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"jetzt red i" aus Hawangen Nach dem Bienen-Volksbegehren: Wer stoppt das Artensterben?

Das Volksbegehren für mehr Artenschutz war aus Sicht der Veranstalter ein voller Erfolg. Beinahe jeder fünfte Wahlberechtigte im Freistaat hat unterschrieben, die Schlangen vor den Rathäusern waren lang. Doch nach dem Volksbegehren ist vor dem Gesetz: wie geht es weiter? Wie soll das neue Naturschutzgesetz aussehen? Und wie bringt man die verschiedensten Interessen im Sinne der Natur zusammen?

Stand: 23.01.2019 15:00 Uhr

HINWEIS: In der Sendung aus Hawangen hat sich der BUND-Vorsitzende Richard Mergner versprochen. Als Agrarförderung für beispielsweise 100 Hektar Landwirtschaftsfläche gibt es nicht 300.000 Euro Prämie im Jahr - sondern 30.000 Euro.

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Mehr als 1,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben in den Rathäusern unterschrieben - damit ist „Rettet die Bienen“ mit 18,4 % Beteiligung das erfolgreichste Volksbegehren, das es in Bayern je gegeben hat. Klar ist: Die Leute wollen ein schärferes Naturschutzgesetz für den Freistaat. Die Politik steht unter Druck. Ministerpräsident Markus Söder hat reagiert: „Wir nehmen den Impuls des Volksbegehrens auf.“ Am runden Tisch sollen die verschiedensten Interessen – von Naturschützern bis Bauernverband – unter einen Hut gebracht werden. Viel Zeit bleibt nicht, denn das Artensterben geht unvermindert weiter.

Wir müssen jetzt handeln - sonst...

Es geht nicht nur um die Bienen. Nach einer Studie ging der Anteil der Insekten im Zeitraum von 1990 bis 2017 um 35 Prozent zurück. Als Hauptgründe nennen Experten die industrielle Landwirtschaft und den fortschreitenden Verlust von Biotopen. Hochgerechnet bedeutet das, bis 2065 könnte es gar keine Insekten mehr geben, wenn sich nichts ändert. Eine andere Studie stellt fest: Auf den Feldern gibt es nur noch halb so viele Vögel wie 1980, weil sie zu wenig Insekten zum Fressen finden. Der weitere Weg ist klar: jetzt ist der Landtag aufgerufen, über die Novellierung des Naturschutzgesetzes zu diskutieren und abzustimmen. Entweder wird dann direkt das Gesetz beschlossen - oder es wird abgelehnt und kann den Weg über einen Volksentscheid nehmen.

Ursachen sind vielfältig - es sind nicht die Bauern allein

Die Intensiv-Landwirtschaft, der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden machen rund 46 Prozent der Hauptursachen des Artensterbens aus. Doch die bayerischen Bauern wollen sich den schwarzen Peter nicht zuschieben lassen: Sie beklagen ein „Bauernbashing“. Bereits jetzt würden sie schon eine Menge für den Artenschutz leisten.

"Wir können die Bauern nicht allein lassen mit der Forderung, was auf ihren Grundstücken jetzt alles zu passieren habe. Die müssen auch von ihren Höfen noch leben können, und am Ende wird das den Bürger vielleicht etwas mehr Geld kosten. Denn die Produktion muss ausgeglichen werden, da muss der Bauer mehr dafür bekommen oder er muss Ausgleichsgelder dafür bekommen, sonst wird er am Ende sagen: Da höre ich auf."

Hubert Aiwanger (FW), Bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident

"Wenn CSU und Freie Wähler endlich die für Bienen tödlichen Agrargifte verbieten, den Flächenverbrauch stoppen und eine bäuerliche Landwirtschaft fördern, die Lebensräume für Heuschrecken, Schmetterlinge und Vögel bietet, dann kann das Artensterben gestoppt werden."

Richard Mergner, Landesvorsitzender BUND in Bayern

Diskutieren Sie mit!

