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Marode Straßen Tausende Kilometer Kreisstraßen in schlechtem Zustand

Tausende Kilometer Kreisstraßen in Bayern befinden sich in schlechtem Zustand und müssten dringend saniert werden. Das ergibt eine groß angelegte Umfrage bei den zuständigen Behörden des BR-Politmagazins Kontrovers.

Stand: 27.09.2018

Landkreise und kreisfreie Städte gaben an, zwanzig Prozent der von ihnen zu unterhaltenen Straßen sind im Schnitt nicht mehr als gut einzustufen, zehn Prozent gelten als so schlecht, dass sie von Grund auf erneuert werden müssten. Die Kreisstraßen machen fast die Hälfte aller bayerischen Straßen aus, etwa 18.900 Kilometer.

Instandhaltung oft zu teuer für Kommunen

Der Straßenbauexperte der Technische Hochschule Nürnberg Prof. Berthold Best rechnet vor: Um allein diese Schäden zu beheben, wären zusätzlich zum normalen Budget rund drei Milliarden Euro nötig. Ein Betrag, der von den zuständigen Kreisen und Kommunen nicht finanzierbar ist.

Kosten verzehnfachen sich ohne Instandhaltung

Wer nicht genügend Geld für die regelmäßige Erhaltung seiner Kreisstraßen ausgibt, riskiert, dass es hinterher sehr viel teurer wird. Nämlich dann, wenn sie schließlich von Grund auf neu gemacht werden müssen. Für schlechte Straßenwartungen bekommt am Ende der Steuerzahler die Quittung. Denn eine grundhafte Straßenerneuerung kostet das Zehnfache dessen, was die Behörden für eine regelmäßige Oberflächensanierung ausgeben müssten, erklärt Straßenbauexperte Best.

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Fehler im Finanzierungssystem

Bei der Straßenerhaltung liegt der Fehler auch im System. Oftmals lassen sich Kosten für einen Neubau der Kreisstraßen auf den Freistaat abwälzen, während die Kosten für die Fahrbahnsanierung die Landkreise und kreisfreien Städte selbst tragen müssen.

Bislang falsche Anreize bei Straßensanierung

Für Prof. Berthold Best müsse sich auch der Freistaat Bayern Gedanken machen, wie er mehr Anreize für Investitionen in die Kreisstraßen schaffen könne. Wenn die Landkreise es nicht alleine bewältigten, müsse der Freistaat auch wesentlich mehr Geld zuschießen, mahnt der Straßenbauexperte.

Management für Überprüfung fehlt

Kategorien Straßenzustand

Mithilfe von Kameras kann der Straßenzustand digital erfasst und in Zustandswerte (Kategorien) von "sehr gut" (Kategorie 1, Zustandswert 1,0-1,5) bis "sehr schlecht" (Kategorie 5, Zustandswert: 4,5-5,0) eingeteilt werden. Ein schlechter Zustand einer Straße (Kategorie 4) bedeutet, dass innerhalb kürzester Zeit Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden müssten. Die nötigen Pläne dafür sollten bereits vorliegen. Für Straßen in einem sehr schlechten Zustand (Kategorie 5) gilt: sofortiger Handlungsbedarf oder eine beschränkte Nutzung der Straße bis hin zu einer kompletten Schließung.

Die Kontrovers-Recherchen ergeben, dass die Kommunen auch viel zu wenig Geld in die Hand nehmen, um den Zustand ihrer Kreisstraßen mit moderner Technik zu erfassen. Meist gibt es nur einfache Ortsbegehungen von Mitarbeitern der Baubehörden. Straßenbauexperte Prof. Berthold Best fordert deshalb ein besseres Management der Kreisstraßenerhaltung in ganz Bayern. Für ihn sind unterlassene Erhaltungsmaßnahmen "Vernichtung von Volksvermögen". Um einen gleichen Standard herzustellen, müsste der Zustand der Straßen in Kategorien eingeteilt werden.

Nur moderne Verfahren erfassen Mängel zuverlässig

Auffällig ist: Sobald moderne Messfahrzeuge die Straßen untersuchen, wird der schlechte Zustand vieler Straßen erst entdeckt. Die offenbar eher laxe Bewertung bei einfachen Ortsbegehungen lässt sich bei genauer Analyse nicht mehr aufrechterhalten.

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Widersprüche bei der Unterstützung der Kommunen

Auf Kontrovers-Anfrage schreibt die Pressestelle des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, "Unterhaltungs- oder Sanierungsmaßnahmen" über das BayGVFG beziehungsweise BayFAG zu fördern, "wäre ein Systembruch bei der Finanzierung und Förderung der Kommunalstraßen in Bayern". Hier wendet Prof. Berthold Best ein: Warum allerdings die üppigen staatlichen Fördermaßnahmen im Neubaubereich kein „Systembruch“ seien sollen, sei nicht nachvollziehbar.


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