BR Fernsehen - Kontrovers


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Ludendorff-Bewegung Staatliche Förderung für Rechtsextreme?

Bund für Gotterkenntnis - so heißt eine rechtsextreme Weltanschauungsgemeinschaft, die der Verfassungsschutz im Auge hat: Die Anhänger vertreten die antisemitischen Thesen von Mathilde und Erich Ludendorff. Zugleich betreiben sie in der einstigen Villa des Ehepaares Ludendorff eine private "Ludendorff-Gedenkstätte". Diese ist als gemeinnützig anerkannt und wird staatlich gefördert. Wie kann das sein?

Stand: 29.04.2015

Wer sind "die Ludendorffer"? Wir wollen uns ein Bild machen und beim Tag der offenen Tür in der Ludendorff-Villa einen Eindruck gewinnen, mit  Mitgliedern sprechen. Doch der Zugang wird uns verwehrt. Verschlossene Türen an einem Tag der offenen Tür? Eigenartig. Was gibt es zu verbergen?

Erich Ludendorff mit seiner Gattin

In der Villa in Tutzing, in der heute der Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V. seinen Sitz hat, lebte einst Erich Ludendorff, Steigbügelhalter und Wegbereiter Adolf Hitlers, bevor sich die beiden überwarfen. Von hier aus verbreitete er gemeinsam mit seiner Frau Mathilde deren rassistische und antisemitische Weltanschauung. Ziel des Vereins heute ist es, "die Erkenntnisse der Philosophin Mathilde Ludendorff zu pflegen und weltanschaulich suchenden Menschen zu übermitteln". So steht es auf der Internetseite des Vereins. 1961 war der Bund für Gotterkenntnis als verfassungsfeindlich verboten worden, später musste das Verbot wegen Verfahrensfehlern wieder aufgehoben worden.

In Bayern beobachtet der Verfassungsschutz die Gruppierung bis heute. Sie wird als rechtsextrem, antidemokratisch und antipluralistisch eingestuft. Dennoch wurde die "Ludendorff-Gedenkstätte" des Vereins als gemeinnützig anerkannt, Spenden an die rechte Gruppierung können so steuerlich abgesetzt werden, seine Pilgerstätte kann der rechtsextreme Verein mit staatlichen Geldern zur Denkmalpflege in Schuss halten, denn die Ludendorff-Villa steht unter Denkmalschutz. Ein rechtsextremer Verein und seine Pilgerstätte – mit freundlicher Unterstützung staatlicher Behörden? Ein Fall für Kontrovers.


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