BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Das Attentat auf Konrad Adenauer

Am 15. März 1952 explodiert in München eine Bombe und tötet einen Sprengmeister. Schnell war klar: Das Attentat galt eigentlich Konrad Adenauer. Die Hintergründe sind politisch so brisant, dass die Tat über Jahrzehnte unaufgeklärt bleibt ...

Stand: 01.02.2016

... heute aber ist klar: Einer der Drahtzieher damals war Menachem Begin, er wurde später Israels Ministerpräsident und ist Friedensnobelpreisträger.

Explosive Post für Konrad Adenauer

Zurück ins Jahr 1952. Hauptbahnhof München. Am 27. März sitzen dort zwei zwölfjährige Jungen und wollen sich mit Autowaschen ein wenig Geld verdienen. Das Geschäft läuft nicht gut an diesem Tag – bis sich eine neue Möglichkeit bietet: Ein Unbekannter bittet sie, für ihn ein Paket am Postamt abzugeben. Den Adressaten können sie nicht erkennen, der Mann verbietet ihnen ausdrücklich, das Zeitungspapier, mit dem das Paket umwickelt ist, abzunehmen. Der Mann verfolgt die Jungen, sie bekommen Angst und geben das Paket einem Polizisten. Als der sieht, dass Kanzler Adenauer als Adressat angegeben ist, bringt er das Paket ins Polizeipräsidium. Dort kommt es zu fatalen Fehlern, die Bombe explodiert und reißt einen Mann mit in den Tod.

Widerstand gegen Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel

Luxemburger Abkommen | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Das Wiedergutmachungsabkommen Beginn einer Annäherung

Am 10. September 1952, sieben Jahre nach dem NS-Völkermord, bekennt sich die Bundesrepublik zur deutschen Schuld. Im Luxemburger Abkommen verpflichtet sie sich zur Entschädigung und Wiedergutmachung. [mehr]

Die Spur führt schnell nach Israel. Genau zu dieser Zeit bemühte sich Adenauer um eine Aussöhnung mit dem jungen Staat, es liefen Wiedergutmachungsverhandlungen zwischen Deutschland und Israel in Den Haag. Adenauer brauchte diesen Erfolg für die Westintegration, das beinahe bankrotte Israel dringend das Geld. Trotzdem gab es von Konservativen und Rechten dort Widerstand gegen "Blutgeld" aus Deutschland.  Besonders Kämpfer der radikal-zionistischen Untergrundorganisation Irgun lehnen diese Zahlungen ab. Immer wieder hat der Irgun Anschläge verübt: in Palästina oder auch in Rom, meist gegen die Briten. Doch seit 1948 und der Gründung des Staates Israel ist der Irgun verboten. Sollte er trotzdem wieder aktiv sein?

Halbherzige Aufklärungsversuche

Die Spur wird nur sehr halbherzig weiter verfolgt. Prof. Hanns Jürgen Küsters von der Konrad-Adenauer Stiftung erklärt das so:

"Man darf nicht verkennen, dass die Regierung in Bonn -  und letztendlich auch die israelische Seite - kein großes Interesse hatte, in die Details zugehen. Denn wenn es damals bekannt geworden wäre, dass es möglicherweise eine rechtsextreme israelische Terrororganisation war, hätte das natürlich jegliche Annäherung zwischen Deutschland und Israel zunichte gemacht."

Prof. Hanns Jürgen Küsters von der Konrad-Adenauer Stiftung

Jetzt steht fest: Anschlag ging auf das Konto des Irgun

Einer der Drahtzieher des Attentats war Menachem Begin, er wurde später Israels Ministerpräsident und ist Friedensnobelpreisträger.

Und so verwundert es nicht, dass die Ermittlungen im Sande verlaufen, ja dass das Attentat fast vergessen wurde. Erst 50 Jahre später, durch das das Bekenntnis eines Beteiligten, wurden die Hintergründe aufgeklärt. Der Anschlag ging auf das Konto des Irgun, war der verzweifelte Versuch dieser Gruppe, wieder politischen Einfluss zu gewinnen. Und Anführer des Irgun war Menachem Begin, später Ministerpräsident Israels.

Kontrovers-Autor Christian Stücken zeichnet in seinem Film ein spannendes Stück Zeitgeschichte nach und zeigt, wie dieses Verbrechen nach so vielen Jahren doch noch eine Aufklärung erfuhr. 


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