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Sehprobleme, Jucken, Kratzen Was hilft bei trockenen Augen?

Trockene Augen: Es juckt und kratzt, als würden Sandkörner unter den Lidern auf der Hornhaut reiben. Manche sehen dadurch auch unscharf. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung kennt die Probleme. Auch beim Augenarzt steht das Problem Keratokonjunktivitis sicca, wie trockene Augen medizinisch genannt werden, weit oben auf der Liste der Beschwerden. Was hilft?

Von: Bernd Thomas

Stand: 11.02.2019

Jeder kennt das: Etwas kommt ins Auge, wir blinzeln kurz und schon ist alles wieder gut. Denn unsere Lider verteilen, wie ein umgekehrter Scheibenwischer, regelmäßig einem dünnen Tränenfilm. Der hält die Augen sauber und vor allem feucht. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie reibungslos funktionieren und wir klar und scharf sehen können.

Trockene Augen: Alles andere als eine Seltenheit

Trockene Augen sind einer der häufigsten Gründe für den Besuch beim Augenarzt.

Aber mehr als ein Fünftel aller Menschen hat Probleme: Schon morgens sind die Augen gereizt, rot und brennen. Oft treten die Beschwerden auf, wenn man von draußen aus der Kälte in beheizte Räume kommt. Ganz schlimm ist es für viele im Büro. Es fühlt sich an, als würden unter den Lidern Sandkörner über die Hornhaut kratzen: Trockene Augen , oder wie die Mediziner sagen Keratokonjunktivitis sicca, sind ein Problem, das auch in den Augenarztpraxen ganz oben auf der Liste der Beschwerden steht.

"Wenn man sich den Alltag anschaut, auch bei uns in der Praxis oder Klinik, ich denke mal die Hälfte der Menschen haben Probleme mit trockenem Auge. Das Problem dabei ist, dass der Tränenfilm zu früh aufreißt und es brennt, es kratzt, es juckt und man sieht unscharf."

Prof. Dr. med. Dr. Chris Lohmann, Augenklink, Klinikum r. d. Isar, TU München

Trockene Augen: Wenn der Tränenfilm zerreißt

Der Tränenfilm über dem Auge besteht aus mehreren Schichten. Er schützt und versorgt das Auge und hält es feucht.

Wir blinzeln regelmäßig und meist unbewusst. Was aussieht wie eine einfache Flüssigkeit, der Tränenfilm, ist tatssächlich ein hocheffizientes, komplexes Biotech-Körperwunder, aufgebaut aus mehreren Schichten.
Die etwas schleimige Muzinschicht sorgt dafür, dass der Film am Auge haften bleibt.
Eine wässrige Schicht spült und reinigt, tötet Keime und versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff, denn die hat selbst keine Blutgefäße.
Die oberste Schicht enthält Lipide aus speziellen Drüsen: Sie verhindern, dass die Feuchtigkeit zu schnell verdunstet. Damit der Tränenfilm nach einiger Zeit nicht aufreißt, wird er mit einem Blinzeln regelmäßig erneuert.

Chronisch trockene Augen: ernstzunehmende Krankheit oder Bagatelle?

Trockene Augen: Mit zunehmendem Alter lässt die Menge der Tränenflüssigkeit nach. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Grundsätzlich nimmt mit zunehmendem Alter die Tränenflüssigkeit ab. Frauen sind nach den Wechseljahren aufgrund ihres veränderten Hormonhaushaltes häufiger von trockenen Augen betroffen als Männer.  Ist das komplexe Zusammenspiel von Auge und Tränenfilm gestört, kommt es zu Problemen. Trockene Augen entstehen oft durch ein ungünstiges Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Faktoren. Bei chronisch trockenen Augen sollte man zum Arzt gehen, denn auf Dauer kann es zu Schäden an der Hornhaut kommen.

Trockene Auge: So kommt es zur Diagnose

Trockene Augen: Zwei Hauptursachen

Da sich die Augen während der Evolution aus der Haut entwickelt haben, wirft der Arzt oft einen Blick auf den Zustand der Haut des Patienten.

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptursachen, die zu trockenen Augen führen. Der Tränenfilm reißt zu schnell auf, weil seine Zusammensetzung nicht stimmt oder es ist grundsätzlich zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden.

Der Schirmer-Test: Ist genug Tränenflüssigkeit vorhanden?

Gemessen wird das mit dem so genannten Schirmer-Test. Zwei Papierstreifen, die vorsichtig in die Ränder der Augenlider gelegt werden, zeigen die Menge der produzierten Tränenflüssigkeit an. Grund für den Mangel an Tränenflüssigkeit können zum Beispiel Krankheiten wie chronisches Rheuma, Diabetes oder auch eine kranke Schilddrüse sein. Auch Tabletten gegen hohen Blutdruck, Migräne, Allergien und sogar ASS können trockene Augen verursachen.  

