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"jetzt red i" aus München Corona-Krise und kein Ende - Droht Bayern eine Pleitewelle?

Je länger die Corona-Pandemie dauert, desto mehr Probleme tauchen auf: Gesundheitliche, gesellschaftliche und zunehmend auch wirtschaftliche. Der Staat verschuldet sich immer mehr, aktuell wird 2021 mit 240,1 Milliarden Euro ein Rekordwert erreicht.

Stand: 18.04.2021 14:00 Uhr

Manche Wirtschaftswissenschaftler sagen: Das kann Deutschland stemmen, die „deutsche Wirtschaft ist robust“, so Monika Schnitzer von den Wirtschaftsweisen. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich aber: Wer soll das alles bezahlen?

Instabiler Arbeitsmarkt

Die Eckdaten vom Arbeitsmarkt Anfang 2021 zeigen: es wird eng. Die offenen Stellen gehen zurück, die Arbeitslosenzahlen steigen und es gibt immer weniger Azubis. Die Kurzarbeit bleibt auf hohem Niveau und einige Betroffene fürchten, dass sie danach direkt in die Arbeitslosigkeit abdriften. Zudem droht in der zweiten Jahreshälfte eine Pleitewelle. Ende April endet die Sonderregelung, nach der Betriebe ihre Insolvenz nicht anzeigen müssen. Wenn diese Frist abgelaufen ist, könnten Unternehmen nicht mehr zahlungsfähig sein, und damit auch ihre Gläubiger in Schwierigkeiten bringen.

Kommunen in Sorge

In vielen Bayerischen Kommunen sind die finanziellen Folgen von Corona jetzt schon zu spüren. Einbrüche bei Gewerbe- und Einkommenssteuer machen den Stadtkämmerern Sorgen. Selbst die wirtschaftlich erfolgreiche Stadt München rechnet für dieses Jahr mit einem Minus von 600 Millionen Euro. Nebeneffekt: Die vielen geschlossenen Geschäfte lassen die Innenstädte veröden, und locken immer weniger Kunden an.

Diskutieren Sie mit!

Wie stemmen wir die wirtschaftlichen Folgen von Corona? Kommt es zu Steuererhöhungen? Die Schere zwischen arm und reich geht mit Corona weiter auf – brauchen wir eine „Vermögensabgabe“ für Reiche, wie dies Die Linke fordert? Oder ist alles halb so wild und wir schaffen die Kraftanstrengung?

Über diese und andere Fragen diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürgerlive mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger(Freie Wähler), Klaus Ernst (DIE LINKE), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag und Monika Schnitzer, Wirtschaftswissenschaftlerin.

"Viele Unternehmen sind vom Dauer-Lockdown angeschlagen. Auch den Kommunen fehlt viel Geld in der Kasse. Wir brauchen jetzt endlich eine Perspektive durch den Dreiklang Testen, Impfen, Öffnen. Je später der Neustart kommt, desto teurer wird es für Wirtschaft und Steuerzahler."

Hubert Aiwanger (FW), Bayerischer Staatsminister fürWirtschaft, Landesentwicklung und Energie

"Menschen mit niedrigem Einkommen, besonders jene die schon vor Corona unterhalb der Armutsgrenze waren, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit, aber auch Soloselbständige sind besonders negativ von der Krise betroffen. Andere wiederum verdienen weiter kräftig in der Krise und konnten ihre Umsätze und Gewinne steigern, wie etwa der Online-Händler Amazon oder Digitalkonzerne wie Microsoft oder Facebook. Aber auch in der Bundesrepublik zahlen Konzerne weiter Dividenden oder haben diese im Krisenjahr sogar erhöht, wie beispielsweise Daimler, Adidas oder BMW. Gleichzeitig haben sich die Staatsschulden durch die enormen aber notwendigen Hilfeleistungen in der Pandemie auch für die Bundesrepublik kräftig erhöht. Deshalb brauchen wir eine einmalige Vermögensabgabe nach der Krise, um große Vermögen an der Finanzierung der Krisenfolgen zu beteiligen."

