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"jetzt red i" in Hawangen Massentierhaltung und Tierschutz - Geht das zusammen?

So etwas hatte es in Bad Grönenbach noch nie gegeben: eine Demonstration mit fast 1.000 Bürgern. Anlass: die schockierenden Zustände in einem Großstall. Kühe wurden bis in den Tod gequält. Typisch für die Massentierhaltung?

Stand: 03.07.2019 09:25 Uhr

Geschlagen, getreten, gequält – auf einem Hof mit 1.800 Milchkühen in Bad Grönenbach im Allgäu sind einzelne Tiere über Wochen schwer misshandelt worden. Die „Soko Tierschutz“ spricht von einem besonders grausamen Fall. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Kein Einzelfall: Immer wieder gibt es Skandale in der Nutztierhaltung, bei Tiertransporten und in Schlachthöfen.

Kaum Kontrollen wegen Personalmangel

Aktuelle Aufnahmen der Soko-Tierschutz zeigen das Leid der Kühe bei Bad Grönenbach

Die Veterinärämter, die auch die Tierschutzvorgaben kontrollieren, klagen seit Jahren über Personalmangel. Tierschutz-Kontrollen fänden praktisch nur statt, wenn es konkrete Hinweise auf Verstöße gibt – so der „Landesverband der beamteten Tierärzte in Bayern“. Fakt ist: In Bayern müssen fast 150.000 landwirtschaftliche Betriebe überprüft werden. Das bedeutet rein rechnerisch, dass in knapp 50 Jahren jeder Hof nur einmal kontrolliert wird. Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather bestätigt, dass in seinem Landkreis lediglich vier Veterinäre und zwei Veterinär-Assistenten für etwa 1600 Betriebe mit 140 000 Rindern zuständig seien.

Bürger gehen auf die Straße

Der Skandal im Unterallgäu sorgt für Entsetzen: Rund 800 Menschen demonstrierten gegen Tierquälerei und forderten ein Ende der Subventionen für Massentierhaltung. Politiker quer durch alle Parteien zeigen sich schockiert, wollen sofortige Aufklärung. Der Umweltausschuss trifft sich noch vor der Sommerpause zu einer Sondersitzung.

Bei Bad Grönenbach - der Hof in typischer Weidelandschaft. Hier sollen die Misshandlungen an den Tieren stattgefunden haben.

Was läuft schief beim bestehenden Tierschutz-Kontrollsystem? Wie konnte es passieren, dass die Quälereien so lange unentdeckt geblieben sind? Was muss die Politik tun, damit Nutztiere endlich zuverlässig vor Misshandlungen geschützt werden? Mangelt es in landwirtschaftlichen Riesenbetrieben an qualifiziertem Personal? Und: Sind die vielen Tierwohl-Label nur Augenwischerei?

"Wenn die Berichterstattung zutrifft, dann handelt es sich um massive Verstöße gegen das Tierschutzrecht, die ich auf das Schärfste missbillige. Ein solcher Umgang mit Tieren, die unsere Mitgeschöpfe sind, ist für mich nicht akzeptabel. Tierschutz ist keine Frage der Betriebsgröße. Gleichwohl entsprechen Betriebe dieser Größenordnung nicht dem bayerischen Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes. Ich bedauere sehr, wenn solche Fälle zum Anlass genommen werden, alle Tierhalter zu verunglimpfen. Für nachgewiesene Straftaten fordere ich harte Strafen, die auch abschreckend wirken sollen - Tierschutzverstöße sind nun mal keine Kavaliersdelikte!"

Michaela Kaniber (CSU), bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

"Solche Zustände, wie sie von der Soko Tierschutz im Unterallgäu dokumentiert wurden, wollen und können wir nicht länger hinnehmen. Kühe sind Lebewesen und keine Milchmaschinen. Diese ausbeuterische Massentierhaltung, bei der Tiere zu Tode geschunden werden, kann und darf nicht der bayerische Weg in der Landwirtschaft sein."

Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen im Bayerischen Landtag

Diskutieren Sie mit!

Darüber diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag.

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar hier auf unserer Homepage oder als E-Mail an jetztredi@br.de. Oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Immer her mit Ihren Kommentaren, Meinungen, Lösungsansätzen! Und im Netz gibt es Sendezeitverlängerung: Da geht es nach 21 Uhr noch 15 Minuten weiter.


