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Gesunde Wolle, Kleidung Superfaser Wolle!

Wenn es kalt wird, ist sie aus unserem Leben nicht wegzudenken: Wolle. Schon vor 6000 Jahren haben Menschen die erste Kleidung daraus hergestellt. Aber sie kann mehr als nur uns wärmen: Sie filtert sogar Giftstoffe aus der Raumluft. Gesundheit! Reporter Fero Andersen geht auf Tuchfühlung mit ihren Erzeugern und erfährt, wie Wolle als Heilmittel eingesetzt wird.

Von: Christian Brandt

Stand: 19.03.2019

Gesundheit! Reporter Fero Andersen will sich die Naturfaser Wolle einmal genauer anschauen und besucht die Schäfereigenossenschaft Finkhof im Allgäu. Seine erste Ansprechpartnerin ist Schäferin Irina.  

Wolle: Von der Wolle bis zum Garn

Von der Wolle bis zum fertigen Garn ist es ein langer Weg. Er beginnt mit der Schur. Doch wie oft werden Schafe geschoren und wieviel Wolle kommt von einem Schaf?

"Die meisten Schafe werden einmal im Jahr geschoren. Manche Rassen, bei denen die Wolle schneller wächst, werden zwei Mal pro Jahr geschoren. Wieviel Wolle anfällt ist unterschiedlich, je nach Rasse. Bei den Fuchsschafen hier sind es ungefähr drei Kilo pro Tier."

Schäferin Irina, Bad Wurzach

Ein Schaf beim Friseur

Schafe lassen sich eigentlich nicht gerne scheren. Aber es ist nötig, denn in einem zu dicken Fell wird es den Schafen im Stall zu heiß. Und die Menschen kämen natürlich nicht an die begehrte Wolle. Der Umgang mit der Schurschere will gelernt sein. Allzu leicht kann man das Schaf verletzen. Das junge Schaf, das von Irina geschoren wird, ist auf jeden Fall ein sehr geduldiges Exemplar. Ist die Schäferin zufrieden mit ihrer Arbeit?

Bis zu drei Kilo Wolle liefert ein Schaf pro Jahr.

"Nicht so ganz, ich bin keine professionelle Schererin, ich habe eher darauf geachtet, dass ich es nicht schneide. Aber es geht gerade so durch."

Schäferin Irina, Bad Wurzach

Hauptsache, das Schaf ist wohl auf. Wie es mit der sogenannten Rohwolle weitergeht, schaut sich Gesundheit! Reporter Fero Andersen als nächstes an.

Von der Rohwolle bis zum Wollvlies

Er ist mit Patric Cramer verabredet. Bei ihm laufen in der Schäfereigenossenschaft Finkhof alle Fäden zusammen.

Patric Cramer arbeitet in der Schäfereigenossenschaft Finkhof im Allgäu.

"Als nächstes geht die Wolle in die Wollwäscherei. Da waschen wir dann den ganzen Dreck raus, das Stroh geht weg und wir waschen auch das Wollfett raus. Nach so einem Schertag hast du, wenn du den ganzen Tag mit dem Wollfett gearbeitet hast, super schöne Hände. Die Haut ist ganz weich, wie wenn du in einen Cremetiegel greifst und dich einschmierst."

Patric Cramer, Schäfereigenossenschaft, Bad Wurzach

Wollfett produziert das Schaf zum Schutz seines Fells. Um Kleidung herzustellen, muss das Wollfett allerdings raus. In der Wäscherei wird die Wolle dann gereinigt und gekämmt.

Wolle: antibakterielle Faser mit besonderen Eigenschaften

Die rohe Wolle wird als erstes zum Wollvlies verarbeitet.

Das Ergebnis des Prozesses ist das sogenannte Wollvlies. Die Wolle sieht herrlich fluffig aus. Reporter Fero Andersen ist begeistert. Ist es das, was die Wolle so besonders macht?

"Fluffigkeit ist ja eine der Topeigenschaften der Wolle. Und die kommt daher, dass Wolle bis zu 60 Prozent Luft enthält. Und die hält einen dann einfach so schön warm."

Patric Cramer, Schäfereigenossenschaft, Bad Wurzach

Außerdem kann Wolle bis zu einem Drittel ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich dabei nass anzufühlen. Und sie ist antibakteriell. Deshalb nimmt Wollkleidung kaum Gerüche an.

Was tun, wenn Wolle kratzt?

Aber es gibt leider Menschen, die vertragen Wolle am Körper oder direkt auf der Haut nicht. Da kratzt es dann permanent. Wie können sie trotzdem in den Genuss der vielen natürlichen Vorteile kommen?

