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Weiße Zähne Zahnweißer-Cremes: Alltags-Check

Strahlend weiße Zähne, die will jeder. Zahnweißer-Zahncremes versprechen scheinbar die einfache Lösung: In wenigen Wochen weißere Zähne, nur durch Putzen mit der richtigen Zahnpasta. Aber klappt das wirklich? "Gesundheit!" macht den Alltagscheck und besucht einen der führenden Zahnprohylaxe-Experten Deutschlands.

Von: Bernd Thomas

Stand: 27.02.2018

Bei den Promis sind sie schon lange ein Muss: Weiße Zähne. Immer mehr Menschen springen auf diesen Trend auf. Die Industrie präsentiert die scheinbar einfache Lösung für zu Hause: Zahnweißer-Cremes. Es gibt sie von günstig bis teuer, mit unterschiedlichsten Inhaltsstoffen und - besonders hipp - sogar rabenschwarz, mit Aktivkohle. Aber was können die Spezialpasten wirklich?

Zahnweißer-Alltagstest: Vor dem Start

Die Probanden: Ariela, Catharina, Robert und Philipp.

"Gesundheit!" macht eine Stichprobe. Ariela, Catharina, Robert und Philipp werden drei Wochen lang jeder eine Zahnweißer-Creme ausprobieren. Die vier frei verkäuflichen Testcremes kommen aus dem Supermarkt und einem exklusiven Kaufhaus. Die günstigste ist für 1,95 Euro zu haben, die teuerste kostet 23,49 Euro. Auf allen Packungen ist nachzulesen, dass schon nach wenigen Wochen die Zähne deutlich heller sein sollen.

Weiße Zähne: Sind sie gesünder?

Aber wie verhält es sich grundsätzlich, sind weiße Zähne gesünder als dunkle? Wir fragen nach bei einem der führenden Zahnprophylaxe-Experten Deutschlands, Prof Stefan Zimmer, von der Universität Witten/Herdecke.

"Nein, die Farbe eines Zahnes sagt überhaupt nichts über seinen Gesundheitszustand aus. Ein gelber Zahn kann genauso gesund sein wie ein weißer. Und mit zunehmendem Alter werden die Zähne ganz natürlich dunkler. Weiße Zähne entsprechen einfach nur unserem ästhetischen Wunsch."

Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer, Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin, Universität Witten/Herdecke

Zahnweißer-Check: Von schwarz bis weiß

Die Zahnärztin bestimmt mit einer Farbskala Helligkeit und Farbe der Front- und Eckzähne.

Zuerst werden alle Testputzer untersucht. Dr. Sonja Benz, Zahnärztin aus München, schaut nach, ob alle gesunde Zähne haben. Das ist wichtig vor jeder Behandlung, die Zähne heller machen soll. Damit wir später vergleichen können, bestimmt sie anschließend mit einer Farbskala bei jedem Helligkeit und Farbe der Front- und Eckzähne. Dann geht das große Putzen los.

Zahncremes: Was können Kosmetika bewirken?

Zahnpasten sind rechtlich Kosmetika. Sie dürfen nur sehr geringe Mengen an Wirkstoffen enthalten. Auslobungen müssen durch den Hersteller belegt sein, aber strenge wissenschaftliche Studien fehlen meist. Prof. Stefan Zimmer vom Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin der Universität Witten/Herdecke bestätigt zwar, dass die meisten Cremes tatsächlich eine kleine Wirkung haben, aber viele Kunden versprechen sich viel zu viel.

"Es gibt zwar eine Wirkung, aber die Frage ist, in welchem Umfang. Viele glauben, sie müssten damit nur die Zähne putzen und schon werden sie weißer, aber so ist das nicht."

Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer, Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin, Universität Witten/Herdecke

Sind Weißmacher schädlich?

Für gesunde Zähne sind die frei verkäuflichen Pasten normalerweise nicht schädlich, so Prof. Stefan Zimmer. Trotzdem ist es möglich, dass der Einzelne unterschiedlich auf bestimmte Inhaltstoffe reagiert, je nachdem, ob schon Schäden an Zahnhälsen und Zahnschmelz vorhanden sind. Es lohnt sich, zuvor mit seinem Zahnarzt zu sprechen.

Weißmacher-Zahncremes: Maximal die eigene Zahnfarbe

In Witten/Herdecke wird zur Wirkung von Zahnpasten geforscht. Dazu werden unterschiedliche Verfahren angewandt. Ein Wert, der Aufschluss über die Wirksamkeit gibt, ist die PCR (Pellicle Cleaning Ratio). Rinderzahnpräparate mit künstlich aufgetragenen Belägen werden nach streng standardisierten Vorgaben geputzt und vorher und nachher untersucht.

In Witten/Herdecke wird zur Wirkung von Zahnpasten geforscht.

