BR Fernsehen - Kontrovers


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Hilflose Retter Rettungsassistenten klagen an

Sie sind oft die ersten am Unfallort, doch dort stoßen Rettungsassistenten schnell an Grenzen: Schmerzmittel dürfen sie in Bayern nicht geben, so sehr ein Verletzter auch darum bettelt. Warten, bis der Arzt kommt – und auf ein neues Gesetz. Im Sinne der Patienten.

Stand: 20.07.2015

Ein schwerer Unfall. Ein Motocrossfahrer verliert die Kontrolle, stürzt, bricht sich das Schienbein und mehrere Rückenwirbel. Er hat höllische Schmerzen. Schnell sind Rettungsassistenten  vor Ort, noch vor dem Notarzt, wie so oft. Nur: Das, was sich der Verletzte am meisten wünscht, dürfen sie nicht tun: Ein Mittel gegen die Schmerzen geben.

Warten, bis der Arzt kommt

Denn in Bayern dürfen eigentlich nur Ärzte Medikamente verabreichen, Rettungsassistenten nur dann, wenn Lebensgefahr besteht. Und selbst dann befinden sie sich rechtlich in einer Grauzone.

Der Motocrossfahrer muss deshalb nach seinem Sturz 30 Minuten warten, ehe ein Mediziner da ist, der ihm endlich ein linderndes Schmerzmittel gibt. Aber auch für die Rettungsassistenten sind solche Situationen nur schwer zu ertragen. Bei einem Patienten zu sein, der leidet, und ihm die Hilfe zu verweigern, die er dringend bräuchte, lässt die Retter nicht kalt. Handeln sie trotzdem, weil sie helfen wollen, droht ihnen die Kündigung.

Das Notfallsanitätergesetz (NotsanG)

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und schon 2013 ein neues Gesetz verabschiedet: das Notfallsanitätergesetz. Das Ziel: Rettungsassistenten werden besser ausgebildet und bekommen als Notfallsanitäter mehr Kompetenzen. Zum Beispiel dürfen sie bestimmte Medikamente verabreichen. Doch in Bayern ist dieses Gesetz bislang nicht umgesetzt. Warum nicht? Wo hakt es? Wann dürfen Helfer endlich umfassend helfen?


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