BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Aufgebrochen, ausgeräumt ... - Was tun gegen Wohnungseinbruch?

Sigi zieht sich gerne gut an. Nicht aufzufallen im Villenviertel war Teil seines Erfolgs. Sigi hat eine ansehnliche Karriere als Berufseinbrecher hinter sich, 22 Jahre im Knast verbracht. Ein heruntergelassener Rollladen, eine leere Garage, ein offenes Fenster - das seien geradezu Aufforderungen zum Einbruch, erklärt er. Heute hat Sigi sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Er rät zu Fenstern und Türen mit Sicherheitsverriegelung und ganz klassisch: Den Nachbarn Bescheid sagen, wenn man verreist. Damit es nicht so läuft wie bei Familie K. in Weinheim bei Heidelberg.

Stand: 26.10.2016

Einbrecher steigt durch ein Fenster ein | Bild: colourbox.com

Als das ältere Ehepaar vom Einkauf zurückkehrte, war das Fenster ausgehebelt, in der Wohnung das Unterste zuoberst gekehrt, Schubladen ausgekippt, Schränke durchwühlt, der Familienschmuck verschwunden. Bis heute, sagt das Ehepaar, kämen sie mit einem mulmigen Gefühl nach Hause. Am schlimmsten sei für sie der Gedanke, dass Fremde ihren privatesten Bereich durchwühlt hätten. Wie viele Einbruchsopfer leidet Ehepaar K. unter andauernder Angst und schlaflosen Nächten.

So sichern Sie Ihr Haus

Licht

Beleuchtung
Um Anwesenheit vorzutäuschen, sind Zeitschaltuhren für Lampen ein guter Tipp. Allerdings kann man bei einfachen Modellen nur eine bestimmte Uhrzeit einstellen, sodass das Licht jeden Tag zur selben Zeit angeht. Das ist fast so auffällig wie ständige Dunkelheit.

Hier gibt's zwei Behelfsmöglichkeiten: Entweder kaufen Sie mehrere Steck-Uhren und programmieren jede mit einer anderen Zeit, oder Sie leisten sich eine aufwendigere Uhr, bei der Sie verschiedene Uhrzeiten programmieren können.

Fenster und Rollos

Fenster zu
Lassen sie Fenster , Balkon- oder Terrassentüren nicht offen oder gekippt. Wenn Sie abschließbare Fenstergriffe haben, dann sperren Sie ab, bevor Sie in Urlaub fahren.

Rollläden regelmäßig betätigen
Bei elektrischen Rollläden muss die Zeitschaltuhr vom Elektriker eingebaut werden. Das dauert rund eine Stunde. Der Fachmann stellt dafür etwa 100 Euro in Rechnung. Einfacher ist es meist, Freunde oder Nachbarn zu bitten, die Rollos regelmäßig zu betätigen.

Garten

Rasen und Bewässerung
Wenn sie länger verreisen, bitten sie jemanden, den Rasen regelmäßig zu mähen. Ein ungemähter Rasen im Garten deutet auf längere Abwesenheit hin. Den Rasensprenger können Sie auch zeitgesteuert laufen lassen.

Markisen

Wind- und Sonnenfühler
Bei Markisen sind Zeitsteuerungen nur bedingt empfehlenswert. Wenn es windig ist, kann's gefährlich werden. Hier bieten sich Wind- und Sonnensensoren an. Gelangt an den Fühler Sonne, wird die Markise ausgefahren. Ist die Sonne weg, fährt das Sonnensegel zurück.

Ein zusätzlicher Windfühler fährt die Markise ein, sobald es zu windig wird - auch, wenn die Sonne weiterhin scheint. Der Windfühler hat hier Priorität. Das Ganze kann man nachrüsten lassen, ist mit etwa 300 Euro jedoch nicht ganz billig.

