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"jetzt red i" in Roding Jobabbau bei Conti und Co. - Droht Bayern eine Wirtschaftskrise?

Die Menschen in Roding traf die Nachricht aus heiterem Himmel: Der Automobilzulieferer Continental will sein Werk bis 2024 dicht machen. Mehr als 500 Arbeiter, ganze Familien stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Stand: 15.10.2019

Früher galt die Region um Roding als Armenhaus Bayerns. Doch in den vergangenen Jahrzehnten kam der Aufschwung. Viele Firmen siedelten sich an, unter anderem der Weltkonzern Continental. Der stellt schon länger nicht nur Reifen her, weltweit ist er nach Bosch der zweitgrößte Zulieferbetrieb für die Autoindustrie.

Bisher werden in Roding hydraulische Komponenten und Pumpen für Benzin- und Dieselmotoren hergestellt. Die Zukunft gehöre aber der Elektromobilität und deshalb müsse man umstrukturieren, heißt es von Conti. In einer Pressemitteilung vom 26. September 2019 liest sich das unter der Überschrift so: "Continental erhöht Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig und gestaltet offensiv die Zukunft der Mobilität."

Die IG Metall hält dagegen: Sie spricht von einem „unsozialen Kahlschlag, der seinesgleichen sucht“ und fordert, man müsse die Mitarbeiter qualifizieren, anstatt sie vor die Tür zu setzen. Auch der Rodinger Bürgermeister Franz Reichold (CSU) ist enttäuscht. Vieles hätte die Gemeinde für den Weltkonzern möglich gemacht, bevor dieser dann 2008 das Werk eröffnete.

"Also wir haben eine Rekordbauzeit gehabt von der Genehmigung her, es sind Wasserleitungen verlegt worden, es ist ein Berg abgetragen worden mit 40.000 Kubikmetern. Also wir haben sehr viel getan, damit Conti sich an dem Standort ansiedeln kann. Und wir haben darauf gehofft – wir haben sogar Erweiterungsmöglichkeiten – dass Conti an dem Standort bleibt und sich erweitert."

Franz Reichold, Bürgermeister Stadt Roding

Die bayerische Politik ist alarmiert. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler): „Wir akzeptieren die geplante Werksschließung nicht. Conti hat Unterstützung des Freistaats Bayern erhalten und will sich nun aus dem Staub machen.“ Auch Kabinettskollegen wie Finanzminister Albert Füracker (CSU) haben angekündigt, für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen zu wollen. Ein Runder Tisch, den das Wirtschaftsministerium einberufen hat, hat keine Lösung gebracht.

Autobranche vor unsicheren Zeiten

Doch Roding könnte nur die Spitze des Eisbergs sein. Schon seit Längerem gibt es beunruhigende Nachrichten: Firmen wie Schaeffler und Brose kündigen Arbeitsplatzabbau an, Mittelständler wie Brandl oder Hörmann schließen ganze Werke. Laut einer Studie des Ifo-Instituts könnten in den kommenden Jahren alleine in Bayern 137.000 Arbeitsplätze in der bayerischen Automobil- und Zulieferindustrie vom Strukturwandel betroffen sein.

Diskutieren Sie mit!

Droht Bayern eine Wirtschaftskrise? Was kann die Politik tun, um die Autoindustrie zu stützen? Haben Industrie und Politik den Wandel in der Autobranche verschlafen? Wie geht es weiter in Roding? Lässt sich eine Schließung des Conti-Werks doch noch abwenden?

Darüber diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger mit verantwortlichen Politikern und Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern.

"Wir setzen uns für den Erhalt der Arbeitsplätze in Bayern ein. Deshalb wollen wir, dass Bayern auch in Zukunft ein erfolgreicher Automobilstandort bleibt. Daher müssen bei der Erreichung der Klimaziele auch wirtschaftliche und soziale Aspekte im Auge behalten werden. Genau das ist mir und der CSU-Fraktion wichtig. Wir bringen in Bayern dafür extra unsere Mittelstandsoffensive auf den Weg, mit der wir auch die Automobilzulieferer unterstützen."

Thomas Kreuzer, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag

"Die Beschäftigten bei Conti in Roding sind qualifiziert und motiviert, in ihrem Werk eine Umstellung auf E-Mobilität zu schaffen. Der bayerische Staat hat viel Geld in den Standort gesteckt. Das Unternehmen hat jetzt die Verpflichtung, den Standort weiterzuentwickeln."

