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Kinder, Gesundheit, Corona Corona: Alltag in einer Großfamilie

Kälber, Pferde, Schweine, Ziegen, Hasen und sieben Kinder! Auf dem Hof der Betls geht es ganz schön rund. Reporterin Veronika Keller begleitet die Großfamilie im Alltag und fragt: Wie gesund ist das Leben auf dem Bauernhof? Und sie erlebt, wie wichtig Geschwister während der Pandemie sein können.

Von: Veronika Keller, Florian Heinhold

Stand: 23.06.2020

Die Pandemie ist eine Herausforderung. Da geht es Kindern nicht anders als Erwachsenen. Wie kommen die Kleinen gesund und ausgeglichen durch diese Zeit? Gesundheit! Reporterin Veronika Keller hat die außergewöhnliche Familie Betl getroffen. Auf einem Hof in der Nähe von Landshut wohnen sie: Milina Betl, ihre Schwestern Marina und Marlies, ihr Papa Manuel, ihr Bruder Marlon, ihr anderer Bruder Milian, noch ein Bruder, Marian, und natürlich Mama Michi und Baby Marisa. Sieben Kinder – eine echte Großfamilie.

"Als wir uns kennenlernten, war schon klar, dass wir eine große Familie wollen. Aber dass wir jetzt sieben haben, das war so nicht geplant. Sondern das kam eigentlich erst, als wir schon so drei, vier Kinder hatten, dass wir dann festgestellt haben: Eigentlich so viel ist es nicht. Wir hätten da schon noch gern ein paar dazu ...
Die kleinen sind natürlich am anstrengendsten und je älter sie werden, desto stressfreier ist es.Mir kommt‘s eigentlich nicht vor, als wären es viele."

Michi und Manuel Betl

Und weil Luft nach oben ist, haben die Betls noch jede Menge andere Mitbewohner auf ihrem Hof: drei Kälber, ein großes und drei kleine Pferde, sechzehn Hasen und Kaninchen, außerdem vier Schweine, jede Menge Wachteln und eine anhängliche Ziege. So viele Lebenwesen auf einem Fleck, das ist ein echter Vorteil in Zeiten der Corona-Pandemie.

"Wir haben zum Glück nicht das Problem, dass wir die Kinder ständig aktiv bespaßen und uns jeden Tag irgendwelche Ausflüge einfallen lassen müssen. Die Kinder haben hier halt einfach alles. Also wir haben einfach ganz normal weiter gemacht."

 Michi und Manuel Betl

Kinder auf dem Bauernhof: Gesunde Umgebung?

An Bewegungsmangel leiden die Kids hier nicht. Aber wie gesund ist so ein Leben auf dem Bauernhof für Kinder und worauf kommt es an?  Wie sieht es aus mit Ernährung und Hygiene in Zeiten der Corona-Pandemie? Dazu hat Veronika Keller auch bei Kinderarzt Dr. Dominik Ewald aus Regensburg nachgefragt. Er hält den Lebensstil der Betls auf dem Bauernhof nicht nur für idyllisch, sondern auch für gesund.

"Ich glaube, wenn der erste Schritt zur Bewegung erst einmal getan ist, dann machen die meisten Kinder gut mit. Sport hat ja auch eine soziale Komponente. Wenn die Freunde auch Sport machen, dann ist es natürlich viel einfacher. Die Kinder machen das viel lieber, weil es natürlich auch Spiel ist. Jeder, der Sport in seiner Jugend und Kindheit gemacht und sich viele bewegt hat, profitiert davon auch noch als Erwachsener. Und was die Umgebung, den Umgang mit Tieren und das Ausmisten der Ställe angeht. Das ist natürlich das, was das Immunsystem braucht. Es gibt einige Untersuchungen, die haben gezeigt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, weniger Allergien bekommen. Ich will nicht sagen, Schmutz ist gesund, aber Schmutz kann dazu beitragen, dass man gesund bleibt."

Dr. med. Dominik Ewald, Kinderarzt,  Regensburg

Corona-Pandemie und Lockdown: Hilfe für Familien mit Kindern

Bei vielen Familien sah es die letzten Monate so aus: Homeschooling für die großen, Kita-Ersatz für die kleinen. Geschwister wie bei den Betls sind da natürlich ein Plus. Wer sechs Geschwister hat, dem kann ein Lockdown nicht ganz so viel anhaben.  

Aber ohne Geschwister und Tiere fühlte sich der Lockdown für viele Kinder ganz anders an. Diese Erfahrung macht die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Alexandra von Tettenborn der Hochschulambulanz in München jeden Tag. Die Expertin sagt: Kinder brauchen andere Kinder. Ohne soziale Kontakte kann die kindlichen Entwicklung Schaden nehmen.

"Das war für Kinder schon sehr hart. Es ist natürlich so, dass Gleichaltrige eine sehr ähnliche Lebenswelt teilen, in der sie sich gerade befinden: Ähnliche Interessen, vielleicht ähnliche Bedürfnisse, Sorgen, Wünsche. Man probiert viel aus, man tauscht sich aus, man ist auf einem ähnlichen Entwicklungsstand. Und dabei die Erfahrung zu machen, auch die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen, das ist sehr wichtig für die soziale Kompetenzentwicklung."

Alexandra von Tettenborn, Kinderpsychotherapeutin, LMU München

Die Therapeutinnen und Therapeuten haben eine Hotline eingerichtet, weil viele Familien im Lockdown Depression und sogar häusliche Gewalt erleben. Viele Eltern wussten nicht mehr, was sie tun sollen. Die Expertin rät:

"Auf jeden Fall sollten Eltern Hilfe und Unterstützung suchen, so dass man nicht mehr alleine mit der Situation ist."

 Alexandra von Tettenborn, Kinderpsychotherapeutin, LMU München


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