Klaus Ernst, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag

"Wir haben nach wie vor eine zweigeteilte Entwicklung: Im Verarbeitenden Gewerbe läuft es weiterhin robust und gut. Aber viele Dienstleister, mit denen wir täglich zu tun haben, im Einzelhandel und in den Freizeitaktivitäten, sind weiterhin geschlossen. Diese Bereiche sind stark betroffen, und weil wir diese Bereiche am stärksten wahrnehmen, haben viele Menschen den Eindruck, die Wirtschaft laufe schlecht. Im gesamten Wirtschaftsgefüge machen diese Bereiche aber nur einen kleinen Teil der Wertschöpfung aus. In dem Sinne können wir den Lockdown noch ganz gut verkraften. Das heißt: Wirtschaftlich halten wir das durch."

Monika Schnitzer, Professorin für Komparative Wirtschaftsforschung und Wirtschaftsweise

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Sonja Bauch, Donnerstag, 22.April 2021, 09:55 Uhr

45. EU

Mitten in der größten Krise beschließt die EU- auf Wunsch von Frau Merkel-die Klimaziele massiv zu verschärfen. Wir brauchen eigentlich Jahre um uns von den,auch finanziellen Auswirkungen, zu erholen. Mit den EU-Vorgaben wird das überhaupt nicht mehr möglich sein. Deutschlands Absturz ist besiegelt.

Specht Gerhard , Mittwoch, 21.April 2021, 21:21 Uhr

44. Steuern

Wenn ich alles addiere zahlt bei uns ein topverdiener ca70%steuern
Meine Familie findet das ist moderner Diebstahl

Alexsndra Müller aus München, Mittwoch, 21.April 2021, 21:15 Uhr

43. Gesundheitssystem

Aktuelle Zahlen lt. Internet für Deutschland: 3,2 Mio Fälle, davon 80680 Verstorbene
Einwohner in Deutschland ca. 83 Mio
Ein Gesundheitssystem, dass bei diesen Zahlen vor der Überlastung steht - noch Fragen ??
Das Leben als solches ist ein Risiko, Krankheit und Tod konnten leider noch nie besiegt werden.
Aber willentlich Existenzen zu ruinieren, die Kinder "verblöden" zu lassen (nur ein dummes Volk kann gut regiert werden), die Grundrechte beschneiden und trotzdem wurde das Virus seit über einem Jahr nicht ausgemerzt. Ich bin bestürzt wo das nch hinführen soll. Nicht sehr effektiv unsere Politiker.
Im Übrigen will ich das Virus weder leugnen noch verharmlosen. Nur, so kann es nicht weiter gehen.

Peter Schwarz, Mittwoch, 21.April 2021, 21:14 Uhr

42. Unternehmen gehen pleite und BMW feiert ohne Masken und Abstände n

Sehr geehrte Damen und Herren,
auch mein Unternehmen ist durch das Raster gefallen und ich muss ums Überleben kämpfen.
Wenn hier von BMW gesprochen wird, dass es wert ist mit Mitteln zu unterstützen und auf der anderen Seite steigen die Corona Zahlen in Deutschland und München. BMW hat seine Bistro's geöffnet und erlaubt seinen Mitarbeitern in großen Gruppen ohne Abstände und Masken Kaffeekränzchen abzuhalten.
Das passt nicht zusammen.
MfG
Peter Schwarz

Maria, Mittwoch, 21.April 2021, 21:14 Uhr

41. Aktuelle Sendung

Wieso kann Herr Aiwanger nicht als Bundeskanzler kandidieren?

Er hat verstanden, dass unsere kleineren Unternehmen und Selbständigen nicht mehr lange "überleben" können. Alles was sie sich aufgebaut haben wird durch die Maßnahmen der Bundesregierung kaputt gemacht.
Auch das Wahlkonzept der Grünen ist nicht pro Selbständige/Unternehmen sondern vollkommen kontraproduktiv.