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Olivenöl Allheilmittel für innen und außen?

Olivenöl ist das flüssige Gold des Südens und das Herzstück der mediterranen Küche. Es gilt als Lebenselixier - ein Allheilmittel für die innere und äußere Anwendung und vielen als das gesündeste Öl. Ist das aber wirklich so?

Von: Antonia Böhm

Stand: 28.11.2017

Olivenöl ist ein Naturprodukt, das nicht nur schmeckt, sondern auch als Quelle für Vitalität und Gesundheit gilt. Viele Studien und Untersuchungen zeigen, dass Olivenöl vor allem vorbeugend gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkt und den Cholesterinspiegel senkt. Denn Olivenöl besteht zu 75 Prozent aus einfach ungesättigten Fettsäuren, der Ölsäure.

Olivenöl: gesunde, ungesättigte Fettsäuren

Ölsäure tut in der Tat unserer Gesundheit gut und ist unter anderem wichtig beim Aufbau der Zellen. Daneben hat Olivenöl viele Bestandteile, die auf andere Weise gesund sein sollen. Dazu gehören auch Stoffe mit stark antioxidativen Eigenschaften. Sie wirken blutverdünnend, hemmen Entzündungen und sollen sogar Krebs und das Altern vorbeugen.

Ist Olivenöl das gesündeste Öl?

Wegen dieser Inhaltsstoffe wird oft behauptet, Olivenöl sei das gesündeste Speiseöl. Nach Einschätzung des Ernährungsexperten Prof. Dr. Hans Hanauer kann man das so aber nicht sagen.

"Olivenöl ist ein gutes und gesundes Speiseöl, … aber es hat ansonsten nichts Magisches an sich. Wir haben hier in Mitteleuropa beispielsweise das Rapsöl, das eine ähnliche Zusammensetzung hat. Es hat sogar ein bisschen mehr Vitamin E, ein  bisschen mehr Omega-3-Fettsäuren, es ist mindestens ebenso gut und vor allem auch viel günstiger."

Prof. Dr. Hans Hanauer

Allerdings senke, Hauners Ansicht nach, das Olivenöl in Verbindung mit der mediterranen Ernährung - viel Fisch, frisches Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide - erwiesenermaßen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei spielt auch die Lebensart der Mittelmeerbewohner, wie zum Beispiel das Essen in großer, geselliger Runde, eine wichtige Rolle.

Trotzdem sind viele überzeugt, dass Olivenöl die Nummer eins der Öle ist, da es gegen vielerlei Beschwerden helfen soll.

Olivenöl gegen vielerlei Beschwerden

Mundspülungen

Das sogenannte Ölziehen ist eine alte Methode zur Entgiftung des ganzen Körpers. Regelmäßige Mundspülungen sollen zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten, Haut- und Gelenkproblemen, Kopfschmerzen und Magenleiden helfen. Dabei wird das Öl bis zu 15 Minuten durch Mundhöhle und Zähne gezogen, ohne es zu verschlucken.

Olivenblättertee

Auch den Blättern des Olivenbaumes werden heilende Kräfte nachgesagt. Die Olivenblätter werden als Aufguss über den Tag verteilt getrunken. Hilft angeblich gegen Stress und zu hohem Blutdruck, aber auch bei Magenverstimmungen und Schlafstörungen.

Verdauung

Hochwertiges Olivenöl ist leicht verdaulich und soll ein besonders gutes Mittel zur Anregung des Gallenflusses und bei Magenproblemen sein. Auch als Abführmittel, pur oder mit etwas Zitronensaft gemischt und nüchtern getrunken, soll es wahre Wunder wirken.

Ein Öl, das gegen so viele Beschwerden helfen soll. Ist das vorstellbar? Nach Ansicht des Ernährungsexperten Prof. Dr. Hans Hanauer nicht.

"Ich denke, Olivenöl ist kein Allheilmittel gegen alle möglichen Krankheiten, für das es ja gerne angepriesen wird. Wenn man es im Mund spült, wird davon ja nur ein Bruchteil, wenn überhaupt, aufgenommen. Es ist gar nicht vorstellbar, dass ein Öl gegen alle Krankheiten wirken kann, für die es gerne verkauft wird. Das ist eher alles Glaubenssache, davon ist praktisch nichts bewiesen."

Prof. Dr. Hans Hanauer

Pflegeprodukte mit Olivenöl

Und trotzdem: Nicht nur innerlich, auch äußerlich ist die Olive auf dem Vormarsch. Es gibt immer mehr Seifen, Cremes und Haarpflegemittel mit Olivenöl als Bestandteil auf dem Markt. Olivenöl wird von der Werbung angepriesen als "rückfettend", als ein "Beauty-Alleskönner" oder "kleine Wunderwaffe".

Äußerliche Anwendung

Besonders als Massageöl wird Olivenöl immer wieder hochgepriesen: Es lindert angeblich Muskelverspannungen, Rückenschmerzen oder Hexenschuss. Und nicht nur das: Olivenöl desinfiziert und fördert Wundheilung, soll gegen Ekzeme, Schuppenflechte oder Neurodermitis helfen.

In den Mittelmeerländern ist es außerdem Brauch, Olivenöl gemischt mit Zitronensaft als Sonnenschutzmittel und gegen Sonnenbrand einzusetzen. Und – in die Gesichtshaut einmassiert – soll es sogar gegen Falten helfen.

Olivenöl - Elixier für die Haut?

Man könnte also glauben, dass Olivenöl, äußerlich angewandt, ein wahres Elixier für die Haut ist. Aber stimmt das auch wirklich?

"Es gibt neue Studien, in denen man den Effekt des Olivenöls auf die Haut objektiv untersuchte. Die haben überraschenderweise gezeigt, dass Olivenöl die Haut sogar ein bisschen reizen, also austrocknen und irritieren kann. Im Vergleich dazu hatte Sonnenblumenöl bessere Effekte, war also deutlich hautpflegender. Insofern finde ich es in Ordnung, dass es in geringerer Konzentration in Kosmetika zugesetzt ist, um auch glättende Effekte zu erzielen. Als Massageöl mit kurzem Hautkontakt ist das unbedenklich, aber zur Pflege von Hauterkrankungen würde ich es eigentlich nicht empfehlen. Dass das Olivenöl gegen Sonnenbrand oder Falten helfen soll