Technik 1

Sperren, Alarmanlagen, Bewegungsmelder
Den einfachsten Schutz bieten Panzerriegel oder elektronische Beschläge an der Haustür und Fenster mit absperrbaren Fenstergriffen oder einer Mehrfachverriegelung. Solche Fenster sind schwerer zu öffnen, lassen sich nicht leicht aushebeln und erzeugen Lärm beim Einbruch.

Technik 2

Einfamilienhäuser
Bei Einfamilienhäusern müssen dazu besonders die Terrassen- und Balkontüren sowie die Erdgeschossfenster gesichert werden - die Haupteinstiegswege von Einbrechern. Die Polizei empfiehlt auch Alarmanlagen und Bewegungsmelder. Solch ein sichtbarer Einbruchschutz hätte eine abschreckende Wirkung auf Einbrecher, da sie es meist eilig haben. Regel Nummer eins heißt aber: Immer die Tür absperren, auch wenn Sie nur fünf Minuten außer Haus gehen!

Mühsame Tätersuche

Für die Polizei ist die Tätersuche mühsam - selbst wenn sie Einbrecher zu fassen bekommt, sagt Kriminalhauptkommissar Jochen Weber, Leiter der Ermittlungsgruppe "Eigentum" in der Region Heidelberg/Mannheim. Als seine Soko einen Tipp bekommt, zeigt sich, wie aufwendig die Ermittlung ist. Fünfzehn Polizisten stürmen morgens um fünf Uhr eine Wohnung, in der die Täter vermutet werden. Sie finden zehn Handys, Schlagringe, Messer. Doch kein Beutegut. Wurde dies schon per Post oder durch Komplizen über die Autobahn nach Hause verschickt?

Einen Großteil der Taten wird mobilen Banden zugeschrieben, die entlang gut ausgebauter Verkehrswege auf Beutezug gehen. Die guten Autobahnanbindungen seien besonders günstig für Täter aus dem ost- und südosteuropäischen Raum.

Einbrüche - in Zahlen und Fakten

Etwa alle 3,5 Minuten wird irgendwo in Deutschland eingebrochen.

6.385 Wohnungseinbrüche gab es 2013 alleine in Bayern.

2.835 Einbrüche fanden 2013 in Oberbayern statt.

Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen liegt derzeit bei 10 bis 20 Prozent.

Die meisten Einbrüche finden freitags und samstags statt.

Einbrecher kommen nicht, wie landläufig angenommen, immer in der Nacht. Über ein Drittel aller Wohnungseinbrüche finden tagsüber statt, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist.

Einbrecher suchen sich im Normalfall keine speziellen Objekte aus, sondern nutzen Gelegenheiten (wie etwa gekippte Fenster).

Jeder 3. Einbruch geht über eine Balkon- oder Terrassentür.

Ein einbruchsicheres Fenster kostet etwa 10 Prozent mehr als ein normales Fenster. Nachrüsten ist jedoch recht teuer: etwa 250 Euro pro Fenster muss man rechnen.

40 Prozent aller Einbruchsversuche werden durch aufmerksame Nachbarn und gute Sicherungsmaßnahmen am Haus vereitelt.

Der typische Einbrecher ist männlich, jünger als 21 Jahre und in den meisten Fällen nicht deutsch. Diese Angaben treffen allerdings nur für die gefassten Täter zu – 80 Prozent der Täter bleiben unerkannt.

17-20 Prozent aller Einbruchsopfer ziehen aus ihrer Wohnung aus.

Rüdiger Seidenspinner, Vorsitzender der Polizei-Gewerkschaft GdP in Baden Württemberg | Bild: SWR

Rüdiger Seidenspinner, Vorsitzender der Polizei-Gewerkschaft GdP in Baden Württemberg

Für den Vorsitzenden der Polizei-Gewerkschaft GdP in Baden Württemberg, Rüdiger Seidenspinner, hat die Sparpolitik der letzten Jahre die Lage noch verschärft: "Ob der Bürger es versteht, wenn aus Spargründen sein Recht auf innere Sicherheit eingeschränkt wird?" fragt er und kritisiert:

"Die Polizei ist durch die zunehmende Gewalt in Teilen der Gesellschaft, die rasant gestiegene Bedrohung durch extremistische Gruppen und durch organisierte Kriminalität massiv gefordert. Diese Situation darf nicht dazu führen, dass wegen fehlender Kapazitäten die Bekämpfung der Alltagskriminalität, wie Wohnungseinbrüche und Körperverletzung, immer mehr in den Hintergrund tritt."

