BR Fernsehen - kinokino

36. Filmfest München Hommage an Phillip Gröning

Philip Gröning ist ein Philosoph hinter der Kamera, nennt "Sommer" seinen ersten Film und "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" den neuesten. Das Filmfest München präsentiert fünf Filme des Regisseurs, der Kino zu einem Erfahrungsraum macht!

Von: Kirsten Martins

Stand: 28.06.2018

Irgendwo in Bayern, bis zu den Alpen am Horizont dehnen sich hitzeflirrende Felder. Mitten in einer Sommerwiese streitet, albert und träumt ein Zwillingspaar. Robert arbeitet mit seiner Schwester für ihre Abiturprüfung an Martin Heideggers Schriften über die Zeit.

Szene aus "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"

Kluge und freche Dialoge, impressionistische Bilder: eine Grille am Kopfhörer, eine Mädchenhand im hellen Haar, ein rotgeschminkter Mund.
Auch diese rauschhaften, sinnlichen Bilder seines jüngsten Spielfilms „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ drehte wie immer Phillip Gröning.

"Natur ist das Grundbild des Richtigen"

„Die Natur ist in meinen Filmen durchgängig, schon in meinem ersten Film ‚Sommer‘ über einen autistischen Jungen, der eigentlich nur zur Ruhe kommt, wenn er in seine Glaskugel schaut oder auf das, was im Gras geschieht. Ich glaube, die Natur ist das Grundbild des Richtigen.

Szene aus im "Sommer"

Es gibt in den Menschen so ein Grundgefühl von dem, was sich richtig anfühlt und ich habe noch nie eine Wolke gesehen, die falsch aussieht oder eine Blume, die Natur ist der Maßstab von dem, was stimmt.“

Das große Schweigen der Mönche

Szene aus "Die Große Stille"

International berühmt wurde der 59jährige mit seinem Dokumentarfilm „Die große Stille“. Folgte dem Alltag von Mönchen in einem einsamen Karthäuserkloster in den französischen Alpen. Den dreistündigen, fast wortlosen Film strukturieren immergleiche Rituale und der Ablauf der Jahreszeiten. Auch dies ein eigensinnig kreativer Film voller magischer, insistierender Bilder, Gröning gelingt es spirituelle Erfahrungen, eine andere Zeiterfahrung, filmisch erfahrbar zu machen. "Natürlich weiß ich, dass es auch eine Zumutung ist, wenn die Filme so lang sind. Aber, irgendwie gelingen sie nicht kürzer, damit man auch in die Erfahrung reinkommt." Seine Grundhaltung zum Kino sei , dass das Kino ein Erfahrungsraum ist, wo man als Zuschauer im besten Fall durch eine Erfahrung durchgehen kann, die einen ein bisschen verändere. sagt er. "Das hat mehr mit dem französischen, russischen, asiatischen Kino zu tun als mit dem deutschen Kino, das Geschichten erzählt die man dann für sich abschließen kann.

Der Philosoph hinter der Kamera

Ich bewundere den Eigensinn dieses provozierenden Filmers, so einen wie ihn brauchen wir im deutschen Kino. Er begreift das Kino als einen Ort, an dem man auch denken kann. Phillip Gröning philosophiert filmisch und nimmt den Zuschauer mit auf seine herausfordernden Entdeckungsreisen. Grade bereitet er einen Dokumentarfilm über das Wesen der Kunst vor. "Der Film steht da bedauerlicherweise sehr abseits", sagt Gröning. Unter anderem auch dadurch, dass es sehr wenige Regisseure gebe, die sich tatsächlich auf eine reflexive Ebene begeben, auf der sich die Kunst die ganze Zeit befinde. "Wenn man realistisch ist, muss man sagen, das Kino ist - auch, was die intelektuelle Herausforderung an das Publikum angeht - weit unter der Oper oder den Kunstausstellungen oder dem Theater angekommen, das hätte nicht so weit kommen müssen. Eigentlich haben wir das Publikum durch Unterforderung ein bisschen verloren und ich finde, wir sollten es es wieder zurückholen."