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Sonne, Licht, Heilung Die heilenden Kräfte des Sonnenlichts

Ohne die Sonne wäre auf der Erde kein Leben möglich. Und das Sonnenlicht hat vielfältige Wirkungen auf uns Menschen, negative, aber auch viele positive. Und diese macht sich die Medizin zu nutze – und heilt etwa Hautkrankheiten.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 12.07.2021

Die Sonne tut uns gut – sie steigert unser Wohlbefinden, sie macht uns glücklich. Denn fällt das Sonnenlicht in unsere Augen, dann wird im Gehirn Serotonin gebildet, das Glückshormon. Doch damit nicht genug.

"Und zweitens haben wir auch Wirkungen über die Haut. Die Wärme macht ein wohliges und behagliches Gefühl."

Prof. Herbert Plischke, Medizintechniker, Hochschule München

Sonnenlicht: Steuerung und Bildung von Hormonen

Herbert Plischke hat eine einzigartige Professur inne: Licht und Gesundheit. Sonnenlicht, sagt Plischke, ist ein entscheidender Faktor für die menschliche Gesundheit, es hat vielfältige Wirkungen, wie eben die Steuerung und die Bildung von Hormonen. Auch für die Bildung vom wichtigen Vitamin D in der Haut ist das Sonnenlicht, genauer die UV-B Strahlung, nötig.

"Vitamin D ist insbesondere wichtig für den Kalziumhaushalt, und der Kalziumhaushalt ist entscheidend für die Stabilität der Knochen. Um Osteoporose vorzubeugen, brauchen wir genügend Vitamin D. Und das können wir bilden, indem wir uns an der Sonne aufhalten."

Prof. Herbert Plischke, Medizintechniker, Hochschule München

Natürlich sei es dabei wichtig, sich bei Aufenthalt in der Sonne gut zu schützen, sei es mit Sonnencreme, Hüten oder Kleidung.

UV-Strahlen: Die Dosis macht das Gift

Sonnenlichtmessung: Das UV-A und UV-B Licht der Sonne hat auch heilende Kräfte.

Der Medizintechniker macht zusammen mit einem Assistenten regelmäßig Messungen an einem Wasserfall nahe Lenggries in Oberbayern. Die Wissenschaftler interessieren sich für Umwelteinflüsse auf die menschliche Gesundheit und messen dazu auch die UV-Strahlung mit einem Radiospektrometer. Das Spektrum der Strahlung mit den verschiedenen Wellenlängen lesen die Wissenschaftler am Laptop an einem Diagramm ab.

"Wir sehen hier schön den Anteil der Infrarotstrahlung und der sichtbaren Strahlung, aber auch den UV-A und UV-B-Anteil. Und das ist wichtig, weil UV-A und UV-B positive gesundheitliche Wirkungen, aber auch negative gesundheitliche Wirkungen hat."

Prof. Herbert Plischke, Medizintechniker, Hochschule München

UV-Licht liegt im nicht sichtbaren Bereich des Sonnenlichts.

Die energiereiche UV-, also Ultraviolett-Strahlung, ist für den Menschen weder sichtbar noch wahrnehmbar. Zu viel UV-Strahlung ist potenziell krebserregend, kann auch Binde- und Hornhautentzündungen im Auge auslösen. Sie hat aber auch positive Eigenschaften, wie eben die Bildung des Vitamin D.

UV-Strahlen gegen Schuppenflechte

Auch gegen manche Hautkrankheiten kann Sonnenlicht helfen.

UV-Strahlung wird zum Beispiel in der Dermatologie eingesetzt. So auch bei Patienten wie Klaus Lange. Der 72-Jährige leidet an Schuppenflechte, einer chronischen, entzündlichen und teils sehr juckenden Hauterkrankung, an Ellenbogen, Rücken und Beinen. In der Praxis des Münchner Dermatologen Christoph Liebich bekommt Lange deswegen eine „Synchrone Balneophototherapie“.

Synchrone Balneotherapie: UV-Licht und Salzwasser werden kombiniert eingesetzt.

