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jetzt red i in Pfarrkirchen Massentierhaltung in Bayern - Der hohe Preis des Billigfleischs

Bauernhöfe und Stallanlagen werden in Bayern immer größer. Viele Landwirte versuchen so, auf dem globalisierten Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Anwohner protestieren. Tier- und Umweltschützer kritisieren die Massentierhaltung mit ihren Folgen für Mensch und Natur. Zu viele Verbraucher greifen nach wie vor zu Billigfleisch - wir alle zahlen dafür einen hohen Preis.

Stand: 30.05.2018 15:49 Uhr

„Ich wünsche mir mehr Vertrauen für unsere bäuerliche Kultur. Wir brauchen auch in Zukunft noch bayerische Bauern und keine anonymen Agrarfabriken“ – das forderte Ministerpräsident Markus Söder in seiner ersten Regierungserklärung. Die Realität sieht anders aus: Rund 90.000 landwirtschaftliche Betriebe zählte man zuletzt in Bayern – nur noch ein Viertel im Vergleich zu den 60er Jahren. Vor allem kleine Bauernhöfe geben auf.

Mehr Tiere, weniger Betriebe

Pro Mastschwein ist eine Stallfläche zwischen einem und einem halben Quadratmeter vorgeschrieben.

Nach dem Motto „Wachse oder weiche“ geht der Trend zu immer größeren Höfen und Stallanlagen. In Niederbayern sind besonders viele Schweine- und Geflügelmastbetriebe zu finden. Es gibt Ställe, die für 40.000 Hähnchen genehmigt sind. Und Betriebe in denen rund 1.500 Schweine gemästet werden. Die Landwirte versprechen gute Haltungsbedingungen und argumentieren mit den Auflagen der Behörden. Viele Anwohner sehen die Massentierhaltung kritisch, fürchten um die Lebensqualität auf dem Land. Bei den Bedenken geht es um Keimbelastung in Luft und Wasser, um Geruch, Lärm und große Maschinen.

Gülle und Antibiotika

Ein weiteres Problem: Durch die Massentierhaltung entsteht so viel Gülle und Mist, dass viele Felder überdüngt sind. Seit Jahren wird die Qualität des Grundwassers in Regionen, in denen viele Tiere gemästet werden, deshalb immer schlechter. Hinzu kommt: Jährlich werden weltweit über 130.000 Tonnen Antibiotika bei Tieren eingesetzt - etwa doppelt so viel wie bei uns Menschen. Wissenschaftler entdecken immer öfter multiresistente Keime - also Krankheitserreger gegen die Antibiotika nichts ausrichten können.

"Fleischland" Deutschland

In Deutschland wird so viel Fleisch produziert wie noch nie. Und: Deutschland ist einer der größten Fleischexporteure weltweit. Hauptabnehmer für deutsches Schweinefleisch sind Italien, China und die Niederlande. Aber auch wir Deutschen konsumieren viel Fleisch. Viele greifen beherzt zu, wenn Supermärkte mit Schnitzel, Koteletts und Grillwürstchen zu Tiefstpreisen locken. Gerade mal 1,50 Euro bekommen die Bauern derzeit für ein Kilo Schweinefleisch. Um rentabel arbeiten zu können, produzieren deshalb viele Landwirte immer mehr.

Diskutieren Sie mit!

Unser Thema: "Massentierhaltung in Bayern - Der hohe Preis des Billigfleischs". Welche Folgen hat Massentierhaltung für Mensch und Umwelt? Welche Tierzucht und Landwirtschaft wollen wir in Zukunft? Und welche Verantwortung haben wir Verbraucher? Bürgerinnen und Bürger diskutieren in Pfarrkirchen mit Sigi Hagl, Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, und dem CSU-Bundestagsabgeordneten Max Straubinger.

"Die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft sind nicht wegzudiskutieren. Natürlich sind die Sorgen der Anwohner*innen solcher Agrarfabriken berechtigt. In den Regionen mit viel Massentierhaltung haben wir auch besonders hohe Nitratbelastung im Grundwasser. Aber es muss uns alle angehen, schließlich geht es nicht nur um die Qualität unserer Lebensmittel, sondern um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Wir müssen raus aus der Massentierhaltung. „Klasse statt Masse“ muss die Devise sein und eine nachhaltige Landwirtschaft, wo die Landwirte einen ordentlichen Preis für ihre Leistung bekommen."

