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BR-BayernTrend Rekordwerte für Söder und Grüne - CSU-Dilemma - Kluft zwischen Stadt und Land

Markus Söder ist der Beliebteste im Land und die Grünen jagen von einem Rekordwert zum nächsten im BR-BayernTrend. Doch die Umfrage zeigt auch, wo die Schwächen der Politik im Freistaat liegen. So sehen sich Stadt und Land unterschiedlich angemessen vertreten. Doch es besteht die Chance auf ein Happyend: Denn die Bayern wenden sich nicht von der Politik ab. Im Gegenteil: Das Interesse an der Kommunalwahl ist sehr groß.

Stand: 15.01.2020

Der BR-BayernTrend im Januar 2020 mit der Sonntagsfrage in Sachen Landtagswahl | Bild: BR

Das CSU-Dilemma

Markus Söder ist mit Abstand Bayerns beliebtester Politiker. Die Staatsregierung genießt hohes Ansehen. Und die CSU-Regierungsarbeit wird besser bewertet als noch vor einem Jahr – doch die CSU als Partei profitiert kaum. Die Gründe dafür dürften weniger im Freistaat, sondern im Bund liegen: Das schlechte Ansehen der GroKo belastet die an der Bundesregierung beteiligten Parteien. Ein Dilemma für die CSU. Markus Söder versuchte Anfang des Jahres einen Befreiungsschlag mit seiner Forderung, das Bundeskabinett zu verjüngen. Doch ausgerechnet der jüngste der drei CSU Bundesminister ist wegen des kostspieligen Scheiterns der PKW-Maut am schlechten Erscheinungsbild der GroKo mitbeteiligt. Dem CSU Vorsitzenden ist nicht entgangen, dass im BR-BayernTrend selbst eine deutliche Mehrheit der CSU-Anhänger mit Andreas Scheuer unzufrieden ist. In Seeon ließ er wissen: Umfrage- und Akzeptanzwerte einzelner Personen seien ein Gradmesser für die Zukunft.

Der geringe Zuwachs der CSU könnte aber auch mit dem Modernisierungskurs der Partei zusammenhängen. Je stärker Söder sich dem Umwelt- und Klimaschutz annimmt, desto mehr Menschen könnte der Gedanke kommen, gleich das Original zu wählen – die Grünen. Zumal die Ökopartei bürgerlicher als früher daherkommt. Mit seinem hohen Beliebtheitswert dürften Söder und sein Modernisierungskurs aber noch unumstrittener in der Partei sein als je zuvor. Zumal die Vergangenheit gezeigt hat: Den eingeschlagenen Kurs zu verlassen, wäre angesichts der gesellschaftlichen Mehrheiten keine Lösung. Auch das bleibt ein Dilemma für die Christsozialen.

Grüner Selbstläufer

Diese gesellschaftlichen Mehrheiten machen dagegen die Situation der bayerischen Grünen komfortabel. Sie können es sich sogar leisten, dass ihre Arbeit als Oppositionsführer im Landtag etwas weniger Zuspruch bekommt als vor einem Jahr und dennoch steigen sie bei der Sonntagsfrage auf ein neues Allzeithoch im BR-BayernTrend. Das liegt auch daran, dass der Erfolg der bayerischen Grünen eng mit dem Bundestrend verknüpft ist. Die Umwelt- und Klimapolitik ist Thema Nummer eins bei den Menschen und den Grünen wird in diesem Feld bundesweit das höchste Sachvertrauen zugemessen.

Dass die Grünen verstärkt versuchen, Klima- und Sozialpolitik zu verknüpfen, bringt die SPD unter Druck, die sich bisher vor allem das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ auf die Fahnen geschrieben hat. Rote Bastionen im Freistaat, Großstädte wie München, Regensburg oder Nürnberg, könnten bei der anstehenden Kommunalwahl fallen. Die SPD wird quasi von zwei Seiten in die Zange genommen: von den Grünen und von der CSU. Das neue Allzeittief der Sozialdemokraten im BR-BayernTrend spricht Bände. Aktuell fällt bei den Landtagsparteien nur noch der Zuspruch zu den traditionell um den Einzug ins Maximilianeum kämpfenden Liberalen geringer aus.

Kommunale Kluft

Die Parteien konzentrieren sich jetzt auf die in acht Wochen stattfindende Kommunalwahl. Durch alle Altersschichten hindurch ist das Interesse schon jetzt dafür groß. Der Trend der steigenden Wahlbeteiligung könnte sich also auch bei der Kommunalwahl fortsetzen. Eine gute Nachricht. Und eine wichtige Wahl. Denn sie richtet den Fokus darauf, dass sich Stadt- und Landbevölkerung unterschiedlich angemessen in der Politik vertreten sehen. Mehr als zwei Drittel der Menschen, die in kleineren Ortschaften leben, beklagen eine zu geringe Rücksichtnahme auf die Landbevölkerung. Hier liegt Protestpotential. Und das kommt unter den Landtagsparteien traditionell vor allem der AfD zugute. Ihre Anhänger sind im Vergleich zu den Anhängern der anderen Landtagsparteien vor allem eines: unzufriedener. Insbesondere die beiden Regierungsparteien, die eher in der Fläche starke CSU und vor allem die selbsternannte Stimme des ländlichen Raums, die Freien Wähler, müsste das umtreiben. Zumal die Freien Wähler laut BR-BayernTrend etwas an Zuspruch verlieren und auch weniger Bayern mit ihrer Arbeit in der Staatsregierung zufrieden sind als vor einem Jahr. Söders Modernisierungskurs lässt den Freien Wählern die Möglichkeit, sich zwischen CSU und AfD zu positionieren. Wie den Freien Wählern, das bekommt, wird wohl eines der spannenden Themen im nächsten BR-BayernTrend werden.


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