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Trumps Medikamenten-Cocktail Welche Medikamente helfen gegen Covid-19?

Aktuell steigen die Infektionszahlen in Deutschland wieder sprunghaft an und erreichen Höchststände, die Deutschland seit April nicht mehr gesehen hat. Gleichzeitig ist die Lage in vielen Nachbarländern noch deutlich dramatischer. Sind wir diesmal besser auf den Ernstfall vorbereitet? Und gibt es mittlerweile wirksame Medikamente? Der US-Präsident spricht schon von Wundermitteln – aber auch ernstzunehmende Experten sind diesmal zuversichtlicher.

Von: Florian Heinhold

Stand: 13.10.2020

Remdesivir – das einzig zugelassene Mittel gegen das Coronavirus

Dieses Wochenende auf der Corona-Station der Münchener LMU-Uniklinik: "Gesundheit!" begleitet Oberarzt Dr. Benedikt Aulinger bei der Arbeit. Noch sind hier viele Betten frei. Aber die Ärzte sind vorbereitet, dass die Situation auch wieder brisanter werden könnte.

"Mit steigenden Infektionszahlen werden auch die Zahlen hier im Krankenhaus steigen. Und wir sind seit der ersten Welle in einer ständigen Alarmbereitschaft, um wieder loslegen zu können und mehr Patienten aufnehmen zu können."

Dr. med. Benedikt Aulinger, Intensivmediziner, Klinikum der Universität München (LMU)

In der Nacht ist ein neuer Patient mit Covid-19 in die Klinik verlegt worden. Der Familienvater benötigt Sauerstoff, seine Lunge ist betroffen. Die Ärzte behandeln ihn unter anderem mit Remdesivir, einem antiviralen Medikament, das intravenös verabreicht wird. "Das ist ein Medikament, das auf die Virusausbreitung wirkt und damit verhindern soll, dass der Virus sich ungebremst im Körper vermehrt", sagt Intensivmediziner Dr. Aulinger.

Auch Donald Trump hat Remdesivir als Bestandteil seines Wirkstoffcocktails bekommen. Im Moment ist es das einzige Medikament, das die nötigen klinischen Studien durchlaufen hat und gegen Covid zugelassen ist.

"Der Kenntnisstand hat sich dramatisch verändert. Es ist schön, dass wir jetzt endlich wissen, dass die Therapien, die wir einsetzen den Patienten auch wirklich helfen. In der Anfangszeit wurde ja sehr viel einfach ausprobiert, ohne dass man wusste, ob die Patienten davon überhaupt profitieren."

Dr. med. Benedikt Aulinger, Intensivmediziner, Klinikum der Universität München (LMU)

Experimentelle Therapieverfahren – Antikörper gegen das Virus

Der US-Präsident hat neben Remdesivir von seinen Ärzten auch experimentelle Medikamente bekommen, die noch nicht auf dem Markt sind. Im Medikamenten-Cocktail des Präsidenten sticht vor allem das Präparat Regeneron, das aus zwei monoklonalen Antikörpern besteht, hervor. Dr. Wolfgang Gesierich von den Asklepios Fachkliniken in München-Gauting hat in den vergangenen Monaten viel Erfahrung mit schweren Covid-Verläufen gemacht. Außerhalb von klinischen Studien würde er seinen Patienten kein derart unerprobtes Mittel geben, das noch über keine Zulassung der Aufsichtsbehörden verfügt.

"Ich rate da zur Vorsicht. Man muss wissen, dass all diese Mittel auch Nebenwirkungen haben. Man kann schon vermuten, dass wegen des besonderen Charakters dieses Patienten Dinge gemacht wurden, die wir in der Breite nicht machen können und werden."

Dr. med. Wolfgang Gesierich, Pneumologe, Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Der Antikörpermix, den der Präsident bekommen hat, wurde künstlich im Labor hergestellt. In Bayern laufen dagegen aktuell Studien, bei denen Antikörper aus dem Blut von genesenen Covid-Patienten entnommen, aufbereitet und dann an Erkrankte verabreicht werden. Beide Verfahren müssen sich erst noch als sicher und effektiv erweisen.

Medizinnobelpreis: Erfolge bei der Bekämpfung des Hepatitis C-Virus

Letzte Woche bei der Verkündung des Medizinnobelpreises, der in diesem Jahr an die Entdecker des Hepatitis C-Virus ging, wurde der Weltöffentlichkeit in Erinnerung gerufen, dass es möglich ist, heimtückische Viren erfolgreich zu bekämpfen. Vor wenigen Jahren noch war Hepatitis C eine unheilbare Krankheit, die oft zum Leberversagen führte. Mittlerweile gibt es Medikamente, die die überwiegende Mehrzahl der Patienten heilen.

"Natürlich macht das Hoffnung, dass es so große Errungenschaften im Bereich der antiviralen Therapien gibt."

PD Dr. med. Christoph Spinner, Infektiologe, Klinikum rechts der Isar München

Steroide – Mittel der Wahl in der inflammatorischen Phase einer Covid-Erkrankung

Auf der Intensivstation des Klinikums rechts der Isar begleiten wir Dr. Christoph Spinner zu Covid-19 Patienten, die einen besonders schweren Verlauf haben. Einige bekommen neben Remdesivir auch das Steroid Dexamethason. Steroide bekämpfen nicht das Virus. Im Gegenteil: Sie hemmen unser Immunsystem. Bei den meisten schweren Verläufen ist eine Immun-Überreaktion das Hauptproblem. Unser Körper greift im Kampf gegen das Virus auch eigene Organe an und sorgt für heftige Entzündungsreaktionen. "Die Kombination aus antiviraler Therapie und Steroiden bringt zumindest theoretisch die größten Erfolgsaussichten", bestätigt Infektiologe Dr. Spinner.

Mittlerweile scheint der Präsident über den Berg zu sein – und ist schon wieder dabei, die Gefahr durch Covid-19 herunterzuspielen. Experten weltweit warnen hingegen eindringlich davor, die Gefahr einer kommenden Corona-Welle zu unterschätzen. Aber es herrscht auch Zuversicht, dass wir in Sachen Therapie heute ein ganzes Stück weiter sind.


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