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"jetzt red i" in Fürstenfeldbruck Kirche in der Krise - Wie die Austrittswelle stoppen?

Zölibat und Sexualmoral, die Rolle der Frau und massive Missbrauchsvorwürfe – die Liste der Probleme innerhalb der katholischen Kirche ist lang. Viele Gläubige fremdeln mit der „Institution Kirche“. Oder treten aus.

Stand: 19.03.2019 09:25 Uhr

Immer mehr Katholiken ziehen Konsequenzen, wenden sich von der Glaubensgemeinschaft ab. Eine aktuelle BR-Befragung hat ergeben, dass die Kirchenaustritte von 2017 auf 2018 um 25 % zugenommen haben. Bundesweit können sich vier von zehn Katholiken vorstellen, der Kirche dauerhaft den Rücken zu kehren.

Kirche kündigt Reformen an

Demonstranten bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz

Die katholische Kirche will nun reagieren: „So kann es nicht weitergehen. Das machen die Leute nicht mehr mit“, betont Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising. Auf der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz Mitte März haben sich die Kirchenfürsten auf Reformen verständigt: Künftig wird es eine Frauenquote für Führungspositionen in den Bistümern geben. Missbrauchsopfer sollen entschädigt werden. Und: Die Gläubigen selbst sollen mit an Bord geholt und angehört werden – zur Gewaltenteilung in der Kirche, zum Zölibat und zum Umgang mit der kirchlichen Sexualmoral. Und zwar „ergebnisoffen, verbindlich, transparent, mit klarer Zeitschiene“, so Kardinal Marx.

Die Forderungen der Laien

Ein Kritikpunkt der Laien: Die Rolle der Frau in der Amtskirche

Kirchliche Laienorganisationen wollen konkrete Reformen. So fordert der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) das Priesterinnentum. „Junge Menschen haben ein ganz klares Gefühl für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Und sie nehmen es als große Ungerechtigkeit wahr, dass die Frauen aufgrund ihres Geschlechts von Leitung und Weihe ausgeschlossen sind“, so BDKJ-Chef Thomas Andonie. Darüber diskutieren Bürgerinnen und Bürger mit Weihbischof Wolfgang Bischof aus dem Erzbistum München und Freising und Thomas Andonie, BDKJ-Bundesvorsitzender.

"Auch wir Bischöfe sind überzeugt: Kirche muss sich verändern. Wohin es gehen soll, das wollen wir gemeinsam mit den Gläubigen nun in einem synodalen Prozess klären. Wir wollen offen und ehrlich miteinander reden, auch über Themen wie den Zölibat oder die Sexualmoral, die bisher oft ausgeklammert wurden. Wir spüren, dass vielen Menschen die Kirche am Herzen liegt. Gemeinsam mit ihnen wollen wir die Zukunft gestalten."

Weihbischof Wolfgang Bischof, Erzbistum München und Freising

"Wir brauchen strukturelle Veränderungen in unserer Kirche. Dazu gehört ein Aufbrechen des Klerikalismus und der patriarchalen Strukturen, die Machtmissbrauch begünstigen. Die Macht in der Kirche muss geteilt werden. Das Ziel muss ein partnerschaftliches Miteinander von Priestern und Laien, Frauen und Männern, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in unserer Kirche sein."

Thomas Andonie, Bundesvorsitzender Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)

Diskutieren Sie mit!

Wie kann die Kirche Vertrauen zurückgewinnen? Welche Probleme müssen am dringendsten angepackt werden? Was erwarten Sie sich von der katholischen Kirche? Welche Reformen braucht es, um die Gläubigen zu halten und die Austrittswelle zu stoppen?

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Wir sind gespannt auf Ihre Sichtweise!


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Sonja Bauch, Donnerstag, 28.März, 13:14 Uhr

32. KIrchenmoral

Angenommen, ein Bäckermeister vergewaltigt seinen Lehrling. Sollte das bekannt werden, dann kann er seine Backstube sofort schließen. Was passiert in diesem Fall bei der Kirche? Die "höchste moralische Instanz" versucht zu verschweigen und die Vergewaltiger kommen nicht vor ein weltliches Gericht.. Der Laden kann sofort geschlossen werden!

Hans Brandmair, Donnerstag, 28.März, 09:52 Uhr

31. Kirche in der Krise !

in der Diskussion bei Jetzt Red I hörte ich die selben Argumente, wie bei vielen anderen Diskussionen,
in der katholischen Kirche
Aber alle Forderungen und Wünsche die ich vernehme sind nicht ganz so Neu.
Ich persönlich kann nicht Nachvollziehen warum man so vieles Verändern soll.
Das alle Wünsche und Vorschläge die dort zu vernehmen sind doch längst Umgesetzt - halt
bei unseren Glaubensbrüdern in der evangelischen Kirche.
Wir können uns doch alle Tolerieren, wer bitte möchte schon einen Einheitsbrei!
Ich wurde auf den katholischen Glauben getauft und werde auch mit diesem Sterben.
Forderungen wie mehr Demut von Seiten des Klerus ! Wie steht es mit der eigenen Demut ?
Hans Brandmair Emmering

Franz Rickinger, Donnerstag, 28.März, 08:33 Uhr

30. Vorspann zur Sendung

Guten Tag, grüß Gott, Im Vorspann war von Yoga die Rede und daß das hierzulande viele Menschen machen; es wurde als "Ersatzreligion" dargestellt, was sowas wie "Diskriminierung" war. Dann fiel das Wort innerhalb der Sendung niemals..
Zur grundlegenden "Erneuerung" der Kirche, wie sie in der Senung angesprochen wurde, würde es auch gehören, daß die Kirchen aufhören sich als die Allein-seelig-Machenden zu "verkünden" und alles andere, was der Kirche scheinbar "MitgliederInzwis" kostet oder auch kosten könnte als Gefahr, Bedrohung betrachtet wird, die es zu bekämpfen und zu vernichten gilt. Wenn Sie zB in den Patanjali Yogasutren nachlesen, finden sie zum Thema "Samadhi-Erlangen" mehrere "Wege" aufgezeigt und darunter auch "Hingabe an Gott" und daß letztere die Hindernisse zur Erlangung von Samadhi beseitigen könne. Daß es aber eben auch anders geht, diesen Zustand jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen (Turyia) dauerhaft zu erlangen, leugnete und leugnet die Kirche radikal. Adios

Brigitte Erler, Mittwoch, 27.März, 21:01 Uhr

29.

Ich habe eine Frage an den Hochw. Herrn Weihbischof, warum müssen Kath. Pfarrer, die heiraten und Kinder zeugen, Ihr Amt aufgeben aber Evang. Priester die konvertieren und Zim Kath Priester geweiht werden, ein ganz normales Eheleben führen DÜRFEN?

Nadine Steiniger, Mittwoch, 27.März, 21:00 Uhr

28. Spiritualität

Ich arbeite im Bereich Meditation und spirituelle Lebensfragen. Hier erlebe ich viele Menschen auf der Suche nach Antworten, die das Gefühl haben, dass die Kirche mit vielen anderen Themen beschäftigt ist, aber kein Raum mehr für den Menschen an sich vorhanden ist.