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Fälschungen bei religiöser Volkskunst Verräterischer Leim

So viele Materialien es bei religiöser Volkskunst gibt, so vielfältig wird auch gefälscht: Holz wird nachgeschnitzt und künstlich gealtert; Marmorskulpturen werden in Gips abgegossen - nur Elfenbein ist schwer zu fälschen.

Stand: 07.09.2010 | Archiv

Indische Figuren | Bild: picture-alliance/dpa

Holz

Bei Holzskulpturen empfiehlt es sich, genau darauf zu achten, ob das Holz nachträglich gealtert wurde. Auch die Fassung sollte unter die Lupe genommen werden: wurde sie etwa künstlich abgesplittert, um älter auszusehen?

Alceo Dossenas Nachschöpfungen:

Auch dem italienischen Bildhauer Alceo Dossena (1878-1937), einem Meisterkopisten verschiedener Stile wie der Antike, Gotik und der Renaissance, sind Fehler unterlaufen. "Originalspuren" erfordern nämlich zeittypisches Werkzeug und entsprechende Techniken. Statt Holzblöcke, wie früher, mit spitz zulaufenden Dübeln zu verbinden, hatte Dossena sie verleimt: ein entlarvendes Zeichen für eine "Schöpfung" neuerer Zeit.

Stein und Metall

Seltener als Holzfiguren werden Skulpturen aus Stein oder Metall nachgeahmt. Neuere Steinskulpturen unterscheiden sich durch ihre hellere Tönung von den alten. Gelegentlich versucht man, ein Altern durch Räuchern, Ätzung mit Säure oder Eingraben in die Erde zu erzielen.

Marmor und Alabaster

Skulpturen aus Marmor oder Alabaster werden mit den Materialien Ton, Gips, Sand oder aber einer Mischung von Alabasterstaub und Gummi imitiert.

Bronzen

Etwas einfacher verhält es sich mit Bronzen, da man hier Fälschungen an der Form erkennen kann. Im Zweifelsfall hilft eine Spektralanalyse, mit der sich Fälschungen leicht entlarven lassen. Einfach als Kopien erkennbar sind hingegen galvanoplastische Bronzeerzeugnisse, die im Gegensatz zu den schweren, gegossenen Original-Bronzen viel leichter und dünnwandiger sind.

Elfenbein

Elfenbeinarbeiten sind schwierig zu imitieren. Neben Knochen wurden als Imitatmaterial Knochengallert und diverse Kunststoffe verwendet. Altes Elfenbein besitzt aber ein eigenwilliges Craquelé und eine deutliche Maserung auf allen Oberflächen. Auch ist es schwierig, das natürliche Nachdunkeln zu imitieren.


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