BR Fernsehen - jetzt red i


24

"jetzt red i" aus München Lernen am Limit: Corona, die Schule und ich!

Nach den Sommerferien soll in Schulen wieder geregelter Unterricht stattfinden - eine Nachricht, die Eltern, Schüler und Lehrer aufatmen lässt. Denn die Corona-Krise hat allen Beteiligten viel abverlangt. Doch was ist, wenn im Herbst die Infektionszahlen wieder steigen und eine "zweite Welle" droht? Was muss jetzt getan werden, damit im Krisenfall alle gleiche Bildungschancen haben?

Stand: 15.07.2020

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo will ab dem 8. September den Regelbetrieb in Schulen wieder starten. Das heißt, dass alle Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehren, und somit das Abstandsgebot von 1,5 Metern nicht mehr eingehalten werden kann. Darauf will die Staatsregierung mit mehr Corona-Tests reagieren.

"Die Devise für das neue Schuljahr wird sein: Es soll so viel Unterricht wie möglich bei so viel Gesundheitsschutz wie nötig stattfinden."

Michael Piazolo, Bayerischer Kultusminister

Wie realistisch ist ein normaler Schulbetrieb?

Sicherheitsabstand? Im Urlaub gehen viele wieder auf Tuchfühlung.

Dieser Plan kann jedoch nur umgesetzt werden, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, so der bayerische Kultusminister. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek stellt einen normalen Schulbetrieb noch in Frage. In mehreren Ländern steigen bereits wieder die Infektionen mit dem Coronavirus. Virologen warnen seit längerem vor einer „zweiten Welle“ im Herbst. Noch sind die Infektionszahlen in Deutschland stabil. Doch was erwartet uns, wenn alle wieder aus dem Urlaub zurückkehren? Wie wichtig sind dann die Abstands- und Hygieneregeln? „Man sieht einen Anstieg der Fälle immer da, wo die Leute zu unvorsichtig sind“, meint die Virologin Ulrike Protzer.

"Jede Schule braucht einen Hygienebeauftragten. Wichtig ist, dass man nicht gleich eine ganze Schule schließen muss, nur weil es dort ein oder zwei Fälle gibt. Denn man darf sich nicht vormachen, dass es keine Infektionen geben wird. Das wird passieren. Wichtig ist dann, dass man nachvollziehen kann, welche Kinder mit den Infizierten Kontakt hatten und diese dann 14 Tage nach Hause schicken kann, ohne gleich die ganze Schule schließen zu müssen."

Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der TU und am Helmholtz Zentrum München.

Stress nimmt zu

Eine Rückkehr zum Homeschooling hätte gravierende Folgen für die Kinder. Eine aktuelle Studie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass für zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen Lernen angesichts der fehlenden Tagesstruktur anstrengender ist. Stress und psychosomatische Beschwerden haben zugenommen. Außerdem fühlen sich viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien abgehängt, weil ihnen die notwendige Unterstützung und technische Ausstattung fehlt.

Diskutieren Sie mit...

Klafft die Bildungsschere so immer weiter auseinander? Sind wir auf eine „zweite Welle“ gut genug vorbereitet? Wie können wir den Rückstand in der Digitalisierung aufholen? Und bekommen Lehrer, Eltern und Schüler ausreichend Unterstützung? Welche Bildung brauchen wir in Zukunft?

Über diese und andere Fragen diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger live mit dem Bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (FW) und der Virologin Ulrike Protzer.

...auf allen "Kanälen"

Leider findet auch diese jetzt red i - Sendung aus gegebenem Anlass ohne Publikum statt. Aber Sie können sich jederzeit online an der Diskussion beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar hier auf unserer Homepage oder als E-Mail an jetztredi@br.de. Oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Immer her mit Ihren Kommentaren, Fragen, Wünschen und Beschwerden!


24

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Steffen Hädrich , Mittwoch, 22.Juli 2020, 22:53 Uhr

90. Info und Studien zum Thema

Bitte lest Euch die Studien unten durch... Kinder unter 10 stecken sich fast nicht an, geben es so gut wie gar nicht weiter und erkranken so gut wie nicht an Covid 19.

Ganz ehrlich, die Kinder und Eltern sollen eine wenig wirksame Maßnahme tragen damit man alles andere wieder öffnen darf...

Schreibt doch an unseren Kultusminister Briefe, geht in die Öffentlichkeit und vor allen merkt Euch die (Nicht) Entscheidungsträger genau bis zur nächsten Wahl. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Steffen HÄDRICH, Donnerstag, 23.Juli, 00:57 Uhr

    An die Redaktion: schade das ihr die Links entfernt...