Sigi Hagl, Landesvorsitzende der bayerischen Grünen

"Der Strukturwandel schreitet aufgrund der Technisierung und der Bewirtschaftungsvorgaben in der Landwirtschaft weiter voran. Trotz Einhaltung der Bau- und Umweltauflagen sind die Sorgen gegeben, aber in der Regel unbegründet, da die Vorgaben des Bau- und Umweltrechts hohe Anforderungen stellen."

Max Straubinger, CSU-Bundestagsabgeordneter

Unsere Moderatoren

Vera Cornette und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder unter www.facebook.com/BR24! Wir sind gespannt!


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Oliver Baude, Mittwoch, 06.Juni, 21:19 Uhr

18. Das Amoniakproblem und die DBAG

Das Problem des verseuchten Böden ist wieder einmal mit der Eisenbahn verbunden. Denn dort gibt es keine speziellen Güllewagons bei der DBAG.
Doch gerade diese wären nötig, um die Verseuchung des bayrischen Bodens zu mindern. Denn würde man die Gülle nicht einfach auch lokal behandeln, und entsorgen, sondern sie in deutschen Industriemass sammeln, wie Papier oder andere Recyclinggüter, und dieses Produkt mit der Eisenbahn von den Sammelstellen zu einer der anfallenden Güllemenge entsprechend dimensionierten Gülleverarbeitungsfabrik transportieren, könnte dort mit Sicherheit die Gülle so aufgearbeitet werden, das einerseits die wertvollen Produkte daraus im Industriemassstab verkauft, und andererseits die wertlosen Bestandteile der aufgearbeiteten Gülle problemlos entsorgt werden könnten. Doch so lange wie die DBAG keine solche Gülletransportmöglichkeiten anbietet, so lange wird in Deutschland das Ammoniakproblem und die damit einhergehende Umweltverschmutzung noch weiter zunehmen.

Regine, Mittwoch, 06.Juni, 21:16 Uhr

17. Wo bleibt die artgerechte Tierhaltung?

Sehr schade, aber es ging wieder mal vordergründig um die Probleme der Verbraucher. Diese sind Menschen und Menschen sind nur auf ihren Vorteil aus, somit kommt das Tier immer erst nach dem Geldbeutel.
Die Gesprächsführung war sehr selbstgefällig für den Menschen.
Das Tier ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen wie wir Menschen auch und wir haben die Pflicht, endlich die Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere zu übernehmen! Tiere sind im Gegensatz zu uns Menschen liebenswerte Geschöpfe. Sie brauchen eine artgerechte und keine dem Menschen gefällige Haltung. Artgerecht heißt frische Luft, Platz, freie Bewegung. Keine Kuh will ihr Leben lang im eigenen Dreck stehen und liegen. Kein Schwein darf mehr verstümmelt werden, nur weil es für den Bauern dann einfacher in der Haltung ist. Hühner wollen im freien picken und laufen.

Leider wurde vom Moderator nur immer nach den Vorteilen für den Verbraucher und dem Preis, welchen er für Fleisch zahlen muss gefragt - Tierwohl??????

Hohmann, Mittwoch, 06.Juni, 21:01 Uhr

16. Massentierhaltung

Der Verbraucher muss umdenken

Urmann, Mittwoch, 06.Juni, 20:59 Uhr

15. Tierwohl

Kühe werden nur noch 4 - 5 Jahre alt . Bei nicht trächtigkeit ab in den Schlachthof ,dort findet man viele tote Kälber

Heike Hildebrandt, Mittwoch, 06.Juni, 20:55 Uhr

14. Massentierhaltung

Guten Tag,
für verantwortungsbewußte Verbraucher muß dringend eine Kennzeichnung, wie z. Bs. bei Eiern schon lange möglich ,schnellstens eingeführt werden,
die Politik soll bäuerliche Familienbetriebe fördern, der Tierbestand muß flächengebunden sein !r
die Massentierhaltung verursacht verseuchte Böden, Nitrat im Trinkwasser und schlechte Luft, sie zerstört in den ärmeren Ländern den Anbau von Lebensmittel zugunsten von Tierfutter für die gierigen Billig Fleischesser hier bei uns .
Freundliche Grüße und vielen Dank an die Redaktion für diese Sendung
Heike Hildebrandt