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Mineralwasser oder Leitungswasser? Welches Wasser brauchen wir?

Es ist vielleicht das wichtigste Lebensmittel, das wir haben: Wasser. Für den Stoffwechsel und die Körpertemperatur ist Flüssigkeit unverzichtbar. Mindestens 1,5 Liter sollten wir täglich zu uns nehmen, bei Hitze und beim Sport deutlich mehr. Um den Bedarf zu decken, schleppen die einen Kästen und Flaschen, während andere lieber zu Hause am Hahn zapfen. Welche Lösung ist die bessere?

Von: Veronika Keller

Stand: 15.07.2019

Sandra Dorfner ist Mutter von vier Kindern und setzt schon aus praktischen Gründen meist auf Leitungswasser.

"Für so einen großen Haushalt das ganze Wasser zu schleppen wäre mir viel zu anstrengend. Deswegen trinken wir Leitungswasser. Es ist praktisch, und es ist immer da."

Sandra Dorfner

Qualität des Wassers

Wenn die Dorfners aus der Leitung trinken, vertrauen sie darauf, dass die Qualität des Wassers stimmt und dass es regelmäßig überprüft wird. Sandra Dorfner ist es wichtig, was ihre Kinder trinken.

"Da denkt man natürlich drüber nach, ob das gesund ist und ob da alles drin ist, was sie brauchen. Und vor allem, dass nichts drin ist, was sie auf gar keinen Fall brauchen."

Sandra Dorfner

Ab und zu bringt Sandra vom Einkaufen aber doch ein paar Flaschen Mineralwasser mit. Einerseits mag die Familie gerne Saftschorle mit Sprudel, andererseits hofft sie auf wertvolle Inhaltsstoffe wie Kalzium und Magnesium.

"Die Kinder sind viel am Rennen, ich mache viel Sport, und da braucht man doch auch Mineralstoffe. Deshalb gibt es das eine oder andere Mal auch Mineralwasser."

Sandra Dorfner

Mineralstoffe kommen über die Ernährung in den Körper

Braucht es das? Ernährungsexpertin Daniela Krehl ist gegenüber Mineralwasser eher skeptisch. Nötig hat unser Körper das abgefüllte Wasser eigentlich nicht, denn die meisten Mineralstoffe nehmen wir sowieso über die Ernährung auf. Außerdem erfüllen viele Mineralwasser nicht die Erwartungen der Kunden an die enthaltenen Stoffe.

"Häufig ist es sogar so, dass die Mineralwasser deutlich weniger Mineralstoffe aufweisen als das Leitungswasser. Deswegen ist das sicherlich kein Argument, Flaschen zu kaufen und Mineralwasser zu trinken."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Abgepacktes Wasser: Großer CO2-Abdruck

Auch aus ökologischer Sicht rät sie ab. Abfüllung, Verpackung und Transport ergeben einen großen CO2-Abdruck, den man mit Leitungswasser leicht vermeiden kann.

"Wenn ich darauf bestehe, trotzdem ein Mineralwasser zu Hause zu haben, dann würde ich auf jeden Fall schauen, dass ich ein regionales Wasser nehme und auch Mehrweg bevorzuge, weil das einfach sinnvoller ist für die Ökologie."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Keime in jedem zweiten Mineralwasser

Eine aktuelle Testreihe hat außerdem gezeigt, dass Mineralwasser nicht unbedingt reiner ist – im Gegenteil. Stiftung Warentest fand in jedem zweiten Mineralwasser Keime, kritische Stoffe oder Verunreinigungen. Dass Keime im Wasser enthalten sind, ist nicht ungewöhnlich, weiß Mikrobiologe Dr. Friedemann Gebhardt von der TU München. Solange ihre Anzahl eine festgelegte Obergrenze nicht überschreitet, sind bestimmte Keime kein Problem.

"Beim Trinkwasser werden sogenannte Indikatorkeime untersucht. Das sind Bakterien, die auf eine fäkale Verunreinigung hinweisen. Man weist nicht den Krankheitserreger selbst nach, sondern entsprechende Darmbakterien, beispielsweise E.coli oder Enterokokken, die auf eine mögliche Verunreinigung mit Fäkalien hinweisen."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Facharzt für Mikrobiologie, TU München

Leitungswasser in Deutschland unbedenklich

Wenn Testergebnisse auf eine Verunreinigung im Leitungswasser hindeuten, wird nach ihrer Ursache geforscht und gegebenenfalls das Leitungswasser behandelt. Aktuelle Tests zeigen aber, dass Leitungswasser in Deutschland unbedenklich ist, selbst an Orten, die durch Nitrat, Pestizide oder Medikamente gefährdet sind.

"Schlimmstenfalls können über Erreger, die im Trinkwasser vorhanden sind, Durchfallerkrankungen verursacht werden. Das ist allerdings ein sehr seltenes Ereignis. Gelegentlich kann es vorkommen, dass über Pseudomonaden, die im Trinkwasser sind, über die Kontaktlinsen Hornhautentzündungen verursacht werden können. Aber durch das reine Trinken besteht normalerweise keine Gefährdung."

Dr. med. Friedemann Gebhardt, Facharzt für Mikrobiologie, TU München

Übrigens ist spritziges Wasser weniger anfällig für Keimbildung als stilles, da die Kohlensäure eine bakterienfeindliche Umgebung schafft. Ein Tipp für Leitungswassertrinker: Um Keimbildung zu vermeiden, sollte man es nicht lange stehen lassen, sondern bald nach dem Abfüllen austrinken.


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