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jetzt red i in Schwabach Arm im reichen Land - Wenn die soziale Schere auseinander geht....

Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. So kann der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ganz knapp zusammengefasst werden. Gleichzeitig boomt die Wirtschaft und die Arbeitslosenzahlen sind niedrig. Was läuft da schief im reichen Deutschland?

Stand: 20.03.2018

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, die Einkommens-Ungleichheit ist in Deutschland so groß wie zuletzt 1913. Laut dem aktuellen Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist rund jeder Sechste von relativer Armut bedroht. Besonders gefährdet sind Arbeitslose, Rentner, Geringqualifzierte und Alleinerziehende. Wer arm ist, lebt kürzer: Männer durchschnittlich elf Jahre, Frauen acht. Auch im reichen Bayern gelten 1,6 Millionen Menschen als arm und das Risiko, es zu werden, ist gestiegen. Besonders gefährdet sind die Mittelfranken: Hier ist jeder Siebte von Armut bedroht.

Hartz IV - Die Lösung oder das eigentliche Problem?

Für große Aufregung sorgte vor wenigen Tagen der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): "Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut. (…) Damit hat jeder das, was er zum Leben braucht." Die Opposition reagierte empört: „Kinder- und Altersarmut, Demütigungen und Existenzängste sind real – oft nicht trotz, sondern wegen Hartz IV“, so Grünen-Parteichef Robert Habeck. Sozialverbände pflichten ihm bei, sie fordern schon länger eine Erhöhung der Hartz IV-Sätze.

"Nur ein starker Sozialstaat, der auf die Bedürfnisse der Menschen von Kindesbeinen bis zur Rente hin angemessen reagiert, kann die Schere der sozialen Teilung in Deutschland wieder schließen."

Martin Burkert, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern in der SPD-Bundestagsfraktion

Großer Zulauf bei den Tafeln

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland beziehen Hartz-IV. Essen und Getränke werden dabei pro Tag mit 4,80 Euro für einen Erwachsenen veranschlagt, für Kinder nur mit 2,70 Euro. Viele kommen mit der Grundsicherung nicht über die Runden. Die Tafeln sind die einzige Möglichkeit, um für wenig Geld an Lebensmittel zu kommen. Alleine in Bayern gibt es aktuell 169 Tafeln, die rund 200.000 Menschen versorgen. Bundesweit haben die Tafeln rund 1,5 Millionen Kunden. Mit über 50.000 ehrenamtlichen Helfern gelten die Tafeln in Deutschland als eine der größten sozialen Bewegungen.

"Seit Jahrzehnten findet eine radikale Umverteilung von unten nach oben statt. Die Wirtschaft brummt und trotzdem wächst die Armut in unserem Land. Kein Wunder, dass das Vertrauen vielen Menschen in die Politik zusehends schwindet. Die Bundesregierung muss jetzt handeln!"

Klaus Ernst (Die Linke), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag

"Wir müssen Chancengleichheit für alle am Start des Lebens herstellen und wesentlich mehr in Bildung, vor allem frühkindliche Bildung investieren. Darüber hinaus müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass der Aufbau von Vermögenswerten für alle möglich wird und natürlich auch die Hinzuverdienstgrenzen bei Hartz IV lockern."

Katja Hessel, FDP-Bundestagsabgeordnete

Arm trotz Arbeit?

Gleichzeitig boomt die Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig. Trotzdem müssen 1,2 Millionen in Deutschland aufstocken. Das heißt sie müssen zusätzliche staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, obwohl sie einen Job haben - von dem sie aber nicht leben können. Was tut die Politik also, um die wachsende soziale Spaltung zu verhindern? Wie kann Teilhabe für alle gelingen? Ist Hartz IV die richtige und ausreichende Antwort auf Armut? Oder macht erst die Grundsicherung arm?

Ihre Meinung ist gefragt!

Auf dem Podium stellen Martin Burkert, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern in der SPD-Bundestagsfraktionsich, Klaus Ernst (Die Linke), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag und die FDP-Bundestagsabgeordnete Katja Hessel Ihren Fragen, Wünschen, Forderungen und Beschwerden!

Unsere Moderatoren

Vera Cornette und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder unter www.facebook.com/BR24! Wir sind gespannt!