Im Landkreis Unterallgäu gibt es viele konventionelle landwirtschaftliche Betriebe, die von dem neuen Naturschutzgesetz unmittelbar betroffen wären. Müssen die Bauern jetzt alle auf Öko umstellen? Bedrohen die Forderungen die Existenz der Landwirte? Was muss darüber hinaus getan werden, um das Artensterben zu stoppen? Von der Politik – und von jedem Einzelnen?

Darüber diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger mit dem stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (FW) und Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern.

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf Ihre Meinungen zum Thema! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien!


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Trenner, Donnerstag, 28.Februar 2019, 12:02 Uhr

79. Sichtweisen

Bauerbashing kam bestimmt nicht von den Menschen, die unterschrieben haben. Aber gehen wir mal darauf ein und zwar mit einer anderen Sichtweise:
Der Bauer sei also schuld, aber wie macht er das?
Bearbeitung seines Ackers und durch Einsatz von Insektizide...Aber warum setzt zum Beispiel Insektizide ein? Um einen höhere Betrag zu erwirtschaften und um Leben zu können. Auch klar. Wer bestimmt den Preis für die erwirtschafteten Güter eines Bauern? Der Endverbraucher oder Firmen, um ihren Jahresprofit zu steigern? Wer kauft direkt in Massen vom Bauern und kann ihn somit unter Druck setzen? Der normale Bürger oder z.B. Molkereiverbände? Welche Insektizide werden angewendet und wer bestimmt den gesetzlichen Einsatz dieser? Wer rät den Bauer dieses Insektizid anzuwenden? Wer setzt Bauer unter Druck gewisse Abgabemengen zu erreichen? Der Bürger ist schuld, weil er billig essen will. Und es gibt keine Firmen, die von Jahr zu Jahr höhere Gewinne einfahren wollen für "Aktionäre" . Soso

Alex, Mittwoch, 27.Februar 2019, 21:52 Uhr

78. Man muss offen reden und keiner darf sich rausnehmen, alle müssen etwas tun

Eine Bitte an die wirklich sehr geschätzten Landwirte:
ein Grund, warum es kleine oder mittlere Höfe so schwer haben ist, dass eine fehlgeleitete Politik, nur die Großen fördert und bevorzugt. Bitte nicht aufgeben die Politiker zu bearbeiten, das muss geändert werden!

Ich würde Euch Landwirte bitten, dass Ihr Euch nicht durch das Volksbegehren angegriffen fühlt und sofort reflexartig auf die Städter schimpft, die keine Ahnung haben oder auf die Verbraucher damit ein Klima der Feindsehligkeit und Abwehr schafft in dem es schwer ist aufeinander zuzugehen und den positiven Kern der Initiative zu sehen. Sagt konstruktiv, welche Rahmenbedingungen Ihr braucht. Und vergesst die Politik nicht und bleibt hart dran

Es ist gut dass alle am Tisch sitzen! Lasst uns offen diskutieren und gemeinsam Bedingungen schaffen unter denen Nachhaltigkeit funktioniert. Jeder ist gefragt, jeder muss sich bewegen: Landwirte, Verbraucher, Politik, Umweltschützer, Wissenschaftler. Sucht und findet Lösungen.

koller Hermann, Mittwoch, 27.Februar 2019, 21:35 Uhr

77. Flügelstutzen der Bienenkönigin

Ein Imker hat seit langem 15 Bienenvölker, seit einiger Zeit darf er Laut Gesetz der Königin Die Flüge nicht mehr Stutzen, dadurch verliert er immer
ein bis 2 Völker. wenn die Bienen im Herbst viel Futter finden Legen Sie eine neue Brut an das ist ebenfalls nicht gut weil sie später nicht mehr genug
Futter haben. Jeder Imker freut sich wenn er ein Rapsfeld in der Nähe der Bienen Bekommt. Die Schuld wird immer ganz schnell auf die Landwirte
verteilt, aber alle wollen immer Billige Nahrungsmittel !

