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Amalgam, Komposite, Gold, Keramik Zahnfüllungen im Check

Wenn Zähne von Karies befallen sind, müssen Patienten entscheiden: Welche Zahnfüllung soll es sein? Sie unterscheiden sich im Preis, in der Haltbarkeit, Optik und der Verträglichkeit. Gesundheit! macht den Check.

Von: Monika Hippold

Stand: 02.11.2020

Bei Karies gilt: Je später der befallene Zahn behandelt wird, umso größer wird das Loch. Also: Karies am besten so früh wie möglich behandeln. Doch welche Zahnfüllung ist die richtige für welchen Patienten? Das Angebot beim Zahnarzt ist groß, die gängigsten Füllungsmaterialien sind Amalgam, Keramik, Gold und Komposite. Alle Materialien haben Vor- und Nachteile, sagt Prof. Wolfgang Buchalla von der Uniklinik Regensburg.

"Es gibt nicht das beste Füllungsmaterial. In der Regel ist der Vorteil eines Materials der Nachteil des anderen Materials. Es kommt genau auf den Einsatzzweck an, um das ideale Füllungsmaterial für einen Patienten zu finden."

Prof. Dr. med. dent. Wolfgang Buchalla, Direktor Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Regensburg

Zahnfüllungen: Die Optik

Komposite bestehen aus Kunststoff und festen Partikeln aus Keramik, Quarz-, und Glas. Das Gemisch eignet sich für große und kleine Füllungen im Front- genauso wie im Seitenzahnbereich. Komposite sind, wie auch Keramik-Inlays, hell und können individuell an die Farbe der Zähne angepasst werden, sagt Zahnarzt Dr. Eberhard Riedel.

"Der Vorteil ist, dass man diese Füllungen kaum sieht. Wenn man sie gut legt, dann sind sie sehr passend zum Rest des Gebisses. Deswegen sind Komposite sehr beliebt bei den Patienten. Außerdem sind sie recht gut belastbar. Das Schöne bei Kompositfüllungen ist auch, wenn mal etwas abbricht oder wenn Karies am Rand entsteht, kann man minimalinvasiv ergänzen. Man muss nicht die ganze Füllung wieder ausbohren. Man kann ansetzen."

Dr. med. dent. Eberhard Riedel, Zahnarzt, München

Inlays aus Keramik werden nur bei größeren Löchern eingesetzt: Zahntechniker fertigen die Einlagefüllungen - nach Abdrücken des Zahnarztes - im Labor an, bevor der Zahnarzt sie dann in den Zahn des Patienten setzt. Amalgam und Gold fallen im Mund auf, sie setzen sich im Gegensatz zu Keramik und Kompositen deutlich von der Farbe der Zähne ab.

Zahnfüllungen: Die Verträglichkeit

Doch sind alle Füll-Materialien gesundheitlich unbedenklich? Zu Amalgam gab es früher viele negative Schlagzeilen. Denn das Gemisch aus mehreren Metallen enthält auch Quecksilber. Heute weiß man aber: Der Quecksilber-Anteil im Amalgam ist an sich keine Gefahr für die Patienten.

Amalgam im Zahn erleidet im Mund zwar einen gewissen Abrieb, wobei auch Quecksilber verschluckt wird. Allerdings in so geringen Mengen, dass es nicht gesundheitsschädlich für den Menschen ist. Und: Der Abrieb wird im Körper nicht verstoffwechselt, sondern ausgeschieden.

"Amalgamfüllungen, die gut sind, die nicht frakturiert sind, wo es keine Randkaries gibt, sollte man auf jeden Fall drin lassen. Wenn man sie rausbohrt, wird mehr Quecksilber freigesetzt, als wenn man sie drin lässt. Man kann heute mit feinen Methoden, mit denen man einzelne Atome im Gewebe nachweisen kann, auch Quecksilber im Gewebe nachweisen. Wenn jemand sehr viele Amalgamfüllungen hat, dann ist da natürlich etwas mehr Quecksilber vorhanden, als wenn man gar keine Amalgamfüllungen hat. Aber das bewegt sich alles in einem unkritischen Bereich."

Prof. Dr. med. dent. Wolfgang Buchalla, Direktor Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Regensburg

Gefährlich ist Quecksilber aber für die Umwelt. Weltweit soll die Verwendung von Quecksilber daher eingeschränkt werden. Für Kinder unter 15 Jahren und Schwangere ist Amalgam als Füllungsmaterial in der EU verboten.
Dr. Eberhard Riedel bietet in seiner Praxis keine Amlagam-Füllungen mehr an. Der Grund: Er will sein Personal schützen.

"Problematisch sind allein die Quecksilberdämpfe, die sind giftig. Die werden bei der Verarbeitung frei. Das betrifft ganz besonders Zahnärzte und das Personal."

