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"jetzt red i" aus München Geforderte Kliniken, gestresste Ärzte, genervte Patienten: Wie gut sind wir für den Corona-Winter gerüstet?

Noch funktioniert unser Gesundheitssystem funktioniert. Aber Hausarztpraxen arbeiten seit Wochen auf Anschlag und stoßen mit den zusätzlichen Belastungen durch Corona langsam an ihre Grenzen. Personal in der Intensivpflege ist knapp, Ausfälle durch Krankheit wären eine Katastrophe für die Kliniken. Viele Patienten sind verunsichert, ob und wann ein Besuch beim Arzt ratsam ist. Wie gut ist unser Gesundheitssystem auf den Corona-Winter vorbereitet?

Stand: 24.11.2020 15:05 Uhr

„Der vor uns liegende Winter wird uns allen noch viel abverlangen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel schwört uns alle auf „vier lange schwere Monate“ ein. Am Mittwoch trifft sich die Regierungschefin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, um Beschlüsse für die kommenden Wochen zu treffen. Eine Verlängerung des Lockdowns über den November hinaus gilt als sicher, über weitere Einschränkungen wird noch diskutiert.

Hausärzte am Limit

Wer an sich selber Covid-Symptome verspürt, geht zum Hausarzt. Doch einen Termin zu bekommen, ist schwierig: die Praxen sind im Herbst überlastet, mehrere Stunden Wartezeit sind nicht selten. Die Hausärztin Katharina Jäger aus München sagt: „Ich bin eigentlich nur noch damit beschäftigt, Corona-Patienten zu sehen, Abstriche zu machen, das Zimmer zu putzen und mich umzuziehen.“ Zudem berichten ihr Patienten, dass viele Betriebe es mit der Maskenpflicht nicht allzu ernst nehmen. Zusätzlich bringt die bayerische Strategie „Coronatests für alle“ Arztpraxen wie Labore an die Grenzen der Überlastung. Mittlerweile kritisieren sogar die Freien Wähler die Linie der Staatregierung: die Jedermann-Tests verursachen nur hohe Kosten und es müssten eher Risikogruppen bevorzugt werden.

Reichen die Intensivkapazitäten?

Noch sind Intensiv-Betten frei, doch wenn die Welle der Infizierten zu einer Welle der Erkrankten werden sollte, wird es eng: "Wir haben auf den Intensivstationen, aber auch auf den Corona-Normalstationen heute schon eine personell sehr, sehr knappe Situation. Die  wird schon in den nächsten Tagen kritisch knapp werden“, warnt Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie am Klinikum Nürnberg. Es fehlt am Fach-Personal in der Intensivpflege. Ein Grund dafür sehen viele in der seit Jahrzehnten zunehmenden Privatisierung und Ökonomisierung der Krankenhäuser. Und: wer soll das am Ende alles bezahlen? Für die gesetzlichen Krankenkassen werden Beitragserhöhungen jetzt schon berechnet.

Diskutieren Sie mit!

Hausärzte, Labore, Kliniken am Limit – kollabieren die Gesundheitssysteme in den nächsten Monaten? Wie soll ein zukünftiger Impfstoff gerecht verteilt werden, wenn es noch nicht mal mit dem Grippeimpfstoff klappt? Hat die Politik die Lage noch im Griff? Wird die Krankenversicherung teurer? Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger auf weitere Einschränkungen?

Über diese und andere Fragen diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger live mit Melanie Huml (CSU), Bayerische Ministerin für Gesundheit und Pflege und Ruth Waldmann (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Pflege und Gesundheit im Bayer. Landtag.

"Die Corona-Pandemie ist eine Jahrhundert-Belastungsprobe für unsere Gesellschaft und ganz besonders für die Krankenhäuser (...) Die Staatsregierung wird alles tun, um die Krankenhäuser und ihr Personal noch besser zu unterstützen. Unter anderem setze ich mich auf Bundesebene dafür ein, die Pflegepersonaluntergrenzen insbesondere in der Intensivmedizin wieder auszusetzen und die Ausgleichszahlungen für Corona-bedingte Vergütungsausfälle fortzusetzen. Angesichts des erhöhten Personalbedarfs im Kampf gegen Corona müssen wir eine weitere Belastung der Krankenhäuser dringend vermeiden."

