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Weihnachtspost Schlange stehen für die Bescherung

Sie gehen verloren, kommen zu spät an, der Paketbote klingelt nicht, sondern wirft gleich eine Abholkarte in den Briefkasten. Bestenfalls wird das Paket beim Nachbarn abgegeben, vielleicht landet es aber auch in einer Postfiliale und man muss bei der Abholung lange Warteschlangen in Kauf nehmen. Die Beschwerden über Paketzustellungen werden immer lauter. Bei den Verbraucherzentralen trudeln täglich Meldungen ein. Doch was muss man in Kauf nehmen? Was kann man tun?

Von: Stefanie Müller

Stand: 13.12.2016

Die Situation der Paketzusteller ist gerade zur Weihnachtszeit alles andere als besinnlich: Die körperliche und psychische Belastung steigt, die Arbeitszeiten ziehen sich weit in den Abend hinein, die Paketmenge verdoppelt sich schlagartig, die Päckchen werden schwerer. Dabei ist die Bezahlung meist schlecht und die Kunden werden ungeduldiger.

Aber auch wer eine Sendung direkt in der Postfiliale aufgeben oder abholen möchte, muss in der Vorweihnachtszeit oft sehr viel Geduld mitbringen. Schlange stehen ist an der Tagesordnung - in manchen Fällen kann das sogar auch mal eine Stunde lang Anstehen bedeuten! Natürlich nur, wenn die Filiale überhaupt geöffnet hat ... Der Ärger der Kunden ist da selbstverständlich groß.

Doch ab wann kann sich ein Kunde tatsächlich beschweren? Ab wann läuft wirklich etwas schief? Wie viel Wartezeit im Postamt muss man in Kauf nehmen? Ab wann dauert die Lieferung eines Pakets zu lange? Wenn das Paket einen Tag über der Zeit ist oder erst dann, wenn es gar nicht ankommt? Und gibt es nicht auch wirklich schwarze Schafe unter den Paketzustellern? Welche, die schlichtweg keine Lust haben, Pakete in die vierte Etage zu schleppen und so nicht mal klingeln, sondern sofort eine Karte in den Briefkasten werfen? Hier einige Infos und Tipps.

Von Fristen, Zustellorten und Verlust

Zustellort

Ein Paket kann entweder beim Empfänger selbst, dessen Partner, Mitbewohner oder Familienangehörigen oder aber bei einem Nachbarn abgegeben werden. Eine Ausnahme besteht bei Sendungen mit den Zusatzleistungen „Einschreiben" oder „Rückschein", da der Empfänger - bzw. stellvertretend dessen Partner oder ein Familienangehöriger - den Empfang hier persönlich bestätigen muss. Ausschließlich vom Empfänger können nur eigenhändige Einschreiben entgegengenommen werden. Eine Zustellung vor der Haustür oder im Treppenhaus ist bei allen Einschreiben- oder Rückschein-Varianten nicht erlaubt - es sei denn, es wurde eine Abstellgenehmigung über einen vereinbarten Ort unterschrieben. Ebenfalls möglich sind eigene Paketkästen am Haus bzw. Taschen an der Wohnungstüre – dort dürfen Pakete hinterlegt werden, ohne dass mit einer Unterschrift quittiert wird. Erhält der Nachbar das Paket, muss der eigentliche Empfänger mit einer gut leserlichen Karte informiert werden. Ist man tagsüber nicht oder nur selten zu Hause, dann kann man Sendungen teilweise auch in Packstationen schicken lassen bzw. können online Liefertermine vereinbart werden.

Zustellversuche

Je nach Paketdienst muss der Paketbote zwischen einem und drei Zustellversuche absolvieren. Erst wenn weder Empfänger noch Ersatzempfänger angetroffen werden, darf das Paket in einer Post-Filiale bzw. einem ausgewiesenen Shop hinterlegt werden. In diesem Fall muss der Empfänger über das Hinterlegen des Pakets durch eine Benachrichtigungskarte informiert werden.

