BR Fernsehen - Gesundheit!


5

Wohnmobil-Boom Entspannt und sicher verreisen in Corona-Zeiten

Mit knapp über 100.000 Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen im Jahr 2020 werden Campingreisen immer beliebter. Der Drang mit seinem eigenen Dach über dem Kopf zu verreisen, hat enorm zugenommen. Dazu hat massiv die Corona-Pandemie beigetragen: Abstand halten, unter sich sein und trotzdem mal rauskommen, das macht für viele den Reiz aus. Reporterin Veronika Keller will herausfinden, was die Menschen so am Verreisen mit dem Wohnmobil fasziniert und probiert es gleich mal selber aus.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 21.06.2021

Campen liegt seit Corona schwer im Trend. Man kann leicht Abstand halten und hat sein eigenes kleines Heim mit dabei. Was die Menschen so daran fasziniert – Reporterin Veronika Keller probiert es aus. Mit ihrem Test-Mobil geht es auf einen Campingplatz am Kochelsee in Oberbayern.

Verschiedene Modelle und Größen

Das beinahe sieben Meter lange Wohnmobil fährt sich zu Beginn etwas ungewohnt, doch es kommt gut bei Veronika an: "Ich fühle mich wie ein Brummifahrer. So weit oben zu sitzen, ist ganz angenehm, da hat man einen guten Überblick."

Thomas Biersack vom ADAC gibt Tipps, wie unsere Reporterin das Wohnmobil sicher ans Ziel bringen kann. Veronikas erste Frage ist aber ganz allgemein:

"Ich habe jetzt einfach irgendein Campingmobil genommen. Ich weiß ja nicht, ob das für mich das richtige ist, denn es gibt das ja in unterschiedlichen Größen."

Veronika Keller, Gesundheit!-Reporterin

"Diese Art von teilintegrierten Modellen eignet sich für Familien, da hat man schon eine Sanitäreinheit, genügend Schlafmöglichkeiten und etwas Platz."

Thomas Biersack, ADAC Camping-Experte, München

Sicherheit und Regeln

Lose herumliegende Rucksäcke und schwerere Dinge gehören in die dafür vorgesehenen Aufbewahrungsräume, damit sich unterwegs im Wohnmobil nichts bewegen kann. A propos Unterwegs-Sein: Ist Wildcampen in Deutschland eigentlich erlaubt?

"Wildcampen ist tatsächlich in vielen europäischen Ländern nicht erlaubt, zumindest in den meisten. Und da muss man aufpassen. Da kann man schon mal stehen bleiben, um sich auszuruhen, um die sogenannte Fahrtüchtigkeit herzustellen. Aber das sollte nicht über mehrere Tage laufen."

Thomas Biersack, ADAC Camping-Experte, München

Seit die Campingplätze wieder offen sind, ist die Nachfrage groß. Aber man muss vorreservieren. Am Campingplatz in Kochel gibt es 70 Stellmöglichkeiten. Camperinnen und Camper müssen einen negativen Corona-Test dabei haben und in den Sanitäranlagen herrscht Maskenpflicht.

Beim Rückwärts-Einparken bekommt Reporterin Veronika Hilfe von den Nachbarn. Hans ist ein erfahrener Camper. Auch Hans Frau Hedwig beäugt ihren ersten Rangierversuch. Hedwigs Schwester Hannelore kümmert sich ebenfalls um Veronika. Von den Dreien möchte sie einiges lernen. Seit zehn Jahren touren sie mit ihrem Camper durch ganz Europa.

Ob es für sie in Zeiten von Corona praktisch war, ein Wohnmobil zu haben? "Es ist praktisch. Und jetzt sind wir endlich froh, dass es wieder losgeht."

Camping ist Arbeit: Regelmäßige Aufgaben

Rund eine Million Menschen in Deutschland verreisen mit einem Camper. Doch so ein rollendes Heim bedeutet auch Arbeit. Frischwasser muss nachgefüllt werden und das Abwasser abgelassen.

Die Toilette funktioniert so, dass man die ganze Kassette herausziehen kann. In der Chemie-Toilette wird die Kassette dann entsorgt. Weitere Aufgaben sind Frischwasser-Holen und Geschirr-Spülen. Auf dem Stellplatz nebenan ist dafür Hans zuständig: "Wie man weiß, Männer ratschen ja gerne und diskutieren. Und das ist das Schöne, wenn man dann abends irgendwo beim Abspülen ist, dann gibt es diese Männergespräche."

50-60 Liter passen in Veronikas Wohnmobil. Doch das Frischwasser sollte nie ganz voll sein. Eben damit es frisch bleibt.

Mehr Freiheit – auch mit Haustieren

Unter den anderen Campern gibt es einige, die sich wegen Corona dazu entschlossen haben, ein Wohnmobil zu kaufen: "Wir haben schon darüber nachgedacht, ob wir eins kaufen oder nicht. Aber jetzt durch Corona und die Einschränkungen, die gekommen sind, haben wir gesagt: Jetzt machen wir es!"

Außerdem praktisch: Hunde können überall mit. Auch ein Argument für die Nachbarn: "Das ist super praktisch. Das geht in anderen Urlauben weniger gut. Im Hotel ist manchmal Restriktion. Beim Campen ist man da frei."

Wer kochen will, braucht Geschirr

Eine kleine Küche mit Gasherd hat Veronika in ihrem Wohnmobil, doch an Geschirr und Besteck hat sie bei der Anmietung nicht gedacht. Gut, dass es Nachbarn gibt. Hedi und Lore bringen gleich alle Zutaten und Geschirr mit. Es gibt einen bereits in Knoblauch eingelegten Lachs, der Gasherd funktioniert einwandfrei. "Der Camper lebt ja auch gesund. Und das Schöne ist, wenn wir länger auf Fahrt sind, dann haben wir alle abgenommen", erzählen die erfahrenen Camperinnen.

Zu viele Küchenutensilien sind aber nicht zu empfehlen: "Es ist alles Luxus und zu schwer. Man muss als Camper schauen, dass man das Gewicht möglichst herunter hält."

Veronikas Fazit:

"Ich hatte heute einen sehr erlebnisreichen Tag. Mein Eindruck ist, Campingurlaub ist ein richtig großes Abenteuer, man gewinnt viel Freiheit und schnell neue Freunde. Und selbst wenn das Wetter richtig Bescheiden ist, in so einem Wohnmobil ist es trotzdem noch ganz schön gemütlich."

Veronika Keller, Gesundheit!-Reporterin


5