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Neues vom Kräuterwastl Gesundes aus Heu

Jetzt duftet es auf den Wiesen wieder überall nach Heu. Auch der Kräuterpädagoge Sebastian Viellechner, unser Kräuterwastl aus Weyarn, hat zur Sense gegriffen: In "Gesundheit!" zeigt er, dass man aus dem getrockneten Gras viel mehr machen kann als Tierfutter.

Von: Manfred Schramm

Stand: 22.08.2017

Kräuterwastl mit Heukissen | Bild: Screenshot BR

Der Wastl mäht sein Heu noch auf alte Weise - per Hand mit der Sense. Das ist harte Arbeit. So wurden in alten Zeiten alle Wiesen gemäht, heute nur noch in Steillagen auf den Almen.

Die Fläche, die die Bauern an einem Tag schaffen konnten, war abhängig von der Wuchshöhe des Grases, und davon, wie schwer oder leicht zugänglich die Wiese war. Meist wurde in Reihen miteinander gemäht. Man kann in etwa davon ausgehen, dass ungefähr ein halbes Tagwerk, das sind 0,15 Hektar, geschafft wurde. Als Tagwerk wurde die Fläche bezeichnet, die man von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bearbeiten konnte.

Heute wird das Heu mit sogenannten Pressmaschinen eingeholt, die das Gras sofort in Ballen pressen. Dann werden sie mit Plastikplanen überzogen und stehen als Heuräder auf den Wiesen zum Trocknen.

Ist die Wiese gemäht, packt der Wastl das frisch geschnittene Gras auf ein Heumandl. Auf die Spitze steckt er noch ein extra Bündel frischer Blütenpflanzen. Darunter ist auch Mädesüß zu finden. Mädesüß wirkt antibakteriell und antiseptisch. Der lateinische Name "Spiraea" hat der Tablette Aspirin den Namen gegeben.

Heukissen

Aus dem getrockneten Heu macht der Wastl ein spezielles Heu-Kräuterkissen. Zu dem Heu steckt er noch die verschiedensten Gartenkräuter in den Kissenbezug: Thymian, Melisse, Dost, Currykraut, Rosmarin, Salbei und Lavendel. Die Palette ist beliebig erweiterbar. Das ergibt einen intensiven, aromatischen Geruch nach Kräutern.

Aber man darf nur völlig getrocknete Kräuter und Pflanzen verwenden, denn sonst fangen sie an zu schimmeln. Außerdem gilt: Vorsicht bei Heuschnupfen und allergischem Asthma!

Heu-Dampfbad

Dafür streut der Wastl in eine große Schüssel Steinsalz, packt Heu darauf und übergießt alles mit kochendem Wasser. Dann den Kopf - unter einem Handtuch - darüberhalten und tief einatmen. Das Dampfbad ist eine Wohltat bei Erkältungen, zum Beispiel bei einer Sommergrippe. Man kann wieder richtig frei durchatmen.

Heu-Umschlag

Für einen Heuumschlag braucht der Wastl nur ein sauberes Leintuch oder ein Küchenhandtuch, Heu und Wasser. Das Wasser wird über das Heu gegossen.

Das wird dann auf das Tuch gelegt, eingeschlagen und auf das schmerzende Gelenk gelegt. Ein kalter Wickel ist gut gegen Gelenksentzündungen und Verstauchungen, ein warmer hilft bei rheumatischen Beschwerden.

Heu-Bad

Das Heubad soll als medizinische Anwendung schon vor 200 Jahren bekannt gewesen sein. Sicher ist, dass Pfarrer Sebastian Kneipp viel davon hielt und es oft einsetzte.

Es soll auf natürliche Weise zum Schwitzen bringen und den Körper entgiften. Gut soll es auch bei Arthrose, Ischias und Hexenschuss sein. Aber Vorsicht, wenn man unter hohem Blutdruck leidet: Denn unter dem gewärmten Heu entwickeln sich Temperaturen, die über 40 Grad liegen. Anwendung: Der Patient wird ganz in nasses Heu eingepackt, bekommt noch ein Tuch um den Kopf und soll dann 20 bis 30 Minuten darin liegen bleiben.

Aber Wastl hat seine eigene Methode. Er macht kein Bad, sondern ein Heubett. Dazu baut er auf einer schönen Wiese sein Feldbett auf, packt Heu als Unterlage darauf, gibt darüber ein Leintuch, legt sich darauf und bedeckt sich mit dem restlichen Heu. Das gibt ihm einen ruhigen, erholsamen Schlaf.

Heute werden auf einigen Bauernhöfen auch Übernachtungsmöglichkeiten im Heu angeboten - als besonderer Anreiz für urlaubsreife Städter, die gerne die Natur pur genießen wollen.


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