"Die Wolle, die wir hier haben, ist regionale Wolle. Ich sage immer: Aus deutscher Wolle kann man kein feines Stöffchen machen. Wenn man sich das einmal im Mikroskop anschaut, sieht Wolle aus Deutschland so aus wie eine Art dicker Ast. Aber zum Beispiel Südamerika-Wolle aus den Anden sähe aus wie feine Zweiglein. Und das macht schon den Unterschied. Menschen, die Wolle auf der Haut nicht vertragen, sollten es mit feinerer Wolle aus anderen Ländern probieren."

Patric Cramer, Bad Wurzach

Ist Wolle gesund?

Also nicht gleich aufgeben. Denn neben den vielen schon genannten positiven Aspekten gibt noch einen weiteren: Wolle hält nicht nur warm, sie gilt auch noch als heilsam und gesund. Petra Vollmer ist Heilpraktikerin und kann das bestätigen. Sie macht mit Gesundheit! Reporter Fero Andersen eine Salbe die auch Wollfett enthält. Warum gerade Wollfett?

"Heute für die Salbe brauchen wir pflanzliches Öl, Fichtenharz und Wollfett. Wollfett nehme ich gerne für Salben, weil es einfach die Haut geschmeidig macht. Es zieht gut ein, es ist dem Hautfett ähnlich, so dass wir in die unteren Schichten kommen. Es kann Wasser binden, das heißt, dass der körpereigene Wasserverlust ein bisschen reduziert wird. Das ist für trockene Haut, die zu Ekzemen neigt, sehr wichtig."

Petra Vollmer, Heilpraktikerin

Gesunde Wolle: Wollwickel und Salbe mit Wollfett

Das Fichtenharz hat eine wärmende Wirkung. Wollfett und Bienenwachs pflegen die Haut und sind antibakteriell. Alles muss für einige Minuten bei maximal 70 Grad ins Wasserbad. Während die beiden warten, zeigt Petra Vollmer Fero Andersen noch, wie man Wolle als warme Wickel verwendet. Dafür nimmt man sogenannte Heilwolle. Die enthält noch einen Teil Wollfett, der wärmt zusätzlich und pflegt die Haut. Um den Hals gelegt eignet sich der Wickel bei Halsschmerzen oder Nackenbeschwerden. Wo sonst kommen Wollwickel noch zum Einsatz?

"Bei Gelenkbeschwerden rheumatischer Art oder Blasenentzündungen oder Hexenschuss. Heilwolle ist auch bestens geeignet für Babypopos, wenn die anfangen, wund zu werden."

Petra Vollmer, Heilpraktikerin

Wann hilft ein Wollwickel mit Heilwolle?

Fero Andersen kann das bestätigen. Auch bei seinen Babys hat das mit der Heilwolle ganz hervorragend funktioniert. Im Handel bekommt man Wollfett übrigens auch unter dem Namen Lanolin. Inzwischen ist die Fichtenharzsalbe fertig. Sie bietet so einiges für die Gesundheit: Sie ist wundheilungsfördernd, wärmend und desinfizierend. Und sie sorgt auch noch für richtig schön geschmeidige Haut.

Wolle in der Weberei

Fero Andersen ist noch einmal mit Patric Cramer verabredet, ein paar Fragen zum Thema Wolle hat er noch. Wie wird die Wolle vor Ort verarbeitet? In der Schäfereigenossenschaft Finkhof wird das teilweise noch selbst gemacht.

Christine Kraft ist die Weberin der Genossenschaft. Gerade entsteht auf ihrem Webstuhl eine Decke und sie zeigt ihrem neuen "Lehrling“, wie man ein Garn spinnt. Obwohl er so ein Spinnrad schon einmal gesehen hat, benutzt hat es Fero Andersen noch nie. Worauf kommt es an?

"Im Prinzip muss man das, was die Hände machen und das, was die Füße machen, sinnvoll koordinieren."

Christine Kraft, Weberin, Bad Wurzach

Verarbeitung mit Tradition: Aus der Wolle wird ein Garn gesponnen.

Das ist schwerer, als es aussieht. Fero Andersen ist dran, Christine Kraft hilft ein wenig nach. Doch schnell reißt der Faden. Immerhin waren es 20 bis 30 Zentimeter und es hat Spaß gemacht. Wie wirkt sich Wolle in Wohnräumen eigentlich auf das Raumklima aus?

"Wolle kann Giftstoffe aus der Raumluft filtern. Zum Beispiel in einer Wohnung mit vielen Schichtholzmöbeln drinnen, die Formaldehyd ausdünsten, bindet die Wolle dieses Formaldehyd. Da gibt es das Institut für Wolle, die haben das auch nachgewiesen. Es ist tatsächlich messbar, dass das rausgefiltert wird."

Patric Cramer, Bad Wurzach

Gesundheit! Reporter Fero Andersen ist beeindruckt. Das Fazit: Wolle ist ein ganz besonderer, natürlicher Stoff und bietet einiges für die Gesundheit.


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