Johann Horn, Bezirksleiter IG Metall Bayern

"Ich stehe auf der Seite der Belegschaft und kämpfe um den Erhalt des Rodinger Standortes. Es ist die Frage, ob Conti auf seine kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus strategischen Gründen verzichten oder deren Stärken für die Entwicklung alternativer Antriebstechniken nutzen will. Beim Runden Tisch hat Conti die Tür nicht ganz zugeschlagen. Wir setzen jetzt auf diese Stärken: die qualifizierten Fachkräfte, das innovative Umfeld im Landkreis Cham mit dem Technologie Campus, dem Innovations- und Gründerzentrum und einer Reihe höchst innovativer Firmen. Es geht nicht um die Abwicklung, sondern um die Entwicklung des Standorts Roding!"

Franz Löffler, Landrat Cham

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Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion!

Und im Netz gibt es Sendezeitverlängerung: Da geht es nach 21 Uhr noch 15 Minuten weiter.


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Carolin, Mittwoch, 06.November 2019, 22:00 Uhr

14. VOITH aus HDH setzt 500 Leite in Sonthofen und 100 in Zschopau vor die Tür

Voith, ein angebliches Familienunternehmen, verstößt gegen eigene Vorgaben und schließt das fast 500 jährige BHS Getriebe Werk in Sonthofen mit vollen Auftragsbüchern, steigendem Gewinn, steigendem Aufstragseingang. Keine Mitarbeiter in der Produktion wurden genehmigt, nur der Management Wasserkopf darf wachsen... und trotzdem schafft Sonthofen Wachstum und gesteigerte Gewinne, Auftragseingeng, gesunkene Qualitätskosten, verkürzte Lieferzeiten, schnellere Produktdurchläufe. Das BHS Getriebe Werk in Sonthofen ist ein Vorzeigewerk, dass Voith ohne soziales Gewissen und ohne wirtschaftliche Not schließt. Was diese Firma treibt ist das Letzte. Leider können sich die Manager hier nicht hinter dem Elektroauto verstecken und dieses als Sündenbock missbrauchen.

Müller Karl-Heinz , Mittwoch, 06.November 2019, 20:58 Uhr

13. Elektroauto

Ich hab mal die Frage wie jemand aus den neuen Bundesländern sich ein E Auto von VW leisten sollen bei einem Verdienst von Netto ca.1100€ MONATLICH

Iris Buchta , Mittwoch, 06.November 2019, 20:56 Uhr

12. Jetzt red i

Ich glaube, eine Firma geht nur dann ins Ausland, wenn sie Profit orientiert ist, wie vielleicht konnte. Es geht auch anders: Firma TRI GEMA von Wolfgang Grupp, alles made in Germany und das Unternehmen floriert ich glaube, eine Firma geht nur dann ins Ausland, wenn sie Profit orientiert ist, wie vielleicht konnte. Es geht auch anders: Firma TRI GEMA von Wolfgang Grupp, alles made in Germany und das Unternehmen floriert

Günter Pauly, Mittwoch, 06.November 2019, 20:55 Uhr

11. Treibstoff Autos - Erdgas

Ich fahre seit 2 Jahren ein Erdgasauto.

Mit normalen ERdgas sinkt gegenüber Benzin und Diesel sowohl der CO2-Ausstoß, ganz extrem der Schadstoffausstoß.

Mit regenerativ erzeugtem CNG sinkt der CO2 Ausstoß auf 5 % gegenüber Benzin.

Ich verstehe nicht, dass Erdgas, zumindest als Brückentechnologie nicht in der Diskussion vorkommt.

Es müssten lediglich Ergastankstellen errichtet werden - Kosten ca. 100.000 € je Tankstelle - somit fast nichts.

GEmäß ADAC Untersuchung ist ein Erdgasauto umweltfreundlicher als ein Elektroauto mit aktuellem Strommix!!

Vielleicht könnte man darüber mal diskutieren - es könnten die aktuellen Motoren vorerst weiter gebaut werden.#

Mfg

Günter Pauly

Birgit, Mittwoch, 06.November 2019, 20:54 Uhr

10. Stellenabbau Roding

Die Schließung in Roding hat auch starke Auswirkung auf Regensburg. Zeitarbeitsvertäge weden nicht verlängert, da man die Stellen für die Mitarbeiter von Roding benötigt. Außerdem könnte man sonst auch in Kurzarbeit gehen. Elektroauto umweltfreundlich.? WOHER kommt der Strom? Wie weden die Batterien hergestelltWie entsorgt? Und dann heißt es Wasserstoffantrieb ist nicht so umweltfreundlich, wegen Erzeugung? Ist das alles ein Witz
?