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Zucker-Experiment Eine Woche ohne Zucker

Ob Kuchen, Schokolade oder Gummibärchen – die meisten lieben Zucker. Doch zu viel davon kann krank machen. Deshalb macht unser Reporter Fero Andersen einen Selbstversuch: Eine Woche will er komplett ohne Süßes leben. Wie schwer ist es, auf Zucker zu verzichten? Und wo steckt er überall drin? Das Zucker-Experiment.

Von: Birgit Deiterding

Stand: 05.12.2017

50 Gramm Zucker sollten wir maximal täglich essen. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die Deutschen essen aber das Doppelte. Das macht pro Jahr pro Kopf 35 Kilogramm Zucker. Also viel zu viel.

Bevor Fero Andersen mit seinem Selbstversuch startet, besucht er das Zentrum für Ernährungsmedizin in München. Dr. Gert Bischoff checkt ihn gründlich durch und gibt ihm Tipps für die Woche.

"Wenn man so eine Zucker-Challenge macht, also wirklich verzichten möchte, dann verzichtet man auf alle Süßigkeiten natürlich. Auf zuzuckern verzichtet man und in dem Fall, wenn man es strikt machen möchte, tatsächlich auch auf Obst. Denn das enthält viel Fruktose, also auch Fruchtzucker."

Dr. Gert Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin, München

Was macht der Zucker-Verzicht mit dem Körper?

Als erstes nimmt ihm Dr. Bischoff Blut ab. Dann heißt es: Ab auf die Waage: 77,7 Kilogramm. Welche Herausforderungen wird der Zucker-Verzicht für Fero Andersen bereithalten?

"Rein körperlich wird es Ihnen jetzt auf gar keinen Fall schaden, aber Sie werden vielleicht mal ein bisschen nervös und zittrig werden, vielleicht auch mal ein bisschen unkonzentriert."

Dr. Gert Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin, München

Als nächstes werden Herztöne und Blutdruck untersucht. Alles völlig in Ordnung. Auch die Blutwerte wie Cholesterin oder Blutzucker sind absolut okay. Was kann einem denn drohen, wenn man über einen längeren Zeitraum zu viel Zucker zu sich nimmt?

"Man weiß aus vielen Studien: Wenn ich dauerhaft viel und zu viel Zucker esse, dann steigt mein Risiko für verschiedene Erkrankungen deutlich an. Vor allem Übergewicht und Adipositas, also Fettleibigkeit, Diabetes, Fettleber."

Dr. Gert Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin, München

Ernährungsexpertin räumt den Kühlschrank auf

Damit Fero Andersen zu Hause in keine Zuckerfalle tappt, räumt ihm Ernährungsexpertin Anja Schwengel-Exner erst mal den Kühlschrank aus. Marmelade, Fruchtjoghurt und Fertigsalatdressing fliegen raus. Und zu Fero Andersens Überraschung: der herzhafte Krautsalat.

"Ja, schauen Sie mal drauf, wie viel Zucker da drinnen ist: 13 Gramm auf 100 Gramm. Das wären 16 Würfelzucker in einem Topf Krautsalat! Genau das gleiche mit der Wurst. Da ist auch Zucker drin, wo man es überhaupt nicht vermuten würde."

Anja Schwengel-Exner, Ernährungsexpertin

Beim Einkauf muss man also genau schauen. Denn oft werden neben Zucker auch andere süßende Zutaten beigefügt, wie zum Beispiel Maltose, Dextrose, Fruktose-Glukose-Sirup oder Saccharose. Dahinter verbirgt sich ebenfalls Zucker. Was kann Fero Andersen denn überhaupt noch essen?

"Die Zuckervarianten schmeißen wir raus aus dem Speiseplan und stattdessen kommt viel Gemüse auf den Speiseplan. Da kann man auch mal die süßen Sorten bevorzugen, zum Beispiel Möhren und Kohlrabi oder auch Fenchel."

Anja Schwengel-Exner, Ernährungsexpertin

Was darf Fero Andersen noch essen?

Überall Zucker drin: Fero Andersen räumt den Kühlschrank aus

Sogar Feros geliebtes Früchtemüsli muss dran glauben. Und so geht es weiter: Balsamico-Essig, Säfte, Brotaufstriche und Senf sind tabu. Und was ist mit Käse?

"Käse funktioniert und Milchprodukte, Naturjoghurt naturbelassen natürlich auch. Dann frisch kochen."

Anja Schwengel-Exner, Ernährungsexpertin

Herausforderung Frühstück

Der nächste Morgen: Fero Andersen beim Frühstück.

"Was mache ich denn? Müsli wie sonst geht ja nicht. Dann habe ich gedacht, nimmst du einfach Haferflocken pur und mischst vielleicht noch ein bisschen Mandeln rein. Pur belassene Mandeln - und dann lese ich hinten drauf: Zucker! Fliegt somit auch raus. Das wird ein tristes Müsli heute Morgen."

Fero Andersen

Fero Andersen mit seinem Dinkel-Vollkornbrot

Am nächsten Tag will er beim Bäcker Brot ohne Zucker einkaufen. Auch das ist schwieriger als gedacht. Die Verkäuferin schaut in ihrer Liste nach und findet tatsächlich etwas: ein Dinkel-Vollkornbrot.

Auf dem Wochenmarkt

Tag 6 der zuckerfreien Woche: Schlemmerparadies Wochenmarkt. Hier muss sich Fero Andersen zum ersten Mal in der Woche keine Gedanken machen, ob Zucker drin ist oder nicht.

Die Woche ist rum. Und unser Reporter?

"Ich darf ab heute wieder alles essen! Gerade der Verzicht auf Früchte ist mir vom ersten Tag an ziemlich schwergefallen. Dazu kam einfach zwischendurch die Lust. Also das Hirn denkt schon dran: ‚Ah, da wäre doch mal ein kleines Leckerli.‘ Und das ist ab heute wieder anders. Yes!"

Fero Andersen

Abschluss-Check beim Doc

Zum Abschluss sucht er noch mal Dr. Bischoff auf. Die Waage zeigt 76,3 Kilo – er hat 1,5 Kilogramm abgenommen.

"Zucker enthält viele Kalorien. Wenn Sie es nicht mit etwas anderem kompensiert haben, geht das Gewicht auch runter."

Dr. Gert Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin, München

Mal sehen, was sich sonst noch getan hat. Blutdruck und Herzfrequenz sind völlig normal. Auch Fero Andersens Blutwerte haben sich nicht verändert. Ergibt es denn Sinn, komplett auf Zucker zu verzichten?

"Man muss nicht komplett verzichten. Wenn Sie Ihren Zucker mit Obst zu sich nehmen, haben Sie gleichzeitig Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, die Sie beim Schokoriegel zum Beispiel nicht haben. Wichtig ist, dass man den Zucker auch genießt. Gerade Schokoriegel essen wir in der Hektik irgendwie auf dem Heimweg von der Arbeit. Wir nehmen es gar nicht bewusst wahr und haben die Kalorien und den Zucker dann schon drin. Wenn ich stattdessen das bewusst als Genussmittel zu mir nehme, mich hinsetze und sage: Jetzt esse ich das, weil es mir schmeckt - nehme es in den Mund, beiße einmal ab, lass es langsam zergehen - dann habe ich einen viel größeren Genuss. Dann reicht mir vielleicht auch schon weniger davon."

Dr. Gert Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin, München


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