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Olga, Donnerstag, 29.März, 12:36 Uhr

44. Arm im reichen Land

Tarifverträge als gemeinverbindlich erklären. Niedriglohnsektor drastisch einschränken. Zeitarbeit abschaffen. Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung für alle ohne Ausnahme ( auch Beamte, Politiker, kammergebundene Berufe Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater usw. ) Steuerschlupflöcher abschaffen. Tarifflucht unterbinden, Öffnungszeiten für Kitas der Arbeitswelt anpassen ( in immer mehr Betrieben muss Schicht gearbeitet werden) damit Familie und Beruf besser vereinbar ist, verpflichtente Ganztagsschulen, für bessere Bildung. Sozialen Wohnungsbau fördern. Nicht erst 32.000 wbg- Wohnungen verkaufen und dann 2000 Sozialwohnungen bauen wollen( Söder in Bayern) . Manager und Politiker für grobe Fehler haftbar machen. Statt staatlicher Zuschüsse für die private Altersvorsorge die gesetzliche Rente stärken, dann gäbe es keine Altersarmut und Hartz 4 könnte auch abgeschafft werden. Eine GOKO hätte dafür bestimmt die nötige Mehrheit im Bundestag. Man muss es nur wollen.

Wolfgang Ehrhardt, Donnerstag, 29.März, 11:32 Uhr

43. soziale Schere

in meiner erziehung gibt es das wort " neid " nicht ! a b e r , wir haben bei : politikern, staatsdienern, bänkern, managern u. sportlern >gehälter<, die einfach unanständig sind ! auch " BONI " gehört dazu. z.b. deutsche (verlust) bank für 2017 > 2,3 milliarden <. in der sendung wurde N U R von renten gesprochen nicht aber von " pensionen " !! würden die staatsdiener auch in die - renten-u. sozial-kasse - einzahlen, hätten wir bessere verhältnisse !!! gruß - wolf-hei

Agelstein, Donnerstag, 29.März, 11:29 Uhr

42. Armut im reichen Land

Es gibt genügend, die einen erlernten Beruf haben, wegen der Kindererziehung einige Jahre aussetzen mussten, da Öffnungszeiten der Kinderbetreuung und Arbeitszeiten nicht zusammen passten (z. Bsp. Verkäuferin Öffnungszeiten in der Läden, in immer mehr Betrieben muss man Schicht arbeiten) Warum werden die Öffnungszeiten der Kitas nicht der Arbeitswelt angepasst, damit Beruf und Familie besser vereinbar ist? Im Aufsichtsrat von VW sitzt auch der Ministerpräsitent vom NRW er hat auch dem Gehalt für den Vorstand von VW zugestimmt. Was ist ungerecht, wenn auch Politiker wie z. Bsp. Frau Hessel und alle Beamte, kammergebundene Berufe ( Notare, Ärzte, Rechtsanwälte) verpflichtet würden in die gesetzliche Rente einzuzahlen. Viel mehr Branchentarifverträge als gemeinverbindlich erklären. Damit könnte man den Niedriglohnsektor eindämmen. Nichts davon ist im Koalitionsvertrag zu lesen und nichts davon wurde wärend der GOKOs umgesetzt.

Ingrid, Donnerstag, 29.März, 11:24 Uhr

41. so einfach ist das nicht

Ich habe erfahren, dass man auch gut ausgebildet in Hartz4 schlittern kann. Ich bin eine Frau Mitte 40 mit Studium und div. Weiterbildungen. Meine Mutter ist schon länger krank, ich musste die Arbeitszeit reduzieren und das war der Beginn des Problems. Dann wurde mir betriebsbedingt gekündigt, seitdem suche ich. Nach ca. einem dreiviertel Jahr Arbeitslosigkeit bekommt man kaum mehr Chancen, Arbeitslosigkeit wird zum persönlichen Handicap. Und dass der Arbeitsmarkt so gut wäre stimmt nicht. Es gibt viele arbeitslose Akademiker und viele schlecht bezahlte Hilfsjobs, von denen keiner auf Dauer leben kann. Und leider keine sozial denkenden Unternehmen.

silvia h, Mittwoch, 28.März, 21:27 Uhr

40. plünderung unserer Sozialkassen

Die sogenannte Bildung für Hartz 4, Empfänger beihaltet nichts anderes als sog. Bewerbungstraining. Von unserem Jobcenter wird jeder ausnahmslos in diese Maßnahmen gezwungen. Die Schulen werben mit PC-Grundlagen, die aber gar nicht geleistet werden können. Wenn man 15 Teilnehmer mit unterschiedlichen Niveau zusammenspeert kann nicht viel rauskommen. Wenn für ein Teilnehmer bis zu 2000 Euro kassiert werden kann, ist das natürlich ein profitables Geschäft für das Schulunternehmen. Bei uns gibt es meines Wissens inzwischen 4 Unternehmen, die fleißig kassieren, meist müssen alle Arbeitslosen diese Kurse in jeder Schule belegen, das nennt sich dann "Vermittlung auslagern". Was dann die Sachbearbeiter im Jobcenter machen ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Die Arbeitslosenversicherung ist eine Versicherung für die Arbeitslosigkeit uns keine Melkmaschine für Bildungsfabrken. die fleißig für sinnfreie Schulungen plündern.