Alex, Mittwoch, 27.Februar 2019, 21:18 Uhr

76. Leider nichts verstanden - symbolische Handlungen werden uns nicht retten

Es ist traurig wie das erfreuliche Votum zum Volksbegehren verstanden wird... "Bauern an den Pranger stellen"...

NEIN! Es ist das Signal, dass große Teile der Bevölkerung verstanden haben, dass etwas schief läuft und jetzt dringend gehandelt werden muss! Das hätten weder die Politik noch die Bauern von sich aus getan. Das "weiter so" können wir uns aber nicht mehr leisten.

Natürlich gibt es viele Themen an denen Verbesserungen möglich sind, wir müssen nur anfangen! Ich würde mich sehr freuen, wenn das Volksbegehren als Startschuss für ein groß angelegtes Umdenken wäre und viele sinnvolle Maßnahmen zur Folge hätte, dass Eigeninitiative gefördert und gefeiert wird damit unsere Lebensgrundlagen erhalten bleiben. Darum geht es!

Eine Bitte an die Medien - auch eine positive Darstellung und keine bewusst spalterische Konfrontationsrhetorik kann helfen, dass die Menschen verstehen dass sie gefragt sind Dinge zum Guten zu ändern! Das wäre Euer Beitrag, eine positive Aufbruchsstimmung!

  • Antwort von Grünbauer Birgit, Mittwoch, 27.Februar, 21:42 Uhr

    Leider ist das Volksbegehren eine "Watschen" für die Landwirtschaft - auch wenn die Befürworter noch so sehr versuchen, dass Gegenteil zu behaupten!
    Wenn in dem vorgelegten Gesetzesentwurf des Volksbegehrens auch die gesamte Bevölkerung, Industrie und Wirtschaft mit in die Pflicht genommen worden wäre, dann wäre es keine Anprangerung der Bauern.
    Ich hau jetzt mal auf den Putz und sage - IHR (Bevölkerung) kann ohne Landwirte nicht überleben!
    Klar kann man immer etwas verbessern, aber leider ist dieser Gesetzesentwurf keine Verbesserung sondern eine weitere "Verknechtung" der Landwirte. Die Bauern hängen am Finanztropf und müssen daher die unzähligen Auflagen und Verordnungen erfüllen. Früher, bevor die Landwirtschaft staatlich gepuscht wurde, waren die Bauern Selbstversorger und wenn man wollte, hat man auch mal etwas verkauft. Die Stadtmenschen kamen zum Beteln und Arbeiten aufs Land - da war der Bauer noch geachtet und geschätzt!
    Heute glauben alle wir sind der FEIND :-(

  • Antwort von conny, Donnerstag, 28.Februar, 00:13 Uhr

    so wendet sich das Blatt. Jetzt müsen halt manche Bauern betteln. Obwohl ichs so oder so scheiße find. Niemand sollte jemand anbetteln müssen. Aber vielleicht habens manche auch einfach übertrieben. Haben evtl auch den Respekt vor dem Verbraucher verloren. Der eine hat Land und kann sich versorgen, der andere hat Pech gehabt. Schlechte Gene oder was?

Grünbauer Birgit, Mittwoch, 27.Februar 2019, 21:18 Uhr

75. Eure Bauern mit Herz und Seele

Liebe Bürgerinnen und Bürger, vertraut euren Bauern!
Wir arbeiten für Euch 365 Tage im Jahr, egal ob Tag oder Nacht, egal ob Sommer oder Winter - wir lieben unsere Tiere, den Duft von Gras und Heut, den warmen Sommerregen, die großen Augen der Kälber und Kühe, den Geschmack frischer Milch,...wir lieben unser Leben auf dem Land mit und von der Natur! Wir sind Bauern mit Herz und Seele! Wir sind nicht reicht, aber glücklich mit dem was unsere Familien seit Generationen zusammen schweisst - die Landwirtschaft! Landwirte haben keinen Beruf - es ist eher eine Berufung, denn in der freien Wirtschaft wäre das Geld leichter verdient!
Früher waren die Landwirte reine Selbstversorger, jetzt fast nur für EUER täglich Brot!