Dr. med. dent. Eberhard Riedel, Zahnarzt, München

Allergien gegen Zahnfüllungen

Bei Zahnfüllungen können Allergien auftreten. Und zwar gegen die Materialen oder gegen das Adhäsiv, also den Klebstoff, mit dem die Füllungen am Zahn angebracht werden. Dr. Pauline Mittermüller betreut in ihrer Spezialsprechstunde der Uniklinik Regensburg Patienten mit Verdacht auf Unverträglichkeiten. Sie weiß: Die Betroffenen klagen über unterschiedliche Beschwerden.

"Sie klagen zum einen über lokale Beschwerden in der Mundhöhle, wie zum Beispiel Mundbrennen, Mundtrockenheit, Zahnfleischentzündungen, Geschmacksstörungen. Aber auch über allgemeine körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Abgeschlagenheit. Patienten können allergisch sein auf Metalle wie Gold, Palladium, Kobalt, Amalgam. Aber auch auf Katalysatoren und Acrylate aus Kompositfüllungen oder aus Prothesen-Kunststoffen."

Dr. med. dent. Pauline Mittermüller, Oberärztin, Spezialsprechstunde für Unverträglichkeiten von Dentalmaterialien, Universitätsklinikum Regensburg

Solche Kontaktallergien sind allerdings selten. Dr. Pauline Mittermüller hat die Daten dazu für den Raum Ostbayern erhoben: In 16 Jahren sind 500 Patienten mit Verdacht auf eine Allergie zu ihr gekommen, aber nur bei 15 Prozent davon lag tatsächlich eine Allergie als mögliche Ursache der Beschwerden vor. Die Beschwerden der übrigen Patienten hatten andere Ursachen, wie zum Beispiel Vorerkrankungen der Patienten oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Um abzuklären, ob ein Patient an einer Allergie leidet, machen Hautärzte den sogenannten Epikutantest: Sie kleben verschiedene Testsubstanzen mit einem Pflaster auf der Rückenhaut auf. Nach einigen Tagen sehen sie dann, ob der Patient auf eine der Substanzen allergisch reagiert hat. Für die meisten Menschen sind Zahnfüllungen gut verträglich.

Zahnfüllungen: Die Haltbarkeit

Doch wie lange halten die Füllungen? Komposit- und Amalgam-Füllungen halten in etwa gleich lang - und zwar laut Statistik im Schnitt acht Jahre. Keramik und Gold sind mit rund zehn und fünfzehn Jahren langlebiger. Bei guter Pflege können die Füllungen aber auch viel länger im Mund bleiben. Wie lange die Füllungen beim einzelnen Patienten tatsächlich halten, kann also jeder beeinflussen.

"Genau wie die eigenen Zähne halten Füllungen dann lange, wenn sie gut gepflegt werden. Wichtig und füllungserhaltend ist eine gute Mundhygiene, eine gute Zahnzwischenraum-Pflege und die regelmäßige Prophylaxe beim Zahnarzt."

Dr. med. dent. Eberhard Riedel, Zahnarzt, München

Zahnfüllungen: Der Preis

Welche Kosten kommen auf die Patienten bei den unterschiedlichen Zahnfüllungen zu? Bei Amalgam und Komposit-Füllungen im Frontzahnbereich übernehmen die Krankenkassen die Kosten vollständig. Geschichtete Komposit-Füllungen im Seitenzahnbereich sind für den Zahnarzt hingegen zeitaufwändig, er trägt das Material in mehreren Schichten auf. Je nach Größe der Füllung zahlen die Patienten hier 20 bis 100 Euro dazu.

"Wenn man eine ganz kleine Kavität hat, reicht eine Schicht. Denn Komposite schrumpfen beim Aushärten - und kleine Volumina schrumpfen nur wenig. Aber wenn man eine größere Füllung legt, muss man zwei oder drei Schichten oder noch mehr Schichten legen. Damit der Schrumpf jeweils möglichst gering ist und damit geringste Randspalten, eine gute Randsituation entsteht."

Dr. med. dent. Eberhard Riedel, Zahnarzt, München

Keramik- und Gold-Inlays aus dem Labor sind für die Patienten deutlich teurer. Der Preis für Füllungen aus Gold richtet sich zusätzlich nach dem aktuellen Gold-Preis.    

Zahnzusatzversicherung

Damit die Zuzahlung am Ende nicht ganz so hoch ausfällt, kann sich eine Zahnzusatzversicherung lohnen. Worauf Patienten bei deren Abschluss achten sollten, erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale München.

"Die Zahnzusatzversicherung sollte auf jeden Fall beinhalten, dass sie mindestens 80 Prozent der tatsächlich anfallenden Kosten ohne Kassenzuschuss übernimmt. Dass sie auch die zahnärztlichen Honorare mit dem Steigerungsfaktor 3,5 zahlt. Und dass möglichst viele Implantate mitversichert sind – und zwar mindestens acht, besser zwölf."

Sascha Straub, Leiter Referat Finanzdienstleistungen, Verbraucherzentrale Bayern

Für welche Füllung sich Patienten entscheiden, hängt also von den jeweiligen Ansprüchen ab. Richtig versichert und gut informiert, muss aber niemand den nächsten Termin beim Zahnarzt fürchten.


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