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Anämie Wie gefährlich ist Blutarmut wirklich?

Wer sich über längeren Zeitraum durchweg müde und schlapp fühlt, der könnte eine Anämie, also Blutarmut, haben. Gründe hierfür gibt es viele: Es kann zum Beispiel ein bloßer Eisenmangel sein oder aber eine ernsthafte Erkrankung.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 09.07.2018

Damit unsere Organe funktionsfähig bleiben, benötigen sie Sauerstoff. Dieser gelangt über die Lungen in unsere Blutbahn, genauer gesagt die roten Blutkörperchen. Denn sie sind für den Sauerstofftransport verantwortlich. In ihnen befindet sich ein Molekül, das sogenannte Hämoglobin, das den Sauerstoff bindet und später wieder an die Organe abgibt. Von Anämie spricht man dann, wenn im Körper zu wenig rote Blutkörperchen sind, oder aber wenn zu wenig Hämoglobin vorhanden ist.

Viele Ursachen für Blutarmut

Die häufigste Ursache für Blutarmut ist eine Eisenmangelanämie. Vor allem Frauen sind hiervon betroffen. Eisen ist neben Vitamin B12 und der Folsäure ein wichtiger Baustein für den Aufbau von roten Blutkörperchen. Dr. Nicola Fritz ist Allgemeinmedizinerin, sie hat in ihrem Praxisalltag regelmäßig mit Anämien zu tun.

"Eine Anämie kann ein harmloser Eisenmangel sein, das ist bei Frauen häufiger der Fall. Es kann aber auch eine lebensbedrohliche Erkrankung dahinter stecken, deswegen sollte man es ernst nehmen."

Dr. med. Nicola Fritz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, München

Angeborene und erworbene Erkrankungen

Es gibt aber auch eine Vielzahl von Erkrankungen, die Anämien verursachen. Blutende Geschwüre oder aber Tumoren im Magen-Darm-Trakt können eine Blutarmut auslösen. Eine weitere ist das myelodysplastische Syndrom, eine seltene Erkrankung des Knochenmarks. Es bildet kaum reife Blutzellen. Hier liegt eine Störung der Blutbildung vor. Diese Erkrankung bildet sich erst im Laufe des Lebens. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann dies lebensbedrohlich für den Patienten sein. Die Ursachen für dieses Syndrom sind bislang weitgehend unklar, erklärt Dr. med. Katharina Götze vom Klinikum rechts der Isar in München.

"Ein Risikofaktor ist, wenn man mit giftigen Substanzen umgeht, insbesondere Benzin. Aber die allermeisten Patienten bringen diesen Risikofaktor gar nicht mit, und da kann man die Ursache nicht eruieren."

Dr. med. Katharina Götze, Hämatologin, TU München

Angeborene Erkrankungen sind beispielsweise die Thalasämie oder die Sichelzellanämie. Bei dieser Krankheit werden die Blutzellen zu schnell im Körper abgebaut, was die Anämie verursacht. Hier ist häufig die Betreuung in einem speziellen Zentrum nötig.

Der lange Weg zur Diagnose

In manchen Fällen haben die Patienten keinerlei Beschwerden, trotz Blutarmut. Aber selbst dann, wenn sich Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlafftheit oder Leistungsschwäche zeigen, sind sie nicht immer leicht einer Anämie zuzuordnen. Auch ist es nicht immer einfach herauszufinden, ob eine andere Krankheit dafür der Auslöser ist und wenn ja, welche es ist.

Verschiedene Bluttests können einen Nachweis bringen oder beispielsweise auch eine Magen-Darm-Spiegelung. So soll ausgeschlossen werden, dass dort blutende Geschwüre oder Tumoren einen Blutverlust verursachen.

Viele Ursachen – viele Therapien

Je nachdem, welche Anämie vorliegt, erfolgt eine spezielle Therapie. Liegt ein Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 vor, bekommen Patienten in der Regel entsprechende Tabletten mit Eisen, Folsäure oder Vitamin B12. Anders ist dies bei Krankheiten, bei der die Blutbildung gestört ist: Beim myelodysplastischen Syndrom können Spritzen mit Erythropoetin helfen. Durch diesen Baustoff sollen sich mehr reife rote Blutkörperchen bilden.

Anämien bei älteren Menschen

Anämien sind keine Seltenheit. Sie gehören zu den meisten Blutveränderungen in Deutschland. Je älter ein Mensch wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass er an einer Anämie leidet. Sind im Alter zwischen 17 und 49 Jahren schätzungsweise 1,5 Prozent der Männer und 12,2 Prozent der Frauen betroffen, so sind es ab dem 75. Lebensjahr 15,7 Prozent der Männer und 10,3 Prozent der Frauen.


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