BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Ein Mann kämpft gegen Scientology

Wilfried Handl war fast 30 Jahre lang überzeugter Scientologe. Nach einer schweren Krankheit steigt er aus. Doch der Preis ist hoch: Der Kontakt zu seinen Söhnen bricht ab. Handl beginnt, gegen den US-amerikanischen Sektenkonzern zu kämpfen ...

Stand: 03.12.2014

Wilfried Handl ist heute 60 Jahre alt. Fast sein halbes Leben war er Mitglied bei Scientology, sogar oberster Mann der Sekte in Wien. Im Jahr 2001 erkrankt er an Krebs. Zunächst ignoriert er die Symptome. Denn nach der Lehre von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard können gute Scientologen nicht einmal einen Schupfen bekommen. Handl beginnt zu zweifeln. Er überlebt und steigt bei Scientology aus.

Von Frau und Kindern "abgeschnitten"

Wilfried Handl und sein Sohn | Bild: privat

Wilfried Handl und sein Sohn, zu dem er heute keinen Kontakt mehr hat.

Doch dafür zahlt er einen hohen Preis: Er wird "abgeschnitten", disconnected. Sogar schriftlich bekommt er das mitgeteilt. In der Folge verliert Handl fast alle seine Freunde - und seine drei Söhne. Denn seine Exfrau bleibt bei Scientology und zieht mit den Kindern in die USA. Er hat heute keinen Kontakt mehr zu ihnen. Scientology bestreitet, dass es die Praxis der Disconnection gibt. Schreibt auf der Internetseite:

"Es gibt keine Richtline in Scientology, die fordert, dass ein Mitglied die Verbindung zu irgendjemandem abbricht, der einfach nur andere Ansichten hat." Und weiter: "Die Kirche unterstützt gute familiäre Beziehungen, egal ob Scientologen oder nicht, und die familiären Beziehungen verbessern sich üblicherweise auch mit Scientology, weil man als Scientologe lernt, mehr zu kommunizieren und jegliche Probleme zu lösen, die früher einmal existiert haben."

Hintergrundwissen zu Scientology

Scientology-Symbol | Bild: picture-alliance/dpa

Scientology ist eine der umstrittensten Glaubensgemeinschaften weltweit. In verschiedenen Ländern Europas wird die Organisation als extremistische Sekte eingestuft und deshalb von Inlandsgeheimdiensten überwacht. In manchen Ländern ist sie eine anerkannte oder zumindest tolerierte Religion. Doch Scientology unterscheidet sich in vielen Punkten fundamental von anerkannten Religionen. Zum Beispiel beim Umgang mit Kritikern, der starken finanziellen Ausrichtung, die eher Konzern als Kirche ähnelt, und der Vehemenz, mit der Mitglieder geworben werden sollen.

Warnung vor unmenschlichen Methoden von Scientology

Wilfried Handl, früher selbst überzeugter Scientology, ist heute einer der größten Kritiker des Sektenkonzerns. Er betreibt einen "Blog gegen Scientology", organisert Demos, hält Vorträge. Er will aufklären und andere vor den unmenschlichen Methoden der Sekte warnen. Die Öffentlichkeit muss mehr über die Praxis der Disconnection, dem Abschneiden von Familie von Freunden, erfahren, sagt Handl. 

Sein Leben und sein Kampf gegen Scientology in der Kontrovers-Story.


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