BR Fernsehen - Kontrovers


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Antisemitismus gegen israelisches Restaurant Schmock Geschlossen - wegen zuviel Hass

16 Jahre lang hat es das israelische Lokal Schmock in München gegeben. Vor kurzem hat es geschlossen. Der Besitzer, Florian Gleibs, mochte die Provokation, einen schrägen Umgang mit dem Judentum. Immer wieder ist er dafür angegriffen worden.

Von: Astrid Halder

Stand: 28.09.2016

Florian Gleibs, jüdischer Szenegastronom aus München. Sein Lieblingsprojekt, das jüdische Kultlokal "Schmock", hat er vor wenigen Wochen dicht gemacht: "Das ist generell schade, dass es jetzt sowas in der Form nicht mehr gibt, ein israelisches Restaurant, wo man hingehen kann" - ohne Sicherkeitskontrollen meint er.

Gleibs wird sich von Liebgewordenem trennen müssen wie der "Klagenmauer", die er eigens fürs Schmock gebaut hat. Mit Wunschzetteln der Gäste: "Die Leute haben ihr Glück versucht, sie ist ewig alt. Wir haben auch ein schlechtes Gewissen, die ganzen Sachen rauszuholen und wegzuschmeißen, macht man ja auch nicht."

Jetzt lässt er das Schmock umbauen. Gehobene asiatische Küche wird es hier geben. Er hat keine Lust mehr auf politische Diskussionen in seinem Laden. Auch wenn er immer noch gern provoziert: "Das wird jetzt verteilt, alle wunderbaren israelischen Tropfen, wunderbare Sterbehilfe."

Schräger Humor im Schmock provozierte auch Hass

"Judebeutel" zum Verkauf im Schmock

Provokation, ein schräger Umgang mit dem Judentum. Das war 16 Jahre sein Konzept im Schmock. Er spielte mit  Nazi-Propaganda. Auf seinem Wein stand: "Deutsche, trinkt bei Juden" und er verkaufte "Judebeutel". Und er bekam auch immer wieder Hass zu spüren. Vergangenen Herbst besuchte ihn Kontrovers schon einmal.

"Da rufen ein paar Verwirrte an, beginnen einen zu beschimpfen: Jude geh ins Gas."

Florian Gleibs in Kontrovers im vergangenen Herbst

Zwei Gläser im Schmock

Die antisemitischen Anrufe waren das eine. Das andere: Bei manchen Gästen sank die Hemmschwelle. Dinge, die man früher nicht gefragt hätte, wurden jetzt gefragt: "Zahlen Juden eigentlich Steuern? Dich kann man ja doch mal fragen! Und diese Verschwörungstheorien ... Immer diese Masse an Dingen, die nervt einfach." Auch außerhalb des Restaurants bekam der 45-Jährige immer mehr Hass zu spüren. Selbst sein Auto blieb nicht verschont.

"Ich hab so einen David-Stern am Auto gehabt. Und da wurde ein bisschen reingekratzt, ein bisschen draufgespukt, Aufkleber drauf geklebt - alles was dazu gehört."

Florian Gleibs, Besitzer des Schmocks

Das neue Restaurant - neutraler und braver als das Schmock

Florian Geibs will in Zukunft weniger politisieren.

Florian Gleibs hat für sich entschieden, weniger anzuecken, weniger zu politisieren. Gleich um die Ecke vom ehemaligen Schmock betreibt er im Münchner Volkstheater ein Café mit dem jiddischen Namen Meschugge. Trotz des Namens: Das Konzept des Cafés habe wenig Ähnlichkeit mit dem Schmock.

"Wir gehen mit Absicht nicht mehr auf die Israel-Geschichte ein, weil die Leute das zu sehr strapaziert. Wir machen jetzt alles arabisch. Man kann schon mal ein bisschen was israelisches machen, aber auch da sind wir vorsichter geworden, weil wir nicht anecken wollen. Wir wollen jetzt nur mainstreamige Gastronomie machen."

Florian Gleibs, Besitzer des Schmocks

Gleibs Vorfahren waren arabische Juden

Seine eigene Familiengeschichte ist geprägt vom Nah-Ost-Konflikt. Seine Vorfahren mussten in den 50er Jahren den Irak verlassen, weil sie arabische Juden waren. Das überrascht viele Deutsche, sagt Gleibs: "Jude ist einer der aus Europa kommt und deportiert wurde. Und es gab einfach viele arabischstämmige Juden. Das ist der Teil meiner Mutter, die kommt aus dem Irak. Meine Großmutter."

Juden und Nichtjuden - oft immer noch zwei Welten

An Normalität zwischen Juden und Nichtjuden glaubt der Gastronom nicht mehr. Die Anonymität im Internet verstärkt das noch, so seine Erfahrung. Er hat selbst schon abfällige Kommentare bekommen. "Es ist schnell was geschrieben auf Facebook, find ich überhaupt nicht richtig, find ich total blöd. Es wird echt anstrengend. Deshalb ist es besser, Frühlingsrollen zu verkaufen." Seinen Humor hat Florian Gleibs wenigstens nicht verloren


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