BR Fernsehen - Kontrovers


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Audi in Ingolstadt Sparkurs trifft eine ganze Stadt

Der Dieselskandal trifft nun auch Audi mit voller Wucht. Audi ist aber nicht nur ein Unternehmen. Audi, das ist das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt und der Region Ingolstadt. Die Menschen dort gehen auf unsichere Zeiten zu.

Von: Astrid Halder

Stand: 06.10.2016

Vergangene Woche auf dem Pariser Autosalon: Der Audi-Chef präsentiert die neuen Modelle. Audi ist auf Erfolgskurs, so lautet seine Botschaft.

Rupert Stadler

"Jeden Tag arbeiten wir hart an den besten Lösungen für individuelle Mobilität und das heißt in kurzen Worten:  Vorsprung durch Technik."

Audi-Chef Rupert Stadler

Vor harten Strafzahlungen

Doch das Audi-Image hat Risse - seit klar ist, dass Audi in den Dieselskandal verwickelt ist. Denn in den USA drohen immense Zahlungen, das jedenfalls prophezeien Autoexperten.

Ferdinand Dudenhöffer

"Es geht also nach meiner Einschätzung in die Milliardenbeträge. Dann muss man mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Natürlich ist es für Audi eine sehr, sehr große Belastung, jetzt mit diesen Dingen umzugehen."

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft

Eine Stadt ist verunsichert

Das sorgt für Angst in Ingolstadt, der Audi-Stadt. Vor dem Werkstor wird klar: Viele sind verunsichert.

"Ich hoffe, auf die Fragen Antworten zu bekommen, die wir uns jeden Tag stellen in der Nachtschicht. - Jeder redet drüber, jeder hat auch Angst, und es nicht so einfach für viele von uns. - Ja, ich möchte gern, dass endlich mal Klartext gesprochen wird und nicht bloß immer schöne Welt vornherum, in Wirklichkeit sieht es dann anders aus."

Umfrage unter Audi-Mitarbeitern

Immer neue Hiobsbotschaften

In den letzten Wochen kommen fast täglich neue Skandale ans Licht. Audi-Ingenieure sollen die Schummelsoftware sogar erfunden haben. Dann wird die E-Mail eines Mitarbeiters öffentlich - und darin heißt es in Bezug auf die Grenzwerte in den USA:

"Ganz ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen."

Aus einer internen Audi-Mail

Stefan Knirsch

Dann der Super-Gau letzte Woche: Der neue Entwicklungschef Stefan Knirsch muss gehen, weil auch er in den Dieselskandal verwickelt ist. Werden jetzt Stellen gestrichen, weil Audi-Manager Fehler gemacht haben? Diese Sorgen haben vor allem Leiharbeiter bei Audi-Zulieferern. Wie Yvonne Ostrowksi:

"Als Zeitarbeiter bist Du immer an vorderster Front, wenn es darum geht, dass Stellen abgebaut werden. Das wird so kommen."

Yvonne Ostrowski, Leiharbeiterin

Sie arbeitet in der Logistik-Annahme der Firma Scherm, direkt neben dem Audi-Gelände. 30 Prozent der insgesamt 1.100 Mitarbeiter hier sind Leiharbeiter. Für die 37-Jährige und ihre Familie geht es um viel:

"Mein Mann verdient jetzt nicht so viel, dass ich sagen könnte, ich könnte zu Hause bleiben, ohne mir irgendwelche Sorgen zu machen. Ich muss dazuverdienen. Anders funktioniert es besonders in Ingolstadt nicht. Die Mieten, die Lebenshaltungskosten."

Yvonne Ostrowski, Leiharbeiterin

Produktion nach Mexiko verlagert

Audi Q-5

Und es gibt noch etwas, das in Ingolstadt für schlechte Stimmung sorgt. Die Verlagerung der Produktion des Q-5-Modells nach Mexiko. Vergangenen Freitag eröffneten die Audi-Manager mit viel Pomp ein neues Werk in San José Chiapa. Diese Produktionsverlagerung beunruhigt auch Yvonnes Kollegen am Band, Hermann Hackl - auch wenn er einen festen Vertrag hat.

