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Klimaanlagen Schädliche Keime aus der Klimaanlage?

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie – Klimaanlagen. Für viele ist es im Sommer eine Wohltat, in ein gekühltes Kaufhaus zu treten. Andere wiederum beschweren sich über trockene Luft und Zug. Manche meinen sogar, von Klimaanlagen krank zu werden. Was ist dran an diesen Klagen?

Von: Bernd Thomas, Nicoletta Renz

Stand: 09.07.2018

nn | Bild: BR

Wirklich schwere Erkrankungen durch Klimaanlagen sind sehr selten, aber sie kommen vor. Zum Beispiel können Legionellen-Infektionen, durch die schon Menschen zu Tode gekommen sind, durch die Abluft einer kontaminierten Nasskühlanlage hervorgerufen werden. Die gute Nachricht: regelmäßige Hygieneinspektionen der Anlagen können solche Katastrophen verhindern.

Klimaanlagen: Regelmäßige Wartung – keine Chance für Keime

Auch wenn es selten so schlimm kommt: Es gibt ein Krankheitsbild, das in Zusammenhang mit Klimaanlagen steht: Die sogenannte Befeuchter-Lunge, wie Doktor Uta Ochmann am Klinikum der Universität München erklärt.

Keime aus Klimaanlagen können die sogenannte Befeuchterlunge verursachen.

In schlecht gewarteten Klimaanlagen und Luftbefeuchtern können sich aufgrund der Feuchte mit der Zeit Keime entwickeln. Die verteilen sich in der Wohnung und werden so eingeatmet. Einige Menschen reagieren auf diese Keime allergisch. Es kommt zu einer Entzündung der Lungenbläschen. Die Betroffenen entwickeln dann eine Befeuchterlunge, die sich mit Fieber, Reizhusten und Atemnot äußert.

"Es gibt zum einen akute Verläufe, typischerweise treten dann sechs bis acht Stunden nach der Exposition Beschwerden wie Luftnot, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl auf, die verschwinden dann wieder. Aber es gibt auch chronische Fälle. Insgesamt können immer wieder ernste, schwere Lungenschäden auftreten. Das Krankheitsbild ist zu vermeiden, wenn die Klimaanlage gescheit gewartet wird."

Dr. Uta Ochmann, Fachärztin für Arbeitsmedizin, Allergologie, Umweltmedizin, Naturheilverfahren, Klinikum der Universität München

Da die Beschwerden der Befeuchterlunge nicht unmittelbar nach Kontakt mit Klimaanlagen oder Luftbefeuchtern auftreten, ist eine Zuordnung nicht immer leicht. Mitunter ist es schwierig, dem Allergieauslöser auf die Spur zu kommen. Deswegen ist es am besten, sich zu vergewissern, dass Klimageräte regelmäßig gesäubert und gewartet werden.

Klimaanlagen im Auto: Alle zwei Jahre einen Check

Spätestens wenn die Klimaanlage im Auto zu riechen beginnt, sollte sie vom Fachmann gewartet werden.

Auch die Klimaanlage im Auto braucht alle zwei Jahre einen Check. Das hochflüchtige Kältemittel entweicht über Dichtungen und Leitungen - bis zu zehn Prozent im Jahr. Die Kühlleistung nimmt dann rapide ab, und der Verschleiß steigt. Wer einen muffigen Geruch im Auto bemerkt, sollte schnellstens in die Autowerkstatt fahren. Pilze und Bakterien haben sich dann im Verdampfer eingenistet oder der Filter ist verunreinigt.

Klimaschock vorbeugen: 22 bis 24 Grad reichen aus!

Bei hohen Außentemperaturen ...

Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen sollte nicht mehr als sechs Grad betragen. Das bedeutet: Auch wenn es im Sommer sehr heiß ist, die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen. Etwa 23 Grad reichen aus.

... kann der Wechsel aus Räumen mit Klimaanlagen, die zu tief herunterkühlen, ...

Ist der Unterschied zwischen Innen- und Außenluft zu groß, wird der Kreislauf unnötig belastet. Die Blutgefäße verengen sich bei Kälte und erweitern sich dann wieder, wenn plötzlich die Hitze beim Aussteigen kommt. Der Blutdruck sinkt.

... zu viel für Gesundheit und Kreislauf älterer und kranker Menschen werden.

Gesunden Menschen macht das meist nichts aus, aber geschwächte oder ältere Menschen können diesen plötzlichen Temperaturunterschied nicht immer so gut wegstecken.

Gegen die große Kälte - auch in Kaufhäusern oder Büros - hilft zum Beispiel ein Schal oder eine leichte Jacke! Im Auto den kalten Luftstrom vom Körper wegdrehen, nicht direkt auf die verschwitzte Haut lenken, sonst droht eine Erkältung.

Tipp!

Klimaanlagen in Autos immer ein paar Minuten vor Fahrtende abschalten. Dann bleibt keine Restfeuchte übrig, Keime haben keine Chance.

Die Auto-Klimaanlage drei bis fünf Minuten vor Fahrtende ausschalten. Die Temperatur nähert sich dann langsam wieder der Außentemperatur an, ein Klimaschock wird so vermieden. Außerdem wird in der verbleibenden Zeit die Restfeuchtigkeit über die normale Lüftung abgezogen. Keime haben so keine Chance!

Relative Luftfeuchtigkeit – ideal sind 40 bis 50 Prozent

Klimaanlagen machen die Luft nicht nur kalt, sie entziehen ihr auch Feuchtigkeit. In Räumen mit Klimageräten ist die Raumluft oft trockener als erwünscht. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent wird empfohlen. Der Mensch hat zwar kein spezifisches Organ, um Luftfeuchte wahrzunehmen, doch er spürt die unangenehmen Effekte von trockener Luft, wie elektrostatische Aufladung oder eine erhöhte Staubkonzentration.

Gerade in Flugzeugen klagen viele Menschen über trockene Luft. Dort beträgt die relative Luftfeuchtigkeit auch oft nur zehn bis fünfzehn Prozent.

Tipp: Salben helfen gegen Austrocknung!

Wenn möglich, zwischendurch Klimanalgen auch mal abstellen und die Fenster öffnen.

In Apotheken gibt es spezielle Nasensalben für die Nasenschleimhäute. Es empfiehlt sich auch, Gesicht, Hals, Dekolleté und die Unterarme ordentlich einzucremen. Denn die Haut trocknet schnell aus, besonders an Stellen, an denen sie zart oder unbedeckt ist. Wenn möglich, kann man auch mal die Fenster öffnen und die Klimaanlage ausschalten!


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