Charles-François Daubigny? Was spricht dafür, was dagegen? Der Meinungsaustausch zwischen den Experten steht hier wohl noch ganz am Anfang.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 20.000 bis 25.000 Euro
  • Datierung: 1865 bis 1870
  • Herkunft: Frankreich
  • Sendung vom 23. Juni 2012

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