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"jetzt red i" Brenner Basistunnel Aufruhr im Inntal – Der Streit um die Brenner-Bahntrasse

In sieben Jahren soll es soweit sein, der Brenner-Basistunnel wird eröffnet. Damit soll ein Großteil des LKW-Verkehrs auf die Schiene kommen. Doch auf bayerischer Seite wird gestritten. Muss die Bahnstrecke ausgebaut werden?

Stand: 15.04.2019 09:25 Uhr

Er ist das europäische Vorzeigeprojekt: Der Brennerbasistunnel, durch den in Zukunft der Güterverkehr von Süditalien bis nach Skandinavien fließen soll. In Italien und Österreich wird schon kräftig gebohrt, 2026 sollen die ersten Güterzüge durch den dann längsten Bahntunnel der Welt rollen und den Straßenverkehr entlasten. Das ist bitter nötig. Alleine im letzten Jahr fuhren 2,4 Millionen LKW über die Brennerautobahn. Blockabfertigung, kilometerlange Staus und genervte Urlauber sind die Folge.

Neue Zeiten für das Inntal

Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen. Das klingt erstmal sinnvoll. Auch die bayerische Wirtschaft ist für den Ausbau, erhofft sich dadurch kürzere Lieferzeiten und sinkende Transportkosten. Doch für viele Menschen im Inntal ist der Tunnel ein rotes Tuch. Denn um den steigenden Bahnverkehr zu bewältigen, soll der Brenner-Nordzulauf auf der bayerischen Seite ausgebaut werden. Zwei zusätzliche Gleise durch das schmale Inntal sind deshalb im Gespräch.

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Ausbau oder Modernisierung?

Der Widerstand gegen diese Trassenpläne wächst. Mehr als 5.000 Anwohner sind bereits in Bürgerinitiativen organisiert, mehr als 16.000 Unterschriften gegen den Ausbau wurden gesammelt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will bis Sommer fünf mögliche Trassenpläne vorstellen und verspricht dabei „die Anliegen der Bürgerinitiativen konstruktiv aufzunehmen.“ Aber viele im Inntal zweifeln, ob der Ausbau überhaupt nötig ist, und fordern stattdessen die bestehenden Gleise zu modernisieren. Sie haben Angst, dass ihre Heimat für ein unsinniges Megaprojekt verschandelt wird. 

Darüber diskutieren bei „jetzt red i“ Bürgerinnen und Bürger mit verantwortlichen Politikern.

"Der steigende Brenner-Verkehr muss jetzt geregelt werden. Gleichzeitig müssen wir die Anwohnerinteressen ernst nehmen. Im Koalitionsvertrag auf Landesebene haben wir deshalb auch eine teilweise unterirdische Trassenführung, wie in Tirol, ins Spiel gebracht. Ziel ist jetzt, bis Ende Juli 2019 fünf Trassen in die engere Auswahl zu nehmen und sich auch die Bestandsstrecke genauer anzuschauen. Was wir brauchen, ist eine Lösung, die ausgereift und stabil ist und von allen Beteiligten breit akzeptiert wird. Wir müssen auch an die spätere Generation denken, die sonst im Stau ersticken wird."

Hans Reichhart (CSU), Bayerischer Minister für Wohnen, Bau und Verkehr

"Der Brenner-Basis-Tunnel ist ein Jahrhundertptojekt, das seit 30 Jahren geplant und seit 12 Jahren gebaut wird. Wer so tut, als könne man es stoppen oder auf deutscher Seite ausbremsen, streut den Bürgerinnen und Bürgern Sand in die Augen. Das Projekt Nordzulauf kann aber nur im Dialog mit der Bevölkerung und mit höchsten Schallschutz- und Naturschutz-Standards realisiert werden. Es geht um den Schutz unserer Heimat."

 Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag

Diskutieren Sie mit!

Ist die geplante Neubautrasse wirklich notwendig? Sind die Proteste der Anwohner berechtigt? Oder müssen Einzelne ihre Interessen nicht dem Gemeinwohl unterordnen? Tut die Politik genug, um die Bürger bei diesem Großprojekt mitzunehmen? Braucht es ein umfassenderes Verkehrskonzept für die Region? Was passiert, wenn der Brennertunnel gebaut wird und der Anschluss auf der deutschen Seite nicht fertig wird?

Franziska Eder und Tilmann Schöberl freuen sich auf die Diskussion! Sie können sich jederzeit auch online beteiligen: Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar oder E-Mail an jetztredi@br.de oder diskutieren Sie mit in den sozialen Medien. Wir sind gespannt auf Ihre Sichtweise!


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Josef Bichler, Donnerstag, 25.April 2019, 13:50 Uhr

18. Bahntrasse

Als Betroffener an der jetzigen Bahntrasse kann ich nur hoffen es wird eine neue Trasse gebaut den die alte ist jetzt schon übelastet Nachts fahren desolate Güterzüge auf der Trasse und es ist in Niederaudorf kein Lärmschutz vorhanden so das man meint der Zug fährt durchs Schlafzimmer.Für uns Bewohner im oberen Inntal wäre besser wir würden zu Tirol gehören,dann wäre schon lang was passiert.Unsere Staatsregierung und Kommunalpolitiker schlafen anscheinend einen Dornröschenschlaf
Das gute ist das sich die Tiroler das nicht gefallen lassen und mit einer Begrenzung des LKW Verkehrs mit Hilfe einer Blockabfertigung die Verkehrssteigerung ein wenig abzufangen.

