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"jetzt red i" aus Sauerlach Bayerns Grundschulen am Limit

Am 15. Februar gibt es Zwischenzeugnisse an Bayerns Grundschulen. Und dann bleibt nicht mehr viel Zeit zum Nachbessern bis zu den Übertrittszeugnissen. Viele Eltern wollen unbedingt, dass ihr Kind aufs Gymnasium geht. Der Druck auf die jungen Schüler durch dieses „Grundschulabitur“ ist enorm, sagt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband: „In manchen Familien wird alles der Note untergeordnet. Da wird der Geburtstag vom Opa verschoben, das Kind darf nicht mehr zum Fußballspielen. Da muss ich mir danach überlegen: Zu welchem Preis hat mein Kind diese Zwei geschrieben?“

Stand: 23.01.2019 15:00 Uhr

Jedes Schuljahr aufs Neue beginnt nach den Zwischenzeugnissen die grosse Anspannung an Bayerns Grundschulen. Wer schafft den Übertritt ans Gymnasium? Mittlerweile liegt die Quote bei rund 40 Prozent - für viele Eltern ist der Weg zum Abitur und an die Uni der einzig richtige. Doch wer fragt die Kinder? Was bleibt alles auf der Strecke, wenn in der 4. Klasse der Notendruck zum Alltag gehört ?

Leistungsdruck + Lehrermangel = Stress an den Schulen

Der große Lerndruck ist aber nur ein Problem. Nirgendwo fehlen so viele Lehrer wie an Bayerns Grundschulen. Die mobile Reserve, die Unterrichtsausfall ausgleichen soll, ist mancherorts schon kurz nach Schuljahresbeginn dauerhaft verplant. Besonders dramatisch ist die Situation an den Grundschulen im Münchner Umland. Eine Ursache für den Lehrermangel ist die geringere Bezahlung: Grundschullehrer verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen am Gymnasium. Und die Anforderungen steigen ständig: Inklusion, Integration von Flüchtlingskindern und immer mehr pädagogische Erziehungsarbeit, die eigentlich die Eltern leisten müssten.

Kehren neue Besen gut?

Nach rund 60 Jahren CSU-Schulpolitik steht jetzt erstmals ein Politiker der Freien Wähler vorne am Pult. Kultusminister Michael Piazolo will in den nächsten fünf Jahren deutlich mehr Lehrer einstellen und so die individuelle Förderung der jungen Schüler voranbringen. Klingt gut, doch reicht das, um die Situation an den bayerischen Grundschulen zu verbessern?

"Bayern bietet eine sehr gute schulische Bildung. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuellen Interessen und Begabungen unserer Kinder. Schon auf dem Weg in die Grundschule wollen wir ihnen einen guten Einstieg ermöglichen: Mit dem neuen Einschulungskorridor können die Eltern der zwischen Juli und September geborenen Kinder künftig selbst entscheiden, ob ihr Kind bereit für die Schule ist. Nach der Grundschule stehen in unserem differenzierten Schulwesen vielfältige passgenaue Bildungswege und Abschlüsse offen. Die Lehrerinnen und Lehrer an den bayerischen Schulen leisten wertvolle Arbeit. Herausforderungen wie die steigende Schülerzahl und die Digitalisierung haben wir im Blick und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Schulen weiterzuentwickeln. Dafür investieren wir auch jeden dritten Euro in Bildung!."

Michael Piazolo (FW), Bayerischer Kultusminister

"Mit einem guten Start wird das Bildungsrennen leichter. Aber der Startblock Grundschule wackelt. Von der Politik werden seit Jahren mehr Investitionen in die Bildung gefordert. Hauptsächlich landet das Geld in flankierenden Maßnahmen, das hilft aber weder der Bildung, noch der Mehrzahl der Schüler / Eltern."

Markus Bayerbach (AfD), Vorsitzender Bildungsauschuss im Bayerischen Landtag

Diskutieren Sie mit!

Kann die Politik etwas gegen den Lerndruck an den Grundschulen unternehmen? Ist das Gymnasium wirklich das Maß aller Dinge? Sollten Grundschullehrer besser bezahlt werden? Sind die Klassen zu groß? Muss das bayerische Schulsystem durchlässiger werden? Wie schaut ideales, kindgerechtes Lernen aus?

Auf dem Podium stellen sich der Bayerische Kultusminister Michael Piazolo (FW) und Markus Bayerbach (AfD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag den Fragen, Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger.

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf Ihre Meinungen zum Thema! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien!


