BR Fernsehen - Kontrovers


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Risiko Drohnen Es wird eng in der Luft

Drohnen liegen voll im Trend. Aber sie sind auch gefährlich! Vor wenigen Tagen erst stürzte ein solches Fluggerät im Münchner Olympiapark ab - direkt neben einer Familie. Immer öfter kommt es zu riskanten Zwischenfällen im Luftraum, meldet die Deutsche Flugsicherung. Ein Grund: Es fehlen klare Regeln und Verbote!

Von: Stefanie Heiß, Anna Klühspies

Stand: 23.11.2016

Es hätte schlimm enden können: Ende Oktober lässt ein 36-jähriger Mann im Olympiapark eine Drohne steigen, obwohl das dort verboten ist. Plötzlich verliert er die Kontrolle: Die Drohne knallt gegen die Scheibe des Restaurants im Olympiaturm. Aus 180 Metern Höhe stürzt die Drohne in die Tiefe - gerade, als zwei Familien am Turm vorbeilaufen. Nur wenige Meter entfernt schlägt sie ein. Verletzt wird wie durch ein Wunder niemand.

"Das ist schon eine Riesenwucht. Also wenn sowas runterkommt. Eineinhalb, zwei Kilo, aus 180 Meter Höhe: Das kann schon tödlich sein!"

Werner Bachmann, Geschäftsführer Modellbau Vordermaier

Werner Bachmann ist selbst erfahrender Drohnenpilot. In seinem Laden bietet er von der Spielzeug- bis zur Profidrohne alles an. Kaufen kann die Geräte jeder. Es braucht weder besondere Sachkenntnis noch eine Genehmigung, um eine Dohne zu steuern. Regelungen gibt es nur dafür, an welchen Orten Drohnen fliegen dürfen. In der Nähe von Flughäfen ist es beispielsweise verboten und auch über Menschenmengen dürfen keine Drohnen fliegen. Nur: Viele Hobbyflieger kennen diese gesetzlichen Vorgaben nicht. Wer sich ein Fluggerät im Geschäft kauft, wird von Werner Bachmann über die Regelungen aufgeklärt. Doch wie sieht das bei Käufern aus, die sich eine Drohne im Internet bestellen?

"Ich bestell das, bekomm das und nachdem die Teile zum Teil recht einfach zu handhaben sind, steck' ich sie zusammen, lade den Akku und flieg' los. Etwaige Zettel, die dabei liegen, Warnhinweise und sonstige Sachen werden in der Regel sowieso nicht gelesen."

Werner Bachmann, Geschäftsführer Modellbau Vordermaier

Gefährliche Unwissenheit vieler Drohnenpiloten

Und so ist es kein Wunder, dass es an deutschen Flughäfen trotz absolutem Drohnenverbot immer häufiger zu gefährlichen Zwischenfällen kommt, 61 allein in diesem Jahr! Im August entging ein Passagierflugzeug in München nur knapp einer Katastrophe: Eine Drohne näherte sich dem Flugzeug bis auf zehn Meter.
Für die deutsche Flugsicherung eine unsichtbare Gefahr, denn: Drohnen haben keinen Transponder. Sie werden auf dem Radar nicht angezeigt.

"Deshalb können wir keine Information an den Piloten geben - und zum anderen: Wenn eine Drohne in die Turbine fliegt, mit ernsthaften Beschädigungen, kann es im schlimmsten Falle zum Absturz kommen, also ähnlich einem Vogelschlag. Das macht das ganze so bedrohlich."

Sandra Teleki, Deutsche Flugsicherung DFS

Das Hauptproblem aus Sicht der deutschen Flugsicherung: Die Unwissenheit vieler Drohnenpiloten. Deshalb fordert die DFS einen verpflichtenden Führerschein.

"Wir erhoffen uns von dem Drohnenführerschein, dass die Nutzer einer Drohne entsprechende Kenntnisse, grundlegende Kenntnisse der Lufttraumstruktur erlernen, dass sie wissen, wo sie fliegen können und wo nicht. Entsprechende Regelwerke kennenlernen, die der Gesetzgeber schon erlassen hat, die vielen aber nicht bekannt sind, das ist auch ein Thema. Das könnte man alles bei einem Drohnenführerschein vermitteln."

Sandra Teleki, Deutsche Flugsicherung DFS

Warum gibt es bisher keinen verpflichtenden Führerschein?

Auf Anfrage von Kontrovers verweist das Bundesverkehrsministerium in Sachen Drohnenführerschein auf eine geplante Gesetzesreform. Flugverbotszonen sollen ausgeweitet werden. Außerdem müssen Drohnen künftig gekennzeichnet werden. Und auch ein Kenntnisnachweis, also eine Art Führerschein, wird verpflichtend - allerdings erst für Drohnen ab fünf Kilogramm. Die meisten Drohnen, selbst teure, professionelle Modelle, sind allerdings deutlich leichter. Sie wiegen im Schnitt nur zwei bis drei Kilo. Der Großteil der Drohnen dürfte also auch nach der Reform ohne Führerschein geflogen werden.

Drohnen als potentielle Helfer von Terrroristen?

Um Zwischenfälle mit Drohnen zu verhindern, arbeitet ein Unternehmen aus Fürstenfeldbruck an einem Drohnenabwehr-System. Durch die Kombination verschiedener Techniken lassen sich Drohnen auf dem Radar sichtbar machen. Das System kann sie sogar zur Landung zwingen. Ermöglicht wird das Störmanöver durch komplexe Technik, die Drohnen und die zugehörigen Fernsteuerungen aufspürt und schließlich die Verbindung kappt. Dadurch landet die Drohne automatisch Das könnte in Zukunft sehr wichtig werden!

"Drohnen können für ganz unterschiedliche Dinge genutzt werden. Das Spielzeug ist nur die eine Bedrohung, wenn sie denn unbewusst in Nähe von Flughäfen geflogen wird. Sie kann aber auch Gegenstände transportieren - man kann schmuggeln mit der Drohne, man kann Drogen transportieren, Telefone in Gefängnisse fliegen, aber auch bis hin zu Sprengstoff auf Großveranstaltungen zum Einsatz bringen, was dann ein terroristischer Anschlag wäre."

Christian Jaeger, Drohnenabwehr-Entwickler

Im Fall der Olympia-Park-Drohne konnte der Pilot immerhin gefasst werden. Die Polizei ermittelt jetzt gegen den 36-Jährigen wegen Gefährdung des Luftverkehrs. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Ein glimpflicher Ausgang. Es hätte viel schlimmer kommen können.


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