Der Tränenfilm: Reißt er zu rasch auf?

Ob der Tränenfilm zu schnell aufreisst, wird mit einem speziellen Farbstoff getestet. Passiert das tatsächlich, produzieren die Tränendrüsen als Kompensation oft mehr Flüssigkeit. Das kann paradoxerweise dazu führen, dass trotz der typischen Beschwerden die Augen vermehrt tränen. Wenn die Zusammensetzung des Tränenfilms aber nicht stimmt, verdunstet der Tränenfilm zu schnell. Das Auge trocknet aus. Grund dafür sind oft Entzündungen der Lidkanten und der so genannten Meibom-Drüsen. Sie produzieren die Lipidschicht, die die zu schnelle Verdunstung normalerweise verhindert.

Trockene Augen: Welche Therapien gibt es?

"Wenn es so ist, dass zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird, kann man das natürlich ersetzen mit Tränenersatzmittel. Oft müssen die dann auch auf Dauer genommen werden. Aber häufig liegt eine Lidkantenentzündung vor, die dann behandelt werden muss. Das wird primär mit einer mechanischen Reinigung und dann mit einer antientzündlichen Salbe gemacht. Das ist ein chronischer Verlauf und dauert sehr lange, bis es ganz weg ist."

Prof. Dr. med. Dr. Chris Lohmann, Augenklink, Klinikum r. d. Isar, TU München

Trockene Augen: Geduld bei der Behandlung

Künstliche Tränenflüssigkeit kann helfen.

Die Behandlung ist ein Geduldsspiel, ein Patentrezept gibt es keines. Oft sind die Ursachen über längere Zeit entstanden, und entsprechend lange dauert es auch, bis sie wieder verschwinden.  Oft helfen in der Zwischenzeit künstliche Tränen. Besonders Menschen, die Kontaktlinsen tragen, sollten die Auswahl mit ihrem Arzt besprechen. Denn es gibt Tränenersatz mit ganz unterschiedlicher Zusammensetzung. Außerdem ist es oft wichtig zu klären, ob der Tränenersatz aus hygienischen Gründen auch Konservierungsmittel enthalten sollte.

Trockene Augen: So kann jeder vorbeugen

Es lohnt sich, die eigenen Lebensgewohnheiten einmal genauer anzuschauen und gegebenenfalls zu ändern. Oft hilft es zum Beispiel mehr zu trinken! Eineinhalb bis zwei Liter sollten´s täglich sein. Rauchen ist schlecht für trockene Augen, also am besten damit aufhören. Auch regelmäßige Pausen für die Augen sind wichtig, am besten an der frischen Luft und mit Blick ins Grüne!

Trockene Augen: Die Umgebung so einrichten, dass es nicht zieht.

Außerdem hilft es oft, die nächste Umgebung etwas zu verändern. Die Heizung etwas runterdrehen und darauf achten, dass die Raumluft nicht zu trocken ist. Im vielen Büros tragen Klimaanlagen zu trockenen Augen bei. Man sollte möglichst jeden Zug vermeiden, manchmal hilft schon ein Umstellen. Apropos Büro …

Office-Eye-Syndrom: Trockene Augen durch zu wenig Blinzeln

Office-Eye-Syndrom: Zu wenig Blinzeln

Langes, konzentriertes Schauen auf Computermonitor, Handy oder Tablet verändert bei vielen auch die Häufigkeit des Blinzelns, ohne dass sie es bemerken. Die Auswirkungen sind so gravierend, dass es dafür sogar einen eigenen Namen gibt: Office-Eye-Syndrom. Was genau versteht man darunter und wie lässt es sich vermeiden?

"Normalerweise blinzeln wir alle acht bis zehn Sekunden. Wenn wir an einem Computermonitor sitzen, dauert das aber viel länger, zum Teil bis zu 30 Sekunden. Und daher kommen dann die Beschwerden und auch der Begriff Office Eye Syndrom. Was tun?
Meinen Patienten rate ich immer:  Setzen Sie sich vor den Computer und stellen Sie sich eine Uhr hin oder zählen Sie runter und blinzeln Sie alle zehn Sekunden. Das sieht am Anfang zwar affig aus, aber irgendwann passiert das dann wieder automatisch und man blinzelt wie normalerweise auch alle acht bis zehn Sekunden."

Prof. Dr. med. Dr. Chris Lohmann, Augenklink, Klinikum r. d. Isar, TU München

Weitere Informationen zum Thema trockenes Auge:


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