Dazu legt sich der Patient in ein Salzwasserbad, gleichzeitig wird er von oben mit künstlichem UV-Licht bestrahlt. Durch das Salz können die Strahlen besser in die Haut eindringen – sie wirken dort anti-entzündlich. Das Salz hilft auch dabei, die Schuppen abzulösen, erklärt Dermatologe Liebich.

"Schuppenflechte ist nicht heilbar. Das heißt, die Patienten kommen regelmäßig, bis zu dreimal pro Woche, zur Bestrahlung. Und so ab der fünfundzwanzigsten Bestrahlungseinheit merken wir dann eine Verbesserung . Manche Patienten brauchen auch mal bis zu 70. Das ist sehr, sehr individuell."

Dr. med. Christoph Liebich, Dermatologe, München

Die Lichtbehandlung kann Patienten wirksam helfen.

Die Therapie kann auch bei Neurodermitis oder der Weißfleckenkrankheit wirksam sein. Klaus Lange ist für heute fertig. In ein paar Monaten muss er den Therapiezyklus wiederholen.

"Ich fühl mich saugut, ich bin sehr zufrieden damit. Es hat alles sehr gut geholfen, die Stellen sind alle so gut wie weg."

Klaus Lange, Patient

Photodynamische Therapie wirksam bei Hautkrebs-Vorstufen

Aktinische Keratosen sind Vorstufen des hellen Hautkrebs. Männer sind oft am Kopf betroffen.

Auch in der Dermatologie am Uniklinikum Augsburg macht man sich Sonnenstrahlen oder ihre künstlichen Alternativen zunutze. Hans Aßmann aus Augsburg hat auf dem Kopf Aktinische Keratose, eine Vorstufe von Weißem Hautkrebs. Er habe kaum Beschwerden. Es jucke ein bisschen und er habe einen leicht stechender Schmerz, meint Aßmann. Aktinische Keratosen entstehen besonders dort, wo die Haut zu oft starker UV-Strahlung ausgesetzt war. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, erklärt Dermatologin Prof. Julia Welzel. Hans Aßmann bekommt ein bis zweimal jährlich eine Photodynamische Therapie, die PDT.

"Die PDT nutzt man zur Behandlung von lichtgeschädigter Haut, mit Hautkrebsvorstufen. Das klingt in erster Linie paradox. Aber das funktioniert tatsächlich."

Prof. Julia Welzel, Dermatologin, Universitätsklinikum Augsburg

Behandlung mit der Photodynamischen Therapie

Die Patienten und Patientinnen bekommen zunächst ein normales Sonnenschutzmittel aufgetragen. Dann werden die betroffenen Stellen aufgeraut, danach wird ein Lichtsensibilisator, eine spezielle Creme, aufgetragen.

"Das führt dazu, dass in den entarteten Zellen diese Creme in eine toxische Substanz umgebaut wird, die zusammen mit Licht dazu führt, dass die Zellen absterben, also wie eine Art starker Sonnenbrand. Aber eben nur in diesen entarteten Zellen und nicht mit UV, sondern mit sichtbaren Licht."

Prof. Julia Welzel, Dermatologin, Universitätsklinikum Augsburg

Die PDT findet am Uniklinikum Augsburg normalweise unter freiem Himmel statt. Doch weil es regnet, setzt sich Patient Hans Aßmann für zwei Stunden ausnahmsweise unter eine künstliche Lichtquelle. Das Vorteil der PDT ist laut Dermatologin Prof. Welzel, dass nicht operativ eingegriffen werden muss, es entstehen also keine Schnitte oder Narben.

UV-Strahlung tötet Viren ab

UV-Strahlen haben noch eine andere, positive Wirkung, die besonders zu Corona-Zeiten wichtig ist. Draußen haben Viren eine geringe Chance, zu überleben – nach einer halben Stunde bis Stunde seien die Viren laut Plischke abgetötet.

"Jetzt im Sommer sehen wir immer eine niedrige Inzidenz an viralen Erkrankungen. Das kann durchaus mit der solaren Strahlung zusammenhängen. Wir haben natürlich mehrere Einflussfaktoren, aber die natürliche UV-B-Strahlung und die UV-A-Strahlung tötet auch Viren ab."

Prof. Herbert Plischke, Medizintechniker, Hochschule München


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