"Das Band wird ja komplett verlegt nach Mexiko. Der Q 5. Dann haben wir zuviel Leute, dann kann es vorkommen, dass manche Leute ausgestellt werden."

Hermann Hackl, Audi-Mitarbeiter

Sparen an der Nachtschicht

Außerdem heißt es: Audi will die Dauernachtschicht abschaffen, das hat Auswirkungen auf die Zulieferer.

"Alle sind stinksauer. Weil es immer wir ausbaden müssen, die Kleinen."

Hermann Hackl, Audi-Mitarbeiter

Dem Audi-Betriebsrat liegt ein Antrag auf Abschaffung dieser Schicht vor. Das sorgt auch für Verstimmung bei der Gewerkschaft, der IG-Metall. 

"Es ist eigentlich die Vereinbarung, dass die Auslastung zugesichert ist und dass auch die Fahrweise, so nennen wir das, die schichtsysteme ordentlich gestaltet werden müssen. Insofern ist dieser Antrag nicht das, was wir vereinbart hatten."

Ein Vertreter der IG-Metall in Ingolstadt

Gewerbesteuer bricht weg

Am Dienstag ein weiterer Schock in Ingolstadt: Audi stoppt die Pläne für das Technikzentrum. Die Sorgen im Rathaus sind wegen der Audi-Krise ohnehin schon groß. Die Gewerbesteuereinnahmen haben sich halbiert. Statt 135 Millionen pro Jahr wie bisher nur noch 68 Millionen Euro.

"Das wird zu Einschnitten führen, wir müssen uns was überlegen, können nicht nur auf Rücklagen zurückgreifen, können nicht nur Kredite aufnehmen. Und wie sich die Zahlen jetzt in den nächsten Jahren entwickeln, müssen in Verwaltung sparen, es wird härtere oder weniger harte Maßnahmen geben."

Albert Wittmann, Bürgermeister Ingolstadt

Dann könnte es sein, dass Kindergartenplätze teurer werden. Freiwillige Zuschüsse für Vereine fallen. Wie es für Audi weitergeht - ungewiss. Im Moment ermitteln die Staatsanwälte in den USA und in Deutschland. Das kann dauern. Für die Menschen, die für Audi arbeiten, sind das keine gute Nachrichten.


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drexler, Donnerstag, 06.Oktober 2016, 09:14 Uhr

8. Audi

Ich kann diese ganze hysterische Rumgetue nicht mehr hören. Es geht hier um einen der wichtigsten Bereiche unserer Wirtschaft. Hunderttausende Menschen arbeiten bei den Autoherstellern. Kommunen hängen mit ihren Haushalten direkt am Wohl und Wehe dieser Firmen. Natürlich wurden grumme Dinger gedreht und die Aufarbeitung der Vorfälle muss möglichst offen und schnell abgewickelt werde, schon im Interesse der Beschäftigten. Trotzdem sollte man diese ganze Hysterie von wegen hunderttausender Tode usw. wegen falscher Abgaswerte mal ein bisschen runterschrauben. Das ist doch alles total überzogen. Unsinnige Schadenersatzforderungen sind ebenfalls sehr bedenklich, es geht hier um deutsche Arbeitsplätze! Ich hab mir jetzt jedenfalls einen neuen Golf mit Dieselmotor gekauft, fahr damit knapp 900 Km und hab auch noch jede Menge Fahrspaß . Ich stell mich damit bewusst auf die Seite unserer Automobilwerker und wünsch mir diese Solidarität von allen

  • Antwort von Andi B., Donnerstag, 06.Oktober, 17:39 Uhr

    Ich stimme diesem Kommentar vollkommen zu!!

