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Vegane Ernährung - Teil 3 Studie: Vegan essen - fit im Sport?

13 Volleyballer des ASV Dachau, die in der 1. Herrenmannschaft der 3. Bundesliga spielen, wagen ein ungewöhnliches Experiment: Für eine wissenschaftliche Studie ernähren sie sich drei Monate vegan. Das heißt, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig verschwinden vom Speiseplan. Ist das für Leistungssportler sinnvoll? Wie sieht es mit der Nährstoffversorgung aus? Kann man tatsächlich durch vegane Ernährung die Fitness steigern? Gesundheit! begleitet die Mannschaft in den nächsten Wochen.

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 16.04.2018

Vegane Ernährung | Bild: Screenshot BR

In den letzten neun Wochen haben die Spieler gelernt, welche Lebensmittel für sie wichtig sind, damit sie alle Nährstoffe bekommen, die sie als Leistungssportler brauchen. Und sie haben auch eine gewisse Routine im Essverhalten entwickelt, haben sich ausgetauscht über Rezepte und darüber, welche veganen Lebensmittel besonders gut schmecken.

Veganes Essen: Spieler kochen selber

Denn nicht alle Spieler werden von ihren Müttern versorgt. Sebastian Hartmann kocht beispielsweise weitestgehend selbst. In seiner fünfköpfigen Familie essen er und sein Bruder Maxi, der ebenfalls beim ASV Volleyball spielt, vegan, während Vater, Mutter und Schwester sich normal ernähren. Auch wenn Anja Hartmann für ihre Söhne vegane Produkte einkauft und gelegentlich für sie kocht, müssen ihre Söhne sich selbst darum kümmern, dass sie jeden Tag mit pflanzlichen Lebensmitteln versorgt sind. Wie beurteilt die Mutter von drei Kindern die vegane Ernährung ihrer Söhne?

"Ich persönlich finde eine reine vegane Ernährung nicht so gut. Aber im Hinblick darauf, dass sich die Jungs mit Ernährung beschäftigen, finde ich es super, weil das in dem Alter normalerweise kein Jugendlicher macht. Ich finde es gut, dass sie sich damit beschäftigen, was sie essen, was in den Sachen drin ist, was gesund ist. Ich denke, das bringt ihnen persönlich viel."

Anja Hartmann, Mutter

Die Volleyballer, die sich momentan selbst bekochen müssen, haben bemerkt, dass die vegane Ernährung ihre Tücken hat:

"“Froh bin ich schon, wenn es vorbei ist. Wenn man nicht viel Zeit zum Kochen hat, wird es manchmal schon recht eintönig, weil man immer nur das Gleiche essen kann. Da muss man sich richtig damit beschäftigen, um eine Vielfalt ins Essen zu bekommen."

Sebastian Hartmann, Volleyballspieler beim ASV Dachau

Spezielles Brot für Veganer

Sebastian, der im Familienbetrieb das Backhandwerk erlernt, sorgt auch dafür, dass nicht nur er, sondern auch seine Freunde aus der Volleyballmannschaft mit ausreichenden Nährstoffen, mit Mineralien und Proteinen versorgt werden. Einmal wöchentlich backt er ein spezielles Brot, das unter anderem Roggenmehl und Weizenvollkornmehl enthält.

Solche Zutaten entsprechen den Ernährungsempfehlungen des Leiters der Vegan-Studie.

"Es geht ja nicht nur darum, Fleisch, Wurst, Eier und Milchprodukte wegzulassen. Sondern wir wollen ja eine Veränderung hin zu mehr gesundheitsfördernden Lebensmitteln – Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse – die eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. So haben zum Beispiel Vollkornprodukte im Vergleich zu Weißmehlprodukten deutlich mehr Vitamine und Mineralstoffe, auf die gleiche Menge bezogen."

Dr. oec. troph. Markus Keller, Ernährungswissenschaftler und Studienleiter, Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente

Außerdem fügt Sebastian dem Brot Sonnenblumenkerne hinzu. Die sorgen nicht nur für einen knackigen Biss und einen nussigen Geschmack – Sonnenblumenkerne liefern auch viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die für eine vegane Ernährung wichtig sind.

Dazu zählen:

Vitamin A, E, D, K,
zahlreiche B-Vitamine
Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink und Mangan
Folsäure.

Folsäure: Sportler wiesen Mangel auf

Eine gute Versorgung mit Folsäure, die auch in vielen Gemüse- und Obstsorten steckt, ist für die meisten Volleyballer der Dachauer ASV-Mannschaft deshalb so wichtig, weil einige vor Beginn der Studie einen Mangel aufwiesen.

"Wir untersuchen im Blut der Spieler Vitalwerte, bestimmte Vitamine und Mineralien, von denen wir wissen, dass Sportler einen höheren Bedarf haben. Dazu zählen unter anderem Magnesium, Zink aber auch Folsäure. Bei der Folsäure sehen wir bei einigen Teilnehmern sehr niedrige Werte, teilweise sogar unter dem Normwert. Da würden wir erwarten, dass sich die Werte durch eine pflanzliche Ernährung mit viel Gemüse, Samen und Nüssen verbessern."

Dr. oec. troph. Markus Keller, Ernährungswissenschaftler und Studienleiter, Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln

Zum Ende der Studie werden die Vitalwerte noch einmal gemessen. Dann wird sich zeigen, ob die Spieler ausreichend Gemüse zu sich genommen haben.

Die Studie

Mehr Informationen und Hintergründe zur Mannschaft, der Studie und dem Verlauf:


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