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Skiunfälle, Hautkrebs, Herzinfarkt Docs auf Schicht: Eine Reise durch Bayern

Alltag in Bayerns Kliniken: Was leisten Ärzte und Ärztinnen, Schwestern und Pfleger und das übrige medizinische Personal jeden Tag? Gesundheit! geht regelmäßig mit den Docs auf Schicht und zeigt den ganz normalen Wahnsinn eines Arbeitstages. Spannende Geschichten, OPs und Menschen begegnen Gesundheit! auch bei dieser Reise zu drei Kliniken im Freistaat: Von Skiunfällen in der Unfallchirurgie in Garmisch-Partenkirchen, Hautkrebs und seltenen Allergien in der Dermatologie im Klinikum Nürnberg, bis hin zu lebensrettenden OPs und Herzkatheterbehanldungen im Herzzentrum der Uniklinik Regensburg.

Von: Florian Heinhold

Stand: 23.12.2019

Skiunfälle: Die Unfallchirurgie in Garmisch-Partenkirchen ist eine zentrale Anlaufstelle.

Die erste Station dieser Reise durch Bayerns Kliniken ist die Notaufnahme und Unfallchirurgie in Garmisch-Partenkirchen. Um 7:00 Uhr Früh beginnt die Morgenvisite für das Ärzteteam um Dr. Andreas Tannheimer und Dr. Christian von Rüden.

Skiunfälle und Knochenbrüche: Die Unfallchirurgie in Garmisch-Partenkirchen

Skiunfall: Nach der Erstversorgung in der Notaufnahme liegt dieser Patient jetzt auf Station und wartet auf seine Operation.

Vor allem jetzt in der Skisaison häufen sich die Verletzungen. Direkt von der Piste werden die Unfallpatienten per Rettungshubschrauber in die Notaufnahme der Klinik geflogen. In der Nacht kam auch Mathias aus Dänemark auf die Station. Er hat eine klaffenden Wunde am Knie, die er sich bei einem Pistenunfall durch die Skikante zugezogen hat.

"Man sieht eine große Weichteilverletzung, was bei den Skikantenunfällen gar nicht so selten ist, da diese Kanten heute sehr scharf geschliffen werden."

Dr. med. Andreas Tannheimer, Unfallchirurg, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

OP nach Skiunfall: Mit der Skikante hat sich ein junger Patient ernste Verletzungen zugezogen.

Die Wunde wurde zunächst provisorisch geschlossen. Jetzt am nächsten Morgen öffnen die Ärzte im OP sie wieder und überprüfen, wie schwer die Verletzung durch die Skikante ist. Die entscheidende Frage: Wie sieht die Patellarsehne unterhalb der Kniescheibe aus? Dr. von Rüden erkennt schnell, dass sie komplett gerissen ist: der worst case, der schlimmste Fall. Die Ärzte müssen zunächst die gerissene Sehne wieder zusammennähen. Dann wird gebohrt. Durch Löcher in Oberschenkel und Schienbein wird eine Eisenschlaufe gelegt, die das Areal stabilisiert, so dass die Sehne ohne Krafteinwirkung heilen kann.

"Ich bin sehr zufrieden. Die Chance ist gut, dass das gut verheilt und sich auch nicht entzündet."

PD Dr. med. Christian von Rüden, Unfallchirurg, Oberarzt, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Nach der medizinischen Versorgung helfen Physiotherapeuten den Patienten wieder auf die Beine.

Eine Physiotherapeutin hilft den Patientinnen und Patienten auf Station, wieder auf die Beine zu kommen.

Hautkrebs, Allergien und seltene Autoimmunerkrankungen: Dermatologie am Klinikum Nürnberg  

Hautkrebs: In der Dermatologie des Klinikums Nürnberg werden neben schwarzem und hellem Hautkrebs viele andere Erkrankungen behandlet.

Die nächste Station der Resie von Gesundheit! ist die Dermatologie des Klinikums Nürnberg Nord. Professor Erwin Schultz und sein Team haben jeden Tag mit Hautkrebspatienten zu tun, in allen Ausprägungen und Stadien.

Heller Hautkrebs: Versorgung einer Wunde am Ohr mit einem Hauttransplantat.

Auf der Morgenvisite erzählt ein Patient mit weißem Hautkrebs, der zwar weniger gefährlich aber dennoch unangenehm ist, von seiner Erkrankung. Er war in seiner Jugend ein begeisterter Sportler und Tourengeher.