Melanie Huml (CSU), Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege

"Was wir definitiv der Realität anpassen müssen, ist die Corona-Teststrategie. Söders Versprechen von unbegrenzten und unbegründeten Tests für jedermann funktioniert einfach nicht. Erstmal muss das Notwendigste sichergestellt sein."

Ruth Waldmann (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Pflege und Gesundheit im Bayer. Landtag

Mitmachen - auch online!

Sie können sich jederzeit online an der Diskussion beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar hier auf unserer Homepage oder als E-Mail an jetztredi@br.de. Oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Immer her mit Ihren Kommentaren, Fragen, Wünschen und Beschwerden!


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Traudi Bauer, Mittwoch, 25.November 2020, 21:31 Uhr

15. corona

Was masst sich Frau Hummel eigentlich an.
Es werden wieder alte Menschen in den Heimen in ihren Zimmern eingesperrt.
Aber unsere Herren Fussballmillionäre dürfen ohne Maske ohne Abstand spielen, fallen sich dann in die Arme,
nur, dass der Rubel rollt..... usw... usw....

Ich hoffe doch sehr, das Volk steht irgendwann mal auf, und wehrt sich.
Aber, wer den Menschen Angst macht, kann alles mit ihnen machen......

  • Antwort von Melanie Huml, Donnerstag, 26.November, 00:45 Uhr

    Liebe Frau Bauer!
    Es gibt aktuell kein landesweites Besuchsverbot in Senioren-/Pflegeheimen.
    In einigen Landkreisen wurde vor Ort entschieden wegen hoher Inzidenzzahlen Besuchseinschränkungen vorzunehmen. Oder Einrichtungen machen von ihrem Hausrecht Gebrauch und haben entsprechende Regelungen.
    Herzlich
    Melanie Huml

Kurt Mieschala , Mittwoch, 25.November 2020, 21:29 Uhr

14. Schulbusse

Welchen Sinn haben Abstandsregeln in Schulen, wenn in den schulbussen 60 Kinder ohne Abstand sitzen?

Möhrlein luotgatd, Mittwoch, 25.November 2020, 21:27 Uhr

13. Abstriche

Ich bin Aruthelferin in einer allgemeinatztpraxis in Litzendorf. Wir nennen ihn auch SÖDER Abstrich :-))

Wenke, Mittwoch, 25.November 2020, 21:26 Uhr

12. Thema 25.11.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir reden immer wieder um die Intensivstationen, wir vergessen aber immer wieder auch die Bettenstationen, wir haben eine ganz andere PPUG.10 Patienten auf eine Pflegekraft und in der Nacht 20 Patienten für eine Pflegekraft.
Für uns in der Versorgung von Covid-Patienten ist die Versorgung nicht immer einfach. Patienten haben Angst, Luftnot und alles was dazu gehört und jeder hat ein Recht auf Versorgung. Man kann diesem kaum nachkommen. Und auch uns belastet diese Situation psychisch und physisch. Was dazu kommt ist das wir täglich unsere Familien einem erhöhten Risiko aussetzen.

Brigitta Regauer, Mittwoch, 25.November 2020, 21:17 Uhr

11. Klinikpersonal

Ich habe selbst als mit Begeisterung als Kinderkrankenschwester gearbeitet - aber schon immer wurde Pflegepersonal für deren Leistung und die Arbeitszeiten zu schlecht bezahlt. Würde diese Diskrepanz endlich ausgeräumt werden und die Löhne der Leistung und den Belastungen angeglichen werden gäbe es den dauernden Pflegenotstand nicht mehr. Dann würden sich sicher mehr junge Menschen für diesen an sich tollen Beruf entscheiden. Die Pflegekräfte sind schon lange keine selbstlos und kostenlos arbeitenden Klosterschwestern mehr!