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"Keine Zeit zu sterben" Daniel Craigs Abschied als 007

Mehrmals wurde der Kinostart verschoben, nun startet JAMES BOND 007: KEINE ZEIT ZU STERBEN endlich auf der großen Leinwand. Zum fünften und letzten Mal schlüpft Daniel Craig in die Rolle des James Bond und die Filmemacher versprechen einen epischen Abschluss der Craig-Ära. kinokino konnte einige exklusive Einblicke bekommen, unter anderem am Set im italienischen Matera, das Schauplatz für einige der spektakulärsten Stunts im Film war.

Von: Gregor Wossilus

Stand: 29.09.2021

Es beginnt romantisch im italienischen Bergstädtchen Matera, aber nach 10 Minuten krachen die Maschinengewehre, rennt, stürzt, fährt James Bond alias Daniel Craig um sein Leben. Sechs Jahre nach dem letzten Abenteuer und – Corona-bedingt – eineinhalb Jahre später als geplant kämpft sich 007 spektakulär zurück auf die große Leinwand. Zum fünften und letzten Mal gibt Daniel Craig den Bond - für eine Gage von 50 Millionen Pfund.

Eine der spektakulärsten Einsätze von Bonds Aston Martin DB 5 erleben die Zuschauer gleich zu Beginn des Films.

Insgesamt hat der Film wegen der Verschiebungen das alte, schon üppige Budget von 250 Millionen Dollar auf 300 Millionen anschwellen lassen. Und das sieht man von der ersten Minute an. Cary Fukunaga - erstmals führt ein Amerikaner Regie bei der Agenten-Reihe - hat dem Film einen besonderen Farbton und Look verpasst, der Bonds Gefühlswelt erstaunlich wirkungsvoll spiegelt. Von den grandiosen Actionsequenzen und einem flotten Schnitt ganz zu schweigen. Alles rau, schnell, wild, großes Kino. Denn der Agent ihrer Majestät ist verliebt in seine Madeleine Swann (Léa Seydoux), träumt mit ihr von einem Neuanfang. Doch dann, nach einer Liebesnacht in Matera, wird er von SPECTRE-Schergen angegriffen ... Beide entkommen nur knapp. Und Bonds Vertrauen ist erschüttert. In Madeleine, in alles ...

Bond, ein verwundetes Tier

Regisseur Cary Fukunaga: "„Als Drehbuchautor und Regisseur wollte ich Bond neu entdecken – was ist nach fünf Jahren Ruhestand aus ihm geworden? Er ist wie ein verwundetes Tier, das mit seiner Rolle als Doppelnull-Agent hadert.“

Und das ist in diesem Bond ausgeprägter denn je. Bond hat sich von Madeleine getrennt, lebt zurückgezogen seit fünf Jahren auf Jamaika, seinen Dienst hat er längst quittiert. Aber zufrieden ist er hier auch nicht. Natürlich holt ihn seine Vergangenheit ein, sein alter Freund und CIA-Mitarbeiter Felix Leiter kontaktiert ihn. Es gibt einen neuen Auftrag in Kuba ... und dort stößt Bond auf Machenschaften seines alten Widersachers Ernst Blofeld, der in einem Londoner Gefängnis sitzt. Hält Blofeld (Christoph Waltz) immer noch die Fäden in der Hand?

Personal Business, 007!

Showdown hinter Gittern: Bond trifft erneut auf Erzfeind Blofeld.

Der Auftrag ist also ganz schnell wieder eine sehr persönliche Angelegenheit. Und damit ein Problem für gerade traditionelle Bondfans. Die fühlen sich ein weiteres Mal an das berühmte M-Zitat aus "Goldfinger" erinnert: "Es handelt sich nicht um persönliche Rache 007, sondern um einen dienstlichen Auftrag. Und wenn Sie den nicht kühl und objektiv durchführen können, wird ihn 008 übernehmen."

Kämpft sich am Schluss fast allein durch die Reihen der Gegner: Daniel Craig als 007.

Dazu Siegfried Tesche, Bond-Kenner und Autor diverser Bondbücher: "Ich glaube die traditionellen Fans mögen das nicht so, dass James Bond mehr mit sich selber beschäftigt ist und mehr leidet – sie wollen glaube ich eher so einen strahlenden Helden sehen. Immerhin hat er noch das, was sozusagen viele Fans mögen, also er hat ein unbegrenztes Spesenkonto, er hat die tollsten Autos, kann mit den schönsten Frauen dinieren und first class durch die Welt jetten."

Fanerwartungen und neues dramatisches Potential

So erfüllen die Produzenten einerseits die Erwartungen der Fans, steigern aber das dramatische Potenzial, wenn der Held auch Schwächen zeigen darf. Erstmals in der Bond-Geschichte erzählen die fünf Daniel-Craig-Filme eine durchgehende Handlung. Es ist z.B. für das Verständnis von "Keine Zeit zu sterben" mehr oder weniger unerlässlich, das vorherige 007-Abenteuer "Spectre" zu kennen. Ein Novum in der Serie, die sonst immer wunderbar als Einzelmissionen des Agenten funktionierte.

Rami Malek als Bondschurke Safin.

Und wie ist er nun, der neue Bond? Die Geheimhaltung erinnerte an beste MI6-Praktiken, die Weltpresse sah den Film erst zeitgleich zur Londoner Weltpremiere, eine Sperrfrist bis Mitternacht des nächsten Tages sollte Spoiler verhindern. Selbst BBC-Journalisten, die das Bond-Team vor der Premiere interviewen durften, mussten das ohne Sichtung des Films tun. Ist der Aufwand, diese Geheimdienstarbeit des Studios Universal und der Produzentin Barbara Broccoli gerechtfertigt? Wir verraten hier natürlich nicht die wichtigsten Twists und Überraschungen. Nur soviel, ein wenig haben sich die Produzenten und Drehbuchautoren in ein Sackgasse geschrieben. Am meisten quälte mich nach dem Filmende die Frage: Und nun? Wie soll/kann die Serie weitergehen? Die Ära-Craig ist zu Ende. Die Ära Bond vielleicht ... auch?
Der Film für sich? „Keine Zeit zu sterben“ beginnt stark, hochatmosphärisch, und auch humorvoll. Also - wie Christoph Waltz mal gesagt hat, „Kasperltheater für Erwachsene“. Leider aber ein Kasperltheater, das mitunter arg melodramatisch geraten ist. Ein solides Good-Bye für Daniel Craig. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.


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