    Schlagworte zum Suchen:

    "Rückkehr zu einem Regelbetrieb an
    Grundschulen"

    "covid 19 kinder stellungnahme dgkh"

Franziska H. , Mittwoch, 22.Juli 2020, 21:24 Uhr

89. Frage an Hr. Piazolo in Live Sendung

Warum wird bei der Team-Lehrkraft-Maßnahme nicht zunächst auf fertig ausgebildete Lehrkräfte zurückgegriffen, die sich eh um den Staatsdienst beworben haben und auf den Wartelisten stehen?

Frau Haider, Mittwoch, 22.Juli 2020, 21:09 Uhr

88. Unbegrenzt Zustimmung zu Programmen für Videokonferenz

An der Mittelschule meiner Tochter wurde nun eine Datenschutzzustimmung zur Abhaltung der Video Konferenzen ab September verteilt. Das Feld welches Programm genutzt wird wurde offen gelassen, damit man flexibel schnell ein anderes Programm nutzen kann. Persönlich finde ich das eine Frechheit, da ich mit meiner Unterschrift zustimmen mir sämtliche Programme zu installieren die die Schule fordert. Auf Rückfrage hieß es das Schreiben sei vom Ministerium und wenn ich nicht unterschreibe könnte dies ein Nachteil für meine Tochter bedeuten. Es sollte ein einheitliches Konzept geschaffen werden mit einem Programm dass den Datenschutz gewährleistet. Immerhin ist bekannt dass Hacker sich über die Kameras einloggen können. Über das Vorgehen unserer Schule bin ich ziemlich sauer. Da sie sich das ganze sehr einfach machen. Was passiert wenn ich nicht zustimme wird mein Kind dann nicht mehr Unterrichtet?

Michaela, Mittwoch, 22.Juli 2020, 21:08 Uhr

87. Förderschulen

In dieser ganzen Diskussion fehlt der Blick auf die Förderschulen, gerade die für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Homeschooling ist hier kaum möglich, zudem sind gerade schwerstmehrfachbehinderte Schüler oftmals besonders gefährdet, und auch die Lehrer die mit ihnen arbeiten.
Könnten hier nicht regelmäßige Testungen ein relativ normales Schulleben ermöglichen?

Ben Benzgo, Mittwoch, 22.Juli 2020, 21:05 Uhr

86. Werden die Sommerferien gut genutzt?

Frage an den Kultusminister:

Was genau für Maßnahmen ergreift das Kultusministerium, um während der Ferien die Lehrer mit Technik und Training auszustatten, damit bei eventuellen zukünftigen (Teil-) Schließungen der Schulen ein gleichmäßig qualitativ hochwertiger Tele-Unterricht stattfinden kann?

  • Antwort von Stephanie, Mittwoch, 22.Juli, 21:35 Uhr

    Genau diese Frage treibt mich auch um: Eine Stichprobe in der Grundschule meiner Kinder, zerstört bei mir die Hoffnung, dass es wenigstens zukünftig teileweise Ersatz für den fehlenden Präsenzunterricht durch Unterricht per Video geben kann. Meiner Meinung nach ist der Datenschutz der Programme nur ein Vorwand ( ich bin eine große Verfechterin der europäischen Datenschutzrichtlinie). Es mangelt schlicht an der Bedienkompetenz und das muss ich leider sagen, am Willen der einzelenen Lehrer(innen) ihre Kinder in Kleingruppen zu unterrichten. Es ist deutlich zeitaufwendiger als der gewohnte Präsenzunterricht. Aber selbst ohne Onlineunterricht sollte es möglich sein, dass die Schüler Feedback im Homeschooling bekommen. Das findet nur vereinzelt durch engagierte Lehrer(innen) statt, ich ich von meiner Kritik explizit ausnehmen möchte.

  • Antwort von Gudrun, Mittwoch, 22.Juli, 22:10 Uhr

    Unser Konzept vor Corona sah vor, dass Lehrer mit Dienst-Tablets ausgestattet werden (Digitalpakt) - u.a. auch wegen des Datenschutzes, Start September 2020. Jetzt dürfen genau diese Geräte vom Sachaufwandsträger plötzlich nur noch an Schüler verteilt werden. Das verstehe ich einerseits, aber andererseits hat die Hälfte meiner Kollegen selbst noch keine videotaugliche Ausstattung zuhause, wie sollen die fern-unterrichten? Ich verwende für Videokonferenzen Tablet UND Rechner gleichzeitig. Zumindest teilweise sollte die Schule Geräte bitte auch an Lehrkräfte ausgeben dürfen, dort wo es notwendig ist.