Jede Zahncreme, egal ob normale Paste oder Zahnweißer, enthält Putzkörper, die Beläge und Verfärbungen mechanisch abtragen. Wie stark der Abtrag ist, beschreibt der sogenannte RDA-Wert (Radioactive Dentin Abrasion), der aber auf Zahncremes meist nicht angegeben ist. Früher enthielten viele Zahnweißer-Cremes oft besonderes aggressive Partikel mit einem hohen RDA-Wert, um auch starke Beläge und Verfärbungen beseitigen zu können. Da es inzwischen Höchstwerte gibt, die nicht überschritten werden dürfen, setzen moderne Zahnweißer-Cremes auf die Wirkung anderer Inhaltsstoffe:  

"Heute enthalten die Cremes eine Mischung aus Schmirgelstoffen, die braucht jede Zahnpasta nach wie vor, um effektiv reinigen zu können, und zusätzlich chemischen Substanzen. Die chemischen Substanzen oder Polyphosphate sind vergleichbar denen, die auch in Waschmitteln eingesetzt werden. Sie sollen in Kombination mit der abtragenden Wirkung die natürliche Zahnfarbe wieder zum Vorschein bringen. Die Zähne können durch Weißmacher-Zahnpasten aber nicht wirklich weißer werden, sondern es können nur Auflagerungen teilweise entfernt werden, was die natürlich Farbe des Zahnes wieder zum Vorschein bringt."

Prof. Dr. med. Stefan Zimmer, Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin, Universität Witten/Herdecke

 Zahnweißer: Farbstoffe, künstliche Mineralien und Bleichstoffe

Neben den Polyphosphaten setzt die Industrie vor allem auf physikalische Farbstoffe und künstliche Mineralien. Bleichstoffe sind kaum mehr in Zahnpasten enthalten. Wie effektiv wirken sie?

Schwarze Weißmacher: Wie entfernen sie Beläge?  

Verhältnismäßig neu sind schwarze Zahncremes mit Aktivkohle.

Verhältnismäßig neu sind schwarze Zahncremes mit Aktivkohle. Sie soll die Verfärbungen aufnehmen. Bei unserer kleinen Stichprobe mit dabei ist auch eine solche schwarze Zahnpasta. Allerdings hatte unsere Testerin schon nach wenigen Tagen Probleme an den Zahnhälsen und reduzierte den Gebrauch. Obwohl Studien dazu noch fehlen, könnte eine Ursache die Aktivkohle selbst sein, meint Dr. Sonja Benz.

"Obwohl die Zahnpasta damit wirbt, keinen hohen Abrieb zu haben, könnte es sein, dass die Aktivkohlepartikel selbst auch abreibend wirken. Das wird gerade diskutiert."

Dr. med. dent. Sonja Benz, Zahnärztin, München

Zahnweißer-Check: Das Ergebnis

Nach drei Wochen treffen sich unsere vier Tester in der Praxis wieder. Das Ergebnis: Zwar sind bei einer Paste, der zweitgünstigsten, Beläge sichtbar weniger geworden, und die günstigste hat die Zähne einwandfrei sauber gehalten. Aber: Bei keinem unserer Probanden ist die Zahnfarbe an sich heller geworden. Auch die beiden teuren Cremes für rund 15 und 24 Euro hatten keinen solchen Effekt. 

Wer auch das Kleingedruckte oder die ausführlicheren Beschreibungen auf den Packungen liest, wird nicht mehr erwarten, denn dort wird die Wirkung oft realistischer beschrieben. Als Ziel geben viele Hersteller die natürliche Zahnfarbe oder das natürliche Zahnweiß an. Und so ist es auch: Heller als die natürliche Zahnfarbe ist durch Putzen mit einer Zahncreme nicht möglich. Das bestätigen auch unsere Experten.

"Die Hersteller arbeiten mit der Erwartung der Patienten, dass die Zähne tatsächlich weißer werden, das ist nicht richtig. Man kann tatsächlich nur die eigene Zahnfarbe wiederherstellen."

Dr. med. dent. Sonja Benz, Zahnärztin, München

"Die Zahnweißer können nur einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Zähne wieder sauberer werden und dieser kleine Beitrag ist oft nicht größer als bei einer ganz normalen Zahnpasta."

Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer, Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin, Universität Witten/Herdecke

Im aktuellen Test der Stiftung Warentest schneiden einige ganz normale Zahncremes auch beim Punkt, die Zähne heller zu machen, sehr gut ab. Nachschauen lohnt sich, oft braucht es keine teuren Spezialcremes.

Hellere Zähne: Bleaching beim Zahnarzt

Wer wirklich hellere Zähne will, kann das durch ein professionelles Bleaching erreichen. Allerdings sollte die Behandlung nur beim Zahnarzt stattfinden. Die Behandlung kostet bis zu mehreren hundert Euro, hält rund zwei bis drei Jahre und lässt sich auch mehrmals wiederholen.   

Ziel: Gesunde Zähne sind die besten!

Aber das Wichtigste ist letztlich, dass die Zähne gesund sind! Und dafür braucht es vor allem einen Inhaltsstoff: Fluorid.  

"Ich empfehle meinen Patienten immer, sie sollen sich doch überlegen, ob sie wirklich weißere Zähne brauchen. Denn auch wenn die Zähne nicht maximal weiß sind, können sie attraktiv sein, wenn sie gesund sind, das steht für mich im Vordergrund. Man kann alleine durch das Fluorid, das in einer Zahnpasta enthalten ist, die man mindestens zweimal am Tag anwendet, die Karies um über 40 Prozent effektiver im Zaum halten als ohne."

Prof. Dr. med. Stefan Zimmer, Department Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin, Universität Witten/Herdecke


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