Lieferfrist

Das Paket dauert zu lange? Kann eigentlich nicht sein, denn Kunden haben keinen Anspruch auf eine Zustellung innerhalb einer bestimmten Zeit. Das ist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Paketdienste festgeschrieben. Wenn jedoch das Paket längst überfällig ist, kann man dem Paketdienst schriftlich eine Frist zur Lieferung setzen.

Verlust

Verloren gilt eine Sendung, wenn sie nicht innerhalb von 20 Tagen nach Einlieferung zugestellt wurde und ihr Verbleib nicht ermittelt werden kann. Der Verlust muss vom Kunden gemeldet und ein Nachforschungsauftrag gestartet werden. Wer haftet, wenn ein Paket verloren gegangen ist? Das wird in den allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt – die Haftung liegt in der Regel zwischen 500 und 750 Euro pro Paket.

Beschädigung

Sieben Tage hat der Empfänger Zeit, einen Schaden am Inhalt eines Pakets beim Paketdienst zu melden – bitte die komplette Verpackung mitbringen.

Versicherung

Bei manchen Paketdiensten kann eine zusätzliche Transportversicherung abgeschlossen werden, die im deutschlandweiten Versand zwischen 3,50 Euro und 15 Euro beträgt. Dafür ist dann eine Versicherungssumme von bis zu 25.000 Euro abgedeckt. Aber Vorsicht: Sogenannte Verbotsgüter wie zum Beispiel Geld, Edelmetalle, Schmuck, Uhren oder Kunstgegenstände sind von der Versicherung ausgeschlossen. Im Zweifel sollte man nachfragen. Der Versicherungsschutz kann außerdem entfallen, wenn etwa die Verpackung Rückschlüsse auf den Wert des Inhalts zulässt.

Beschwerden

Am besten wendet man sich telefonisch an den Paketdienst, sämtliche Hotline-Nummern findet man auf den Internetseiten. Per E-Mail dauert es meist länger mit der Auskunft. Man kann Paketdienste aber auch über einen Social-Media-Kanal (wie etwa Facebook oder Twitter) kontaktieren. Hier sind die Mitarbeiter oft sehr schnell. Nachforschungsaufträge können je nach Paketdienst auch online aufgegeben werden, manchmal ist auch der schriftliche Postweg notwendig.

Tipps vom Verbraucherschutz

Wenn Pakete nicht abgegeben werden, obwohl man zu Hause war:

Man sollte sich direkt beim Unternehmen beschweren, damit die Zusteller zur Rede gestellt werden. Außerdem soll man auf Zustellung pochen, man ist nicht plötzlich in einer Hol-Schuld - den Weg zur Post muss man nicht auf sich nehmen. Deswegen muss die Forderung lauten: Ich war da, bringt es mir noch mal und zwar zu dem Zeitpunkt, der mir genehm ist.

Wenn Pakete abhandengekommen sind:

Kaufquittungen der versendeten Güter immer aufbewahren ebenso den Beleg, der zeigt, dass das Paket aufgegeben wurde. Nach 21 Tagen per Einwurfeinschreiben die Forderung an das zuständige Unternehmen schicken. Wichtig: Kein Geld, keinen Schmuck und keine Wertpapiere per Post verschicken. Auf jeden Fall die AGBs des Paketdienstes durchschauen, falls man wertvolle Sachen versenden will, um festzustellen, ob die Sachen im Zweifelsfall versicherbar sind oder nicht.

Wenn das Paket bei Zustellung beschädigt ist:

Ein beschädigtes Paket sollte man erst gar nicht annehmen - der Paketzusteller muss es wieder mitnehmen. Wenn man nämlich die Annahme quittiert, dokumentiert man damit, dass das Paket ordnungsgemäß zugestellt worden ist. Nachträgliche Beschwerden sind oft schwierig.

Wenn Nachbarn das Paket annehmen:

Nachbarn sollten auch keine beschädigten Pakete annehmen, da dann möglicherweise Streit entstehen kann, wer das Paket im Zweifelsfall beschädigt hat. Der Paketdienstleister redet sich nicht selten heraus und am Ende steht ein Nachbarschaftsstreit.

Falls Unterschriften von Postzusteller gefälscht werden.

Sofort zur Polizei gehen und Anzeige erstatten.


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