Kleber Nicole, Mittwoch, 24.April 2019, 21:03 Uhr

17. Brenner Basistunnel

Es ist traurig dass D noch immer am Abwarten und Planen ist. Ich bin Deutsche und finde es peinlich dass immer von den Nachbarn erwartet wird dass sie sich um alles kümmern und den Verkehr ertragen müssen und in Bayern passiert nichts. Allein die Grenzkontrollen sind beschämend. Auch
der Personenverkehr zw. Kufstein und München ebenso wie zw. Kufstein und Salzburg sollte für alle! Deutsche und Österreicher verbessert werden. Dies Denken in Grenzen muss einfach aufhören und zu einer gemeinsamen Planung führen. Hier wohnen da arbeiten ist das Normalste der Welt - wir sind alle EU Bürger!

  • Antwort von FAS, Mittwoch, 24.April, 22:51 Uhr

    Auf der Strecke Kufstein-München ist der Abschnitt Rosenheim- München das Nadelöhr. Die Bahn plant aber die neue Schnellbahntrasse auf dem Abschnitt Grafing-München ohne zusätzliche Gleise, somit ist hier für den Personennahverkehr keine große Verbesserung in Sicht. Eine Beschleunigung des Personennahverkehrs auf der Strecke Kufstein-Salzburg ist wegen des vorgesehenen Ausbaus der Strecke München-Mühldorf-Freilassung ebensowenig zu erwarten, auch hier bewirkt eine Neubautrasse allenfalls einen marginalen Zeitgewinn von wenigen Minuten.
    Ansonsten (auch Nichtösterreichern) zur Lektüre empfohlen: transitforum.at und trend.at: Brenner-Basistunnel: Wahnsinn mit Methode

Sandra K. , Mittwoch, 24.April 2019, 21:00 Uhr

16. Inntal

Aber jeder will volle Regale in den Geschäften usw. Aber der Vekehr der Hauptverkehr besteht von den Ostblockfirnen.
Hier gehört mal was gemacht.
Wenn man durchs Inntal fährt kann man es an einer Hand abzählen wieviel einheimische noch sind.
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Wacker, Mittwoch, 24.April 2019, 20:55 Uhr

15. Ausbau auf 4 Gleise von München nach Rosenheim

Die Gleise im untern Inntal sind theoretisch zwar möglich machen diese überhaupt sinnvoll im Vorlauf müssten dementspreched auch 4 Ferngleise gebaut werden,..dies ist aber von MünchenOst bis Grafing überhaupt nicht mehr möglich. Auf dieser Strecke fahren dann die Züge Richtung Kufstein und zusätzlich jene die Richtung Salburg fahren, das kann nicht funktionieren.

Ralf Petters, Mittwoch, 24.April 2019, 20:48 Uhr

14. Brenner Nord Zulauf

Die ganze Diskussion ist scheinheilig. Wenn Greta Thunberg im Studio wäre und sagen würde, dass wir den Ausbau brauchen, dann würden alle applaudieren. Die brauchen wir aber nicht. Der LKW-Verkehr kann so nicht weiter gehen. Das haben Österreich und Italien erkannt und bauen diesen Mega-Tunnel. Und wir Deutschen sagen: Na, den brauchts net. Leute, das ist nicht die Realität. Die Politik will mehr Güter auf die Schiene und doppelten Schienen-Personen-Fernverkehr. Und das ist gut so. Wir brauchen keine selbstfahrenden Lkw und solche Sachen, wir brauchen mehr Eisenbahn. Und dafür braucht es Eisenbahn. Dass die direkt Betroffenen im Inntal ein Problem haben, verstehe ich voll. Aber der Verkehr wird die Region sowieso verändern. Aber wenn schon, dann bitte umweltfreundlich, mit der Bahn. Man kann die Verantwortlichen zwingen, das Projekt so sinnvoll, wie möglich zu bauen, aber gebaut werden muss. Und zwar bald.

  • Antwort von non, Mittwoch, 24.April, 21:00 Uhr

    +1 Danke für diese wohltuend sachliche Zusammenfassung!!

  • Antwort von FAS, Mittwoch, 24.April, 22:11 Uhr

    Wenn Greta Thunberg im Studio gewesen wäre, hätte sie mit Sicherheit die Verkehrsvermeidung präferiert. Die von ihr geforderte und wünschenswerte Einführung einer CO2-Steuer hätte folgende Konsequenzen:

    1. Transporte würden teurer, die Güterverkehrsströme sich als Folge verlagern, denn Umwegeverkehr (also rund ein Drittel des derzeitigen brennerquerenden Straßengüterverkehrs) wäre nicht mehr lohnenswert, der Verkehr würde dann vermehrt über andere Alpenpässe fließen und sich gleichmäßiger verteilen.
    2. Die Bepreisung von Produkten enthielte die höheren Transportkosten, idealerweise wäre bei jedem Produkt der ökologische Fußabdruck sofort ersichtlich.
    3. Gütertransportvolumen und zurückgelegte Wegstrecke würden drastisch sinken, allerdings zum Nachteil der Transportwirtschaft (Stichwort Dettendorfer).
    4. Die regionale Wirtschaft würde dadurch gestärkt, Verkehrsstaus vermieden.
    5. Eine umwelt- und anwohnerschädliche milliardenteure Neubaustrecke durch das Inntal wäre überflüssig.