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Wochenbettdepression Wenn Mütter verzweifeln

Endlich ist das Baby da, der glücklichste Moment im Leben einer Mutter. Doch was, wenn die Gefühle für das Neugeborene ausbleiben und die Mutter stattdessen Ablehnung und Angst empfindet? Das sind Kennzeichen einer Wochenbettdepression.

Von: Verena Hampl

Stand: 13.05.2018

Wochenbettdepression | Bild: Screenshot BR

Etwa jede zehnte Frau erkrankt nach der Geburt ihres Kindes an einer postpartalen Depression, auch Wochenbettdepression genannt. Oft wird die Krankheit als Babyblues abgetan.

Doch das ist gefährlich: die Frauen stecken in einer tiefen Krise, aus der sie oft ohne Hilfe nicht mehr herauskommen. Viele Mütter haben in dieser Zeit Ängste, Panikattacken und manchmal auch Suizidgedanken.

Risikogruppen

"Studien für die angloamerikanischen Länder zeigen, dass Suizid im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes die häufigste Todesursache bei Müttern ist. Das sollte uns sehr zu denken geben."

Dr. Susanne Simen, Leiterin Mutter-Kind-Tagesklinik, Klinikum Nürnberg Süd

Treffen kann es jeden. Aber es gibt Risikogruppen. Dazu gehören Frauen, bei denen während der Geburt Komplikationen auftreten, die in schwierigen Beziehungen stecken oder schon vor der Schwangerschaft psychische Probleme hatten.

Wochenbettdepression: zu selten erkannt

Videoanalyse mit einer Patientin in der Mutter-Kind-Klinik

Wer bald eine Diagnose bekommt und sich in Therapie begibt, wird meistens auch sehr schnell wieder gesund. Doch viele Frauen merken oft gar nicht, was mit ihnen los ist. Auch ihr Umfeld denkt vielleicht zuerst an den Babyblues. Doch der Unterschied zur Depression ist gewaltig, sagt Dr. Susanne Simen. Die Oberärztin leitet eine Mutter-Kind-Tagesklinik im Klinikum Nürnberg Süd und hilft Frauen mit Wochenbettdepression dabei, gesund zu werden.

"Der Babyblues hält in der Regel nie länger als zwei Wochen an. Das hängt mit den Sexualhormonen zusammen, die nach der Schwangerschaft rapide abstürzen. Manche Frauen reagieren auf diesen hormonellen Wechsel mit einer hohen Emotionalität, sind sensibler."

  Dr. Susanne Simen, Leiterin Mutter-Kind-Tagesklinik, Klinikum Nürnberg Süd

Vom Babyblues zur Depression

Manchmal kann ein Babyblues in eine Depression übergehen. Dann bleibt der Zustand auch Wochen nach der Geburt noch weiterbestehen. Wichtigstes Kennzeichen: Energiemangel. Betroffene Frauen sind antriebslos, es fällt ihnen schwerer, Gefühle zu zeigen. Darunter leiden häufig vor allem der Partner, ein älteres Kind und manchmal auch das Neugeborene. Die Folge: Frauen mit Wochenbettdepression entwickeln Schuldgefühle, halten sich selbst für eine schlechte Mutter.

"Wenn wir es schaffen, eine Wochenbettdepression frühzeitig zu behandeln, können wir großes Unglück verhindern und Familien einen gesunden Start ermöglichen. Wenn die Depression einmal chronifiziert, leidet die gesamte Familie. Besonders die Kinder. Wir wissen, dass diese ein erhöhtes Risiko haben, selber psychisch krank zu werden."

Dr. Susanne Simen, Leiterin Mutter-Kind-Tagesklinik, Klinikum Nürnberg Süd

Prävention: Check beim Frauenarzt wird bisher nicht bezahlt

Dr. Susanne Simen wünscht sich zur Prävention einen verbindlichen Check beim Frauenarzt. Vor und nach der Geburt könnte mit Hilfe eines speziellen Fragebogens eine Wochenbettdepression diagnostiziert werden.

Bisher sind die Krankenkassen aber nicht bereit, einen solchen Check zu bezahlen. Außerdem gibt es in Bayern nur wenige Anlaufstellen für betroffene Frauen.


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