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Persönlichkeitspsychologie Biologische Grundlagen und Psychodiagnostik

Gibt es zu den individuellen Persönlichkeitseigenschaften biologische Korrelate in unserem Gehirn? Wie untersucht man sie?

Stand: 02.11.2016

menschliches Gehirn | Bild: picture-alliance/dpa

Die naturwissenschaftliche Persönlichkeitspsychologie geht davon aus, dass es zu den individuell verschieden stark ausgeprägten Persönlichkeitseigenschaften biologische Korrelate in unserem Gehirn geben muss. Professor Gerhard Stemmler von der Universität Marburg versucht diesen Zusammenhängen im psychologischen Experiment auf die Spur zu kommen.

Was Fußballer-Hirne erregt

Jupp Heynckes und Philipp Lahm

In einer Versuchsreihe wurden beispielsweise zahlreiche Fußballspieler untersucht. Während einer Ableitung ihrer Gehirnströme hörten Sie in Form eines Hörspiels ein emotional erregendes Gespräch, wie es zwischen Fußballtrainern und Spielern wohl schon häufig vorgekommen ist. Je nach Persönlichkeit der einzelnen Fußballspieler reagierten diese in verschiedenen Gehirnarealen unterschiedlich stark auf den Ausgang der gehörten Geschichte.

Waren sie damit einverstanden, dann zeigten die Testpersonen in Prof. Stemmlers Experimenten eine erhöhte Aktivität im vorderen linken Stirnlappen. Waren Sie hingegen nicht damit einverstanden, so war die vordere rechte Hälfte des Stirnlappens stärker aktiviert. Diese unterschiedlichen Erregungsmuster stehen auch in Übereinstimmung mit anderen biologischen Maßen, wie dem Lidschluss und der Herzschlagfrequenz, sowie den Ergebnissen einer Befragung nach den erlebten Gefühlen während des Hörspiels.

Allerdings ist es von diesen grundlegenden Erkenntnissen über die Zusammenhänge zwischen Hirnaktivität und persönlichkeitsspezifischem emotionalem Erleben noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Erkenntnis der biologischen Grundlagen unserer Persönlichkeit.

Psychodiagnostik

Die Diagnostik von Persönlichkeitseigenschaften wird hauptsächlich durch wissenschaftlich konstruierte Testverfahren vorgenommen. Dabei lassen sich drei Bereiche voneinander unterscheiden:

  • Leistungstests (z.B. Intelligenztests wie der I-S-T 2000 R oder der BIS-Test, Schultests und Entwicklungstests wie der BAKO 1-4)
  • Psychometrische Persönlichkeitstests (z.B. Persönlichkeits-Struktur-Tests wie der EPI und der NEO-FFI, Einstellungs- und Interessenstests wie der AIST, sowie so genannte klinische Tests zur Erfassung psychischer Störungen oder Abweichungen wie das MMPI-2)
  • Persönlichkeitsentfaltungsverfahren (zeichnerische Verfahren und Gestaltungsverfahren wie der WZT)

Psychometrische Persönlichkeitstests sind in der Regel Fragebögen. Selbstverständlich ist man hierbei auf die ehrliche Zusammenarbeit der Getesteten angewiesen, ist es doch ein Leichtes, die Fragen nicht im Sinne eines realen, sondern idealen Selbstkonzepts zu beantworten. Allerdings muss man davon ausgehen, dass in den Tests verschiedene "Lügen-Items" enthalten sind, so dass eine übermäßige Beschönigung den Diagnostikern mit hoher Wahrscheinlichkeit auffällt.


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