Rüdiger Seidenspinner, Vorsitzender der Polizei-Gewerkschaft GdP in Baden Württemberg

Was hilft gegen die drastische Zunahme bei den Wohnungseinbrüchen? Mehr Polizei? Eigeninitiativen von Bürgern, die mittlerweile selbst in ihren Wohnvierteln Streife laufen? Die Investitionen der Hausbesitzer in Alarmanlagen und Sicherheitstechnik? Die Autorin Rita Knobel-Ulrich begibt sich auf Recherche zu Ermittlern, Einbruchsopfern - und ehemaligen Tätern.

Ein Film von Rita Knobel-Ulrich für den SWR

So schützen Sie sich vor Einbrechern:

  • Haus-, Wohnungs- oder Ersatzschlüssel nie draußen, zum Beispiel unter der Fußmatte oder in einem Blumentopf verstecken. Einbrecher kennen die einschlägigen Verstecke.
  • Bei Türen mit Glasfüllungen oder absperrbaren Fenstergriffen nie den Schlüssel im Schloss stecken lassen.
  • Achten Sie in Ihrer Nachbarschaft auf Verdächtiges, zum Beispiel auf Fahrzeuge, die mehrmals sehr langsam vorbeifahren, oder auf auffällige Personen. Notieren Sie gegebenenfalls das Kfz-Zeichen verdächtiger Fahrzeuge und verständigen Sie die Polizei.
  • Zögern Sie bei verdächtigen Geräuschen (Bohrgeräusche, Klirren, etc.) nicht, die Polizei anzurufen. Die kommen lieber einmal umsonst als zu spät.
  • Wertsachen nicht offen herumliegen lassen. Sparbücher, Schmuck und Bargeld in einem einbruchsicheren Tresor aufbewahren. Besonders wichtige Dokumente und Schmuck in einem Schließfach bei Ihrer Bank deponieren.
  • Markieren Sie Ihre Wertgegenstände, erfassen Sie sie in einer Liste, am besten mit Foto.
  • Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der sollte die Anschaffung einer Alarmanlage in Erwägung ziehen.


Besonders zur Urlaubszeit - aber nicht nur dann - sollten auch die nachfolgenden Tipps beherzigt werden:

  • Anrufbeantworter ausschalten oder eine neutrale Ansage aufsprechen.
  • Urlaubszeit nicht in sozialen Netzwerken verkünden.
  • Sämtliche Fenster und Türen schließen und absperren - auch Keller- und Hintereingänge.
  • Leitern, Mülltonnen und sonstige Einstiegshilfen wegsperren oder anketten.
  • Zeitschaltuhren einsetzen: Mit ihnen können Licht, Rollos und Radios zeitgesteuert werden. Das täuscht Anwesenheit vor.
  • Zeitungen und Post abbestellen. Der Aufkleber "keine Werbung" schützt vor übervollen Briefkästen.
  • Wenn die Reise länger dauert: Bitten Sie Nachbarn, Freunde oder Verwandte, hin und wieder nach dem Rechten zu sehen.
  • Lassen Sie den Rasen ab und an mähen - ein ungemähter Rasen im Garten deutet auf längere Abwesenheit hin.

Beratung und Information:

Die Kriminalpolizei berät Sie kostenlos und individuell zum Einbruchschutz, bei Anfrage auch vor Ort. Informationen erhalten Sie in allen Polizeidienststellen. Kümmern Sie sich rechtzeitig darum. Im folgenden finden Sie Tipps zum Einbruchschutz, Beratungsstellen der Kriminalpolizei und eine Liste von amtlich zertifizierten Firmen für Sicherheitstechnik.


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