waldler, Donnerstag, 06.Oktober 2016, 08:17 Uhr

7. @ Tote durch Stickoxide

Ich hätte da mal eine Frage.
Es gibt hunderte Studien in denen "festgestellt" wird, dass aufgrund des jeweiligen Studienschwerpunktes tausende, mehrere hunderttausende wenn nicht sogar mehr, Menschen pro Jahr sterben.
Da stellt sich für mich folgende Frage, ist das so?
Ich habe den Eindruck, wenn man alle Toten/Jahr zusammenzählt, die aufgrund von Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Stickoxide, Feinstaub, Antibabypille, Sportunfälle, usw. sterben die Zahl der realen Toten in Deutschland pro Jahr bei weitem überschritten wird..
Ich will damit nicht verharmlosen, aber diese Wichtigmacherei von Studien durch eine hohe Todesrate ist nicht legitim!

Artus, Donnerstag, 06.Oktober 2016, 05:02 Uhr

6. Audi mit Betrug viel Geld verdient

Audi hat durch Betrug in der Vergangenheit viel Geld verdient. Vom Betrug haben viele, sehr viele gewusst. Auch die Damen und Herren der Gewerkschaften, die sich jetzt als Unschuldslämmer hinstellen. Seit Jahren veröffentlichen die Umweltinstitute die geschönten Abgaswerte. Mann und Frau bei Audi wollten das nicht so genau wissen. Tausende Menschen sind an den unsauberen Dieselautos gestorben. Die Politik hat ihren Beitrag dazu geleistet. Sie hat auch weggeschaut und den Diesel mit Subventionen bedacht.
Nicht nur Audi wird das kollektive Versagen büßen. Auch der Rest der Automobilhersteller in Deutschland und damit, wegen der großen Abhängigkeit von dieser Industrie,das ganze Land.
Durch das autonome Fahren und die zunehmende Elektrisierung des Verkehrs drohen weitere Einbrüche. Länder wie China sind uns da mehr als eine Nasenlänge voraus. Sie werden bestimmen wos auch technologisch weitergeht.
Das alles haben wir Piëch zu verdanken, der durch seinen absolutischen Führungsstil

Christian von Fürstenfeld-Bruck, Mittwoch, 05.Oktober 2016, 23:34 Uhr

5. Sparkurs trifft eine ganze Stadt

Vermutlich haben einige Autokonzerne nicht alles richtig gemacht, aber zumindest unsere deutschen Medienvertreter sollten sich jetzt schön langsam mit den negativen Berichterstattungen etwas zurückhalten. Unsere sehr gute wirtschaftliche Situation ist nicht zuletzt der deutschen Automobilindustrie geschuldet. Bezüglich Umweltverträglichkeit aufgrund sparsamer Motoren könnten sich die Wettbewerber über dem großen Teich sicherlich noch einige Scheiben abschneiden. Dass solche Kampagnen in erster Linie aus wirtschaftlichen Interessen unserer amerikanischen "Freunde" resultieren, müsste mittlerweile jeder halbwegs intelligente Mensch verstanden haben. Sollte das Hauen und Stechen auf unsere Wirtschaft so weitergehen, dürfte den Verantwortlichen in den Redaktionen klar sein, dass wegen der Umsatzeinbußen nicht nur Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch deutlich weniger Mittel für die Werbung zur Verfügung stehen.

Birkhahn, Mittwoch, 05.Oktober 2016, 22:04 Uhr

4. Dieselskandal

Das mit dem Diesel ist nur ein Aufhänger. Es ist Erpressung in einem Wirtschaftskrieg unter Freunden. Eine moderne Variante des Raubrittertums im Mittelalter. Die europäischen Banken wurden erpresst, ("..."), jetzt sind die Autokonzerne dran. Die USA brauchen Geld, da ist jedes Mittel recht. Sie werden allle zahlen, VW, Audi ;Deutsche Bank usw, Sie werden auch überleben, damit sie beim nächsten "Skandal" wieder zahlen können. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von bergbauer, Mittwoch, 05.Oktober, 22:59 Uhr

    Treffend der Kommentar,
    Wenn schon nicht ttip und Ceta, dann eben mit brachialer Gewalt