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"jetzt red i" in Sonthofen im Allgäu Freizeitboom contra Naturschutz - Wieviel Tourismus verträgt Bayern?

Bayern ist eine der beliebtesten Urlaubsregionen in Deutschland. So beliebt, dass immer häufiger von Übertourismus gesprochen wird. Denn mittlerweile kommen fast 40 Millionen Gäste pro Jahr zu uns, über 90 Millionen Übernachtungen werden gezählt. Vor allem die Allgäuer Alpen sind ein „Hotspot“.

Stand: 15.10.2019

Doch während sich die örtlichen Hotelbetreiber und Gastronomen freuen, wird es Bürgern und Naturschützern langsam zu viel. Sie fürchten den Ausverkauf ihrer Heimat.

Sorge um Lebensqualität

Steigende Lebenshaltungskosten, hohes Verkehrsaufkommen, Lärmbelästigung und Zerstörung der Umwelt. Die Folgen des Tourismusbooms im Allgäu sind vielfältig. Laut einer aktuellen Studie der Hochschule Kempten sieht mindestens jeder zweite Allgäuer in diesen Punkten eine Verschlechterung durch den Fremdenverkehr. Jedoch sprechen sich gleichzeitig fast 90% der Allgäuer für den Tourismus aus, für einen sanften und naturnahen. Was die Planungen neuer Projekte angeht, wünschen sich viele, dass die Bevölkerung mehr als bisher einbezogen wird.

Streit um den "Wächter des Allgäu"

Anfang Oktober demonstrierten über 1000 Menschen gegen die Ausbaupläne am Grünten

Über 1.100 Menschen protestierten Anfang Oktober dieses Jahres gegen die Modernisierungs- und Ausbaupläne am Grünten. Geplant sind an dem sowohl bei Sommer- und Winterurlaubern beliebten Berg moderne Liftanlagen, neue Berg- und Talstationen sowie eine neue Hütte auf dem Grüntenplateau. Während die Bürgerinitiative „Rettet den Grünten!“ befürchtet, dass ihr Berg durch die Veränderungen zum Rummelplatz wird, unter dem vor allem die Umwelt leidet, gibt es auch Bürger, die sich für einen Umbau aussprechen. Das Motto der Initiative „Zukunft Grünten“: „Tourismus ist sicher nicht alles – aber ohne Tourismus ist alles nichts!“

"Der Tourismus in Bayern ist eine starke Wachstumsbranche mit rund 600 000 Arbeitsplätzen. In Zeiten der Konjunkturabkühlung sind wir über diesen Wirtschaftsfaktor sehr froh. Wir achten darauf, dass der Tourismus möglichst im Einklang mit der einheimischen Bevölkerung und der Natur erfolgt."

Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft und Tourismus

"Die Bayerischen Alpen sind ein einzigartiger Naturschatz und genau das macht auch ihre touristische Attraktivität aus. Nachhaltiger Tourismus muss den Schutz der Bergwelt mit ihrem einzigartigen Tier- und Pflanzenvorkommen zur Grundprämisse machen. Ein wichtiger Ansatz ist dabei der Ausbau des Öffentlichen Verkehrsangebots: Bergfreunde verzichten bei guten Bus- und Bahnverbindungen gerne aufs Auto und sorgen so für weniger Abgase in den Gebirgstälern und weniger Lärm in unseren schönen Alpendörfern."

Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen

"Bei der Erschließung hat man nicht nur an das Heute zu denken sondern auch an das Morgen. Denn irgendwann hat der Ausbau auch seine Grenzen. Tourismus muss immer naturverträglich und nachhaltig sein, sonst ist es bald vorbei mit der Schönheit der Bergwelt."

Alexander Huber, Extremkletterer und Alpinist

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wieviel Tourismus vertragen unsere Alpen? Wann sind die Grenzen für die Bewohner und die Umwelt erreicht? Droht den Alpen der Ausverkauf, wenn neben dem Skitourismus nun auch der Sommertourismus ausgebaut werden soll? Was kann die Politik und was können wir tun, um den Fremdenverkehr bei uns zuhause zu fördern und gleichzeitig die Regionen zu schützen?

Darüber diskutieren Bürgerinnen und Bürger mit dem Bayerischen Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Ludwig Hartmann (Bündnis90/Die Grünen). Außerdem mit dabei: Der Alpinist und Extremkletterer Alexander Huber.   

Über alle "Kanäle" erreichbar!

Sie können sich jederzeit auch online an der Diskussion beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar hier auf unserer Homepage oder als E-Mail an jetztredi@br.de. Oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Immer her mit Ihren Kommentaren, Meinungen, Lösungsansätzen!

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion!


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fritz irlacher, Donnerstag, 21.November 2019, 09:32 Uhr

29. Wächter im Allgäu

Mich hat gestört ,dass Alexander Huber den Ausbau der Jennerbahn in Berchtesgaden nicht erwähnt hat-der weit über 30 Mill. gekostet hat.
beim Grüntenprojekt ist ja eigentlich eine Verbesserung der alten Lifte geplant.Derzeit wird der Grünten ja mit Tourengehern die sich an keine Regeln halten überschwemmt.Mehr Fairnis den Anwohnern gegenüber wäre schon angebracht.

Hilarius Birker, Mittwoch, 20.November 2019, 21:20 Uhr

28. Diskussion, jetzt red i 20.11.

Es bleibt spannend im Allgäu, aber der BR kann sich sicherlich die Anwesenheit von Politikern die eigentlich nix sagen sparen.
Zitat einer kranzegger Wirtin um 1980 , als Wirtin Solsch de ganze Tag <gschwäzt> hong und Zobed nix Gseid nocha passt es.
Weitere Gedanken sind frei,

Andreas, Mittwoch, 20.November 2019, 21:10 Uhr

27.

Grundsätzlich etwas mehr Sendezeit. Durch die Themen und Diskussionsmeldungen wird mir von Seiten des Moderators zu sehr durchgewischt. Diskutanten nicht ausreden zu lassen gehört anscheinend zum Konzept der Sendung. Alles in allem nicht sehr befriedigend. Lg

Kristian Rath, Mittwoch, 20.November 2019, 21:05 Uhr

26. Grünten Für und Wider

Meine Gedanken zum Thema Grünten habe ich in meinem Blog veröffentlicht. Für und wider sind gegenüber gestellt. https://freieberge.wordpress.com/2019/07/16/was-passiert-am-gruenten-teil-2/

Matthias , Mittwoch, 20.November 2019, 20:57 Uhr

25. Wie wichtig ist der Tourismus für die Einheimischen wirklich?

Es stimmt schon der Tourismus hat u.a. im Oberallgäu viele Arbeitsplätze geschaffen. Aber in den letzten Jahren vermehrt nicht mehr für die Einheimischen. Wenn ich in meiner Heimat im südl. Oberallgäu z.B. Die Gastronomie besuche stelle ich fest das dort nur noch seltenst Einheimische beschäftigt sind und wenn ich mich in meinem Freundeskreis umsehe finde ich dort auch niemanden der mit dem Tourismus sein Geld verdient. Wer also verdient am Tourismus wirklich? Die Einheimischen nur noch selten. Die Zeiten sind lang vorbei.

@ Alexander Huber: vielen Dank für Deine besonnen und wohlüberlegten Wortmeldungen.