"Meine Haut ist offensichtlich beleidigt. Sie ist nachtragend, für das was sie vor Jahren hat aushalten müssen."

Patient der Dermatologie

Heller Hautkrebs: Die Versorgung der Wunden mit Transplantaten erfordert Maßarbeit.

An der Stelle am Ohr des Patienten, wo zuvor der Tumor entfernt wurde, muss Professor Schultz jetzt eine Hauttransplantation durchführen, damit die Wunde schnell wieder gut verheilen kann. Die OP findet unter Lokalanästhesie statt, der Patient ist immer ansprechbar. Prof. Schultz präpariert zunächst das Ohr und zeichnet dann eine Stelle am Arm ein, wo die Haut entnommen werden soll. Das entfernte Hautstück wird im Anschluss millimeter- und passgenau am Ohr festgenäht, wie bei einem Haute-Couture-Schneider, scherzt der Chefarzt.

Für viele Patienten ein Schock: Diagnose schwarzer Hautkrebs. Wird er rechtzeitig erkannt, ist er gut behandelbar.

Doch der größere Eingriff des Tages steht noch bevor. Eine junge Mutter war mit einem unregelmäßigen Muttermal zur Vorsorgeuntersuchung gegangen. Die Diagnose schwarzer Hautkrebs hat sie völlig unvorbereitet getroffen. Jetzt wird die OP durchgeführt, die für das weitere Leben der Patientin entscheidend ist: Nach dem Tumor wird auch der sogenannte Wächterlymphknoten entfernt. An ihm zeigt sich, wie fortgeschritten die Krebserkrankung ist.

"Wenn der Tumor gestreut haben sollte, dann finden sich in diesem Wächterlymphknoten normalerweise Tumorzellen. Ob der Lymphknoten befallen ist oder nicht, hat eine erhebliche Bedeutung für die Prognose, also für die Lebenserwartung."

Prof. Dr. med. Erwin Schultz, Dermatologe, Klinikum Nürnberg

 Dr. Andreas Haußler wird den Eingriff durchführen.

"Wenn jetzt eine Lymphknoten Metastase da wäre, müsste die Patientin eine weitere Lymphknotendissektion bekommen, das heißt, dass das ganze Gebiet ausgeräumt wird."

Dr. med. Andreas Haußler, Dermatologe, Klinikum Nürnberg Nord

Schwarzer Hautkrebs: Die betroffene Stelle und der Wächter-Lymphknoten müssen entfernt werden.

Das Melanom, wie der schwarze Hautkrebs auch heißt, war am Oberschenkel. Zunächst schneiden die Ärzte die umliegende Haut großflächig weg und damit alle Tumorzellen. Den Wächter-Lymphknoten zu finden ist schwierig. Vor der OP wurde er mit einer schwach-radioaktiven Substanz gekennzeichnet. Dr. Haußler sucht die genaue Stelle mit einer Art Geigerzähler. In Präzisionsarbeit entfernt das Team den Lymphknoten. Der muss im Labor auf Tumorzellen untersucht werden. Am Tag der OP steht das Ergebnis noch aus – doch einige Wochen später kommt die gute Nachricht: Der Tumor hatte noch nicht gestreut!

Bhandlung auf Wespenstich-Allergie: Geduld ist gefragt.

Neben den beiden Hautkrebs-Operationen begleitet Gesundheit! außerdem das Team in der allergologischen Ambulanz, das heute einer Patientin mit Wespenstich-Allergie hilft und trifft eine Patientin, die an einer seltenen Antoimmunerkrankung leidet.

Universitätsklinikum Regensburg: Vom Kathetereingriff bis zur Herzklappen-OP

Herz-Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen.

Auf der letzten Station der Reise durch die Kliniken des Freistaats dreht sich alles ums Herz. Bei den Kardiologen des Universitätsklinikums Regensburg im Team um Prof. Lars Maier beginnt der Tag im Morgengrauen mit der Frühvisite.

"Es ist immer wieder spannend, die Patienten und ihre Geschichten kennenzulernen, die Erkrankungen zu verstehen. Unsere Hoffnung ist, dass wir es so gut machen, wie es irgendwie geht!"

Prof. Dr. med. Lars Maier, Kardiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Gleichzeitig läuft auch die Visite bei den Herzchirurgen. Auf der Intensivstation liegen die schweren Fälle.

"Wir haben schon Eingriffe, wo die Chancen 50 zu 50 stehen, wie man sagt, oder sogar noch ungünstiger. Wir machen also auch riskante Eingriffe."