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hirsch irene, Mittwoch, 13.Februar, 21:16 Uhr

57. Schule am Limit

Ich sage immer wieder, kein Kind ist dumm, nur es gibt Schüler, die denken einwenig langsamer und diese Kinder haben in der heutigen Zeit, kaum eine Chance. Hier ist die Politik gefordert. Ich habe das Glück, dass mein Sohn+Schwiegertochter beide da Abi haben. Meine große Enkeltochter hat letztes Jahr in Bayern da Abi gemacht, mit 1,6. Die kleine macht nächstes Jahr das Abi, die sagt jetzt schon wenn ich eine 2 habe das langt mir. Was ich an manche Lehrer bekriedle ist, wenn die Kinder zu der Lehrerin-oder Lehrer sagen, sie sind spitze, werden diese Schüler in manchen Dingen bevorzugt, auch das sollte nicht sein. Ich bin 75 Jahre alt und ich sage meinen Enkelkindern, ihr bekommt jetzt schon einen Vorgeschmack was das spätere Berufsleben anbelangt. Leistung ist halt über all gefordert.

Mario Euler, Mittwoch, 13.Februar, 21:08 Uhr

56.

Ich sprech aus dem Herzen, wenn ich sag, gibt den Kindern ein bisschen Freiheit. Selber bin ich als, die Wahl der Folgeschule anstand auch "nur" in die Realschule gekommen. Selbst dort hab ich in der 5. und 6. Klasse nur unterdurchschnittliche Noten gehabt. Jetzt studiere ich Elektrotechnik mit nem 1.0er Schnitt. Komisch eigentlich, wo ich doch zur Unterschicht gehörte. Was ich sagen will ist, selbst wenn die Kinder auf die Realschule oder Mittelschule kommen ist das doch vollkommen egal. Die Talente und Interessen entwickeln sich halt bei einigen erst später und das zu recht. Kind wird man doch wohl noch sein dürfen.
Daher, keine Panik, auch wenns nicht so gut klappt!

H. Grautstück, Mittwoch, 13.Februar, 21:05 Uhr

55. Bayerns Grundschulen am Limit

Ich habe vor 60 Jahren den Übertritt vom der Volkschule zum Gymnasium mit einer Prüfung gemacht, über die sich niemand beschwert hat. Ich bin der Meinung, dass es ohne Leistungnachweise in der Schule nicht geht, damit verhindert wird, daß Abiturienten, die den Lehrerberuf ergreifen wollen, vor Studienbeginn eine Rechtsschreibprüfung machen müssen. Ich bin der Meinung, daß Bayern ein wesentlich besseres Schulsystem hat, als z.B. NRW.
MfG H.Grautstück
Ps Aus meiner damaligen Gymnasialklasse haben übrigens mehr Schüler aus bilsdungsfernen Schicten (nach heutiger Definition) ohne "Ehrenrunde" sprich Wiederholung einer Klasse das Abitur bestanden als Schüler aus dem "Bildungsbürgertum.

Regina, Mittwoch, 13.Februar, 21:02 Uhr

54. Übertritt

Der Herr Piazolo spricht von mehr psychologischer Betreuung, mehr Förderung der einzelnen Schüler und mehr Beratung der Eltern. Dies ist meiner Meinung nach definitiv der falsche Ansatz. Ich bin Mama von 2 Söhnen (4. - 2. Rund Übertritt!!! - und 6. Klasse) und kann nur sagen, dass sich - auch aus dem Gespräch mit anderen Eltern - ergibt, dass die WENIGSTEN Kinder in der 4. Klasse die nötige Reife für diesen Übertritt, wie er in Bayern stattfindet, haben.
Deshalb meine dringende Forderung: verschiebt diesen Übertritt endlich mindestens auf die 6. Klasse, damit wenigstens 80% der Schüler die dafür nötige Reife haben.
Die Kinderzeit ist sooo wertvoll und soll doch eigentlich eine schöne Zeit sein. Mit diesem Wahn, wie er gerade stattfindet, geht viel zu viel wertvolle Kinderzeit verloren. Herr Piazolo machen Sie sich bitte mal Gedanken, ob Lernen und Leistung in der Kindheit alles sein soll?

Brunner, Mittwoch, 13.Februar, 21:01 Uhr

53.

Hallo!
Verfolge gerade die Sendung!
GSam Limit!
Ich bin FoLin an der GS Cham und bin an meinem eigenen Gesundheitslimit angekommen!
Wir haben seit Jahren ganze Klassen(25 Schüler) in unserem Praxisfach! Wöchentlich dieses Schuljahr fast 300 Schüler!
Eine Höchstzahl von 15 Schüler wären das Höchstmaß!
Es gibt keine mobilen Reserven , wenn man krank ist und
Mit der Höchstzahl in den Gruppen spart man sich viele Lehrer und somit Geld!
Mit freundlichen Grüßen
Brunner Carola