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Anton Holz, Donnerstag, 25.Juli 2019, 18:25 Uhr

45. Filmaufnahmen

Ja, durch solche Aufnahmen werden Verstöße aufgedeckt. Man sollte da aber durchaus weitere Aspekte betrachten:
1. Es wird auch in Betrieben gefilmt, in denen keine Tierschutzvergehen vorliegen!
2. Es wurde über einen langen Zeitraum gefilmt und dann die Filmaufnahmen journalistisch aufgearbeitet (mit Interviews etc.) und medienwirksam verwendet.anstelle auf der Stelle sofort etwas gegen die Tierquälerei (und Straftaten) zu unternehmen! Anonyme Anzeigen ohne Ansprechpersonen oder filmische Beweise helfen nicht weiter!!
Es war ja gestern wieder so offensichtlich, dass es SoKo Tierschutz um ihre IDEOLOGIE der Massentierhaltung geht!
3. Überwachungsbehörden können nicht heimlich filmen (Stichwort Rechtsstaatlichkeit) und es ist sicher, dass in Anwesenheit von Kontrolleuren keine Kühe am Traktor durch den Stall gezogen werden oder Tiere unsachgemäß mit dem Bolzenschuss-Apparat gequält werden, auch wenn man unangekündigt kommt.
Also immer schön sachlich bleiben GEGEN TIERQUÄLEREI!

Peter Bauersachs, Donnerstag, 25.Juli 2019, 10:48 Uhr

44. Sendung jetzt red i vom 24.7.19

Grüß Gott!
Danke an den Bayerischen Rundfunk, dass es die Sendung jetzt red i gibt. Massentierhaltung und Tierschutz - das war ein wichtiges Thema und die Sendung hat das super aufbereitet. Lob an Tilmann Schöberl, der die Sendung gut leitet - alles neutral, keiner kommt zu kurz und Herr Schöberl würgt auch niemanden bei seiner Rede zu früh ab. Zur Sendung: da bin ich verwundert, dass der Bauernverband das heimliche Filmen kritisiert. Er sollte froh sein, dass es Menschen gibt, die sich so um die Tiere kümmern und deren Leid aufdecken. Das Verhalten des Bauernverbandes trägt nicht dazu bei, dass die Bürger den Verband positiv sehen. Mir tun da die Landwirte leid.
Mit freundlichem Gruß

Peter Bauersachs

Johann Huber, Donnerstag, 25.Juli 2019, 06:22 Uhr

43. Soko Tierschutz

1.Wie kann ein echter Tierschützer 4 Wochen lang zusehen ohne einzugreifen? Welches Ziel wird da verfolgt? Die Tierhaltung komplett verbieten?
2. Er hat ja gerade auch auf die Betriebe mit Anbindehaltung geschimpft, das sind die kleinen Betriebe! Was tun denn diese, wenn ihre Haltung verboten wird? Viele werden aufhören und an große verpachten! Die anderen neu bauen.
3. Doch wie groß darf das sein damit es bäuerlich bleibt? Keine Aussagen! Klar dann könnte man ja nichts mehr kritisieren!
4. Ich habe bisher von keiner Soko, Partei, NGO der sonst wem konkret gehört, wie denn der gewünschte Betrieb konkret aussieht, bzw. Welche konkreten und auch realistischen fördertechnischen bzw. Politischen Maßnahmen unsere bäuerlichen Betriebe denn erhalten!
Nur schimpfen oder Allgemeinplätze!

Allgäuerin, Donnerstag, 25.Juli 2019, 01:20 Uhr

42.

Hier läuft mächtig was schief und bekomme eine tierische Wut. Wie kann es sein das immer noch nicht gehandelt wird bezüglich Bad Grönenbach?! Schuld an diesem....... sind vorallem die Politik, nur bla bla bla und nichts geschieht, dann natürlich die Ämter und ganz gewiss die Verbraucher.
Wir haben selbst eine konventionelle Landwirtschaft mit 22 Kühen( die übrigens alle einen Namen haben) und das gleiche an Jungvieh. Unsere Tiere werden nur mit Heu(Bergwiesen), Kraftfutter gefüttert, von Ende April bis Ende Oktober werden unsere Kühe jeden Tag auf die weide getrieben, dass Jungvieh ist von Mai bis Oktober auf der Alpe.
Soooo, wie kann es sein das mein Mann Vollzeit arbeiten gehen muss und ich Teilzeit, den von der Landwirtschaft alleine kann man leider nicht leben ?! Und zudem muss mein Mann jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen. Es gibt leider sehr sehr wenige die das regionale schätzen und auch dafür bezahlen möchten, traurig aber war.
Ändert bitte sofort was...

malu, Mittwoch, 24.Juli 2019, 23:54 Uhr

41. Milchkühe in Bad Grönebach

ich würde es begrüßen wenn dieser Landwirt und seine Angestellten welche an der Quälerei beteiligt waren zu einer Diskussionsrunde eingeladen und verpflichtet würden - Rede und Antwort zu stehen .

Zudem sollte es eine Begrenzung geben der Tierhaltung, solche " Betriebe" machen die kleinen Familienbetriebe kaputt um sie dann auf zu kaufen .
Vielleicht ist es möglich auf Grund der Überlastung der Behörden das z.B. Tierschutzbeauftragte eingesetzt werden welche den Vetämtern zu arbeiten .
In erster Linie gehört diesem Bauern speziell auf Grund der Verstöße ein Verbot der Haltung und des Umgangs mit Tieren generell , Derart monströse Betriebe müssen minimiert werden , keinerlei Subventionen mehr . Subventionen nur an Bauern die den Namen auch verdienen