Prof. Dr. med. Christof Schmid, Herzchirurg, Universitätsklinikum Regensburg

Auch heute steht eine große OP für das Team an. Eine Patientin braucht eine neue Herzklappe. Vor dem Eingriff ist sehr nervös.

"Ich hoffe, dass ich die Operation überlebe und dass es mir dann besser geht. Natürlich habe ich Angst!"

Herzpatientin vor der OP

Herz-Operation: Trotz Routine ein Eingriff mit großen Risiken.

Aber ohne Operation würde sich der Zustand der Patientin weiter verschlechtern. Bevor Herzchirurg Prof. Schmid den ersten Schnitt setzt, erklärt er, warum die OP unbedingt notwendig ist.

"Sie würde immer größere Luftnot bekommen, Brustschmerzen und sie würde immer wieder umfallen, bewusstlos werden. Am Schluss würde ihr Herz versagen."

Prof. Dr. med. Christof Schmid, Herzchirurg, Universitätsklinikum Regensburg

Um eine neue Herzklappe einsetzen zu können, muss das Herz angehalten werden.

Für die OP müssen die Ärzte das Herz anhalten. Dazu vernähen sie Schläuche an die großen Blutgefäße zum Herzen und leiten den Blutkreislauf auf eine Herzlungenmaschine um, die die Patientin am Leben hält. Kurz darauf steht das Herz still.

Herzklappen-Operation: höchste Konzentration für das gesamte Team

Jetzt heißt es volle Konzentration. Zuerst entfernen die Ärzte die kaputte Aortenklappe. Stück für Stück wird die verkalkte Klappe entnommen und im Anschluss das Implantat eingesetzt und vernäht. Dann kommt der entscheidende Moment: Das Herz soll wieder von alleine schlagen. Alle Blicke richten sich auf den Monitor.

Der entscheidende, spannende Moment: Beginnt das Herz nach dem Eingriff wieder zu schlagen?

Dann setzt der Herzschlag wieder ein und es lässt sich langsam wieder ein normaler Rhythmus ablesen. Die Operation ist gelungen. Prof. Schmid ist zuversichtlich, dass sich der Alltag der Patientin dank der neuen Klappe verbessern wird.

"Das ist das, was das Herz braucht, damit die Patientin wieder Luft bekommt."

Prof. Dr. med. Christof Schmid, Herzchirurg, Universitätsklinikum Regensburg

Spannung im Herzkatheterraum

Stents gegen Herzinfarkt-Gefahr: Plaques blockieren die Herzkranzgefäße. Stents sollen die Engstellen wieder durchlässig machen.

Unterdessen wird es auch bei Professor Lars Maier im Herzkatheterraum spannend. Ein Patient, der schon einmal einen Herzinfarkt hatte, soll heute mehrere Stents bekommen. Prof. Maier wird den Eingriff vornehmen und zeigt uns auf dem Monitor die problematischen Stellen in den Blutgefäßen rund um das Herz des Patienten.

"Man sieht hier die Vorderwandarterie, wie sie hier hochgradig verengt ist. Und hier vorne hat sie vor allem einen ganz unangenehm aufgerissenen Plaque. Es kann passieren, dass ein Herzinfarkt auftritt, oder auch eine bösartige Herzrhythmusstörung und dadurch ein plötzlicher Herztod."

Prof. Dr. med. Lars Maier, Kardiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Der Patient ist beim Herzkatheter bei Bewusstsein.

Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt. Der Patient wird alles mitbekommen. Der Zugang zu den verengten Gefäßen rund ums Herz erfolgt über die Arterie am Handgelenk. Prof. Maier setzt den ersten Stent.

"Der Stent ist praktisch ein kleiner Maschendrahtzaun, der weitet sich und bleibt dann aufgeweitet im Gefäß."

Prof. Dr. med. Lars Maier, Kardiologe, Universitätsklinikum Regensburg

Gefahr gebannt: Der entscheidende Stent wurde erfogreich in der Arterie platziert.

Das ist lebenswichtig, damit genug Blut durch die verstopfte Arterie fließen kann. Insgesamt drei Stellen müssen die Ärzte mit Stents versorgen. Der Patient stand wirklich knapp vor einem neuen Infarkt. Das Setzen des letzten Stents ist besonders heikel – die verengte Arterie macht eine Kurve: Millimeterarbeit. Doch am Ende geht alles glatt.


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