BR Fernsehen - Kontrovers


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Tierverkauf im Netz Der lukrative Handel mit exotischen Tieren

Der Exotenverkauf im Netz boomt – und die gesetzlichen Vorschriften zu Handel und Haltung solcher Tiere sind erstaunlich lax. Kontrovers macht sich auf Spurensuche und stößt auf einen deutschen Zwischenhändler.

Von: Stefanie Heiß

Stand: 09.03.2016

Gerade mal 2.000 Euro kostet ein Löwenbaby im Internet. Pumas sind teurer, zum Teil aber auch schon für 3.000 Euro zu bekommen. Onlinebörsen im Internet sind voll mit solchen Angeboten. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife e.V. hat die Anzeigen von fünf Jahren ausgewertet: Über 10.000 Säugetiere wurden in dieser Zeit online angeboten, darunter 2.853 Raubkatzen. Und das ganz legal. Exotische Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, dürfen in Deutschland frei gehandelt werden.

Artgerechte Haltung unmöglich

Dabei können viele kaum artgerecht gehalten werden und sind gefährlich. So wie die Löwenbabys, die ein Privathalter in Sachsen-Anhalt in einem Zimmer gehalten hat. Als sie ausgebrochen sind, waren sie gerade mal neun Wochen alt. Ein paar Monate später wären sie ernsthaft gefährlich gewesen. Wo er die Tiere gekauft hat, will der Privathalter nicht sagen. Bekannt ist nur, dass die Tiere aus Rumänien stammen.

Kontrovers recherchiert und stößt auf einen deutschen Zwischenhändler, der Raubkatzen aus Osteuropa nach Deutschland vermittelt – hat er die Löwenbabys vermittelt?

Karakal in Münchner Garten entdeckt

Einen Karakal wie diesen hier hat die Polizei in einem Garten in München entdeckt und befreit.

Auch in Bayern werden immer wieder Raubkatzen beschlagnahmt. Wie der Karakal, den die Polizei in einem Münchner Garten entdeckt hat. Er lebt heute im Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach. Wie das Pumaweibchen Pünktchen, das aus einem viel zu kleinen Käfig im Garten eines Wohnhauses befreit wurde. Warum muss man sich so ein Tier kaufen?

"Die denken nicht drüber nach", sagt Olaf Neuendorf vom Raubtier- und Exotenasyl. "Wenn ich ein Puma-Baby habe, ein kleines, süßes Kätzchen, was man anfassen kann, streicheln kann, da kann man auch ein paar Monate damit spielen, aber der Puma, wenn der ein halbes Jahr oder vielleicht 10 Monate alt ist, dann wird das richtig gefährlich!"

Keine klaren Regelungen zur Tierhaltung

Raubkatzen dürfen in Bayern nur mit Genehmigung gehalten werden, Privatleute bekommen die in der Regel nicht. Aber wer so ein Tier illegal hält, hat nicht viel zu befürchten: Maximal eine Geldstrafe - es ist nur eine Ordnungswidrigkeit. Olaf Neuendorf vom Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach versteht das nicht:

"Meiner Meinung nach müssten die Strafen deutlich höher sein! Es müsste eine Abschreckung vorhanden sein, weil ja wirklich von den Tieren Lebensgefahr ausgeht. Wenn so ein Tier unsachgemäß gehalten wird, in einem Käfig, der nicht sicher ist, dann ist eine absolute Gefährdung gegeben - für alle Menschen, die sich in der Gegend aufhalten."

Olaf Neuendorf vom Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach

Dabei ist die Haltung exotischer Tiere in Bayern noch vergleichsweise streng geregelt. In acht anderen Bundesländern kann prinzipiell jeder ein Raubtier halten. Auch in Sachsen-Anhalt, wo die Löwenbabys gehalten wurden. Wären die Tiere nicht ausgebrochen, hätte ihr Besitzer sie in einem entsprechenden Gehege ganz legal halten können. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung zwar angekündigt, Handel und Haltung von exotischen Tieren zu regeln. Doch ein bundesweit einheitliches Gesetz gibt es bis heute nicht - trotz aller Gefahren ...

Tiger in Gefahr

Lebensraum

In 13 Ländern sind Tiger heute noch in freier Wildbahn anzutreffen: Bangladesch, Bhutan, Birma, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, Russland, Thailand und Vietnam. Vor hundert Jahren stromerten dort etwa 100.000 Großkatzen durch die Wildnis, heute wird ihre Zahl weltweit auf weniger als 4.000 geschätzt.

Arten

Von einst neun Tiger-Unterarten existieren heute weltweit noch sechs: Bengaltiger, Sibirischer oder Amur-Tiger, Indochinesischer Tiger, Malaiischer Tiger, Südchinesischer Tiger und Sumatratiger. Ausgestorben sind Balitiger, Javatiger und Kaspischer Tiger.

Bedrohungen

Weltweit sind die Tiger durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraumes und ihrer Beutetiere bedroht. Der Handel mit Tigerprodukten ist seit 1975 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES verboten. 1993 erließ China ein nationales Handelsverbot. Doch viele Fälle von Tiger-Wilderei werden bis heute nicht geahndet. In Indonesien zum Beispiel sind lediglich zwei Unterarten gesetzlich geschützt: der Sumatra-Tiger und der Java-Tiger, der bereits als ausgestorben gilt.

Strengere Gesetzgebung

"Indonesien muss die Gesetzgebung so schnell wie möglich anpassen, um sicherzustellen, dass alle Unterarten des Tigers umfassend geschützt und Wilderei sowie illegaler Handel strafrechtlich verfolgt werden", sagt NABU-Artenschutzexperte Tom Kirschey. "Dies gilt auch für andere Staaten. Alle Verbreitungsstaaten müssen die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um Wilderei und internationalen Handel mit Tigerprodukten zu stoppen."

Internationaler Tigerschutz

Im Jahr 2010 hat erstmals ein Tigergipfel stattgefunden, an dem alle 13 Nationen mit Tigerbeständen teilgenommen haben. In St. Petersburg haben sie sich auf Schutzmaßnahmen geeinigt. Wichtige Lebensräume sollen identifiziert und zu Kernschutz-Zonen erklärt werden. "Das Abholzen der Wälder in Russland und China muss aufhören, denn damit schrumpft der Lebensraum des Tigers", erklärt Maria Woronzowa, Leiterin des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW).
Die Nachfrage nach Tigerprodukten soll mit Kampagnen gesenkt werden. Wilderer und Schmuggler sollen stärker bekämpft werden. In einer "St. Petersburger Resolution" beschlossen die 13 Länder, die Zahl der Großkatzen bis zum "Jahr des Tigers" 2022 zu verdoppeln. Im Jahr 2010 wurden nur noch 3.200 Tiger gezählt, ein Allzeittief.

Kleiner Lichtblick 2016

Seitdem haben sich die Zahlen um rund ein Fünftel erhöht, innerhalb von nur vier Jahren Jahren. "Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert steigt die Zahl der wild lebenden Tiger wieder an", sagte Eberhard Brandes vom WWF im April 2016. Zumindest in einigen Ländern, und zwar auf insgesamt knapp 4.000 Tiere.


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Robert Kless, IFAW, Donnerstag, 10.März 2016, 13:58 Uhr

3. Online-Handel mit exotischen Tieren bringt Tier- u. Artenschutzprobleme mit sich

Mal abgesehen davon, dass exotische Tiere wie Löwenbabys und Karakals, aber auch Reptilien-, Amphibien- und Vogelarten nichts im Wohnzimmer als "exotic pet" zu suchen haben, ist der Internethandel mit lebenden Tieren höchst problematisch. Mit wenigen Klicks ist fast alles zu bekommen, ohne Beratung und meist ohne Gewährleistung, dass das Artenschutzrecht eingehalten wurde. Eine umfangreiche IFAW-Untersuchung aus dem Jahre 2014 im Internet gibt einen weiteren Einblick in diese Problematik.
Robert Kless, Kampagnenleiter Wildtiere, IFAW Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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EndZOO Deutschland e.V., Donnerstag, 10.März 2016, 09:19 Uhr

2. Privatverkäufe des Zoo Magdeburg

Nicht nur Zirkusse in Osteuropa züchten Raubkatzen für den deutschen Privatmarkt. Auch der Magdeburger Zoo züchtete und verkaufte am 15.01.2008 zwei männliche Luchse (a. 250 Euro) an den dubiosen Privat-Tierhändler Werner B. Herr B. belieferte in seiner langen Laufbahn nachweislich und im großen Stil Zootierschlachter, Zirkusunternehmen und Privathalter. Der Magdeburger Zoo verkaufte diese zwei Luchse also selbst an eine Privatperson. Nicht an eine seriöse zoologische Einrichtung, mit „großen Gehege und professioneller Pflege“, wie Kurator Ruske im Beitrag erwähnt. Es ist für EndZOO also blanker Zynismus, wenn sich der Magdeburger Zoo im Beitrag hier aufspielt, mit dem Zeigefinger zeigt und meint: damit werden Tiere, in Anführungszeichen, produziert. Die dann über sind. Die keiner braucht.“ Übrigens gingen 2006 auch insgesamt 14 Humboldt-Pinguine vom Magdeburger Zoo an Bode. Den Verbleib der Pinguine konnte der damalige Zuchtbuchkoordinator de Wit offenbar nicht mehr klären.

Hans-Jürgen Wiesner, Mittwoch, 09.März 2016, 23:04 Uhr

1. Der lukrative Handel mit exotischen Tieren

Ich bin Brandenburger, sehe trotzdem gern Ihre Sendung: 1. Ihre Beiträge sind allgem. interessant, 2. für Bewegung i. d. Politik ist oft d. CSU verantwortl. - leider m.E. nicht immer positiv.
Zum Betreff - obw. ich zu jedem Beitrag etw. zu sagen gehabt hätte:
Sie berichten sehr gut ü. d. illeg. Tierhandel in Dtl.u. die lapidaren "Strafen" für Vergehen.
Sie machen aber stets auch die Erfahrung, dass sich die (meisten) Politiker vor Stellungnahmen drücken und "Sprecher", Email-Schreiber u. sonst. MA für ihre Politik vor der Presse "produzieren dürfen"- m.E. einer der wesentl. Gründe für d. Zulauf der AfD! Der "Durchschnittsbürger wertet das als Versagen, Feigheit, Vertrauensbruch der von ihnen gewählten Politiker!
Sie helfen dabei - sicher unbewusst - indem Sie pauschal "die Politik" zum Handeln auffordern. Warum fordern Sie nicht den zuständ. Minister namentl. zum Handeln auf? Sie könnten durch eine PERSÖNLICHE Antwort und Handeln überrascht werden!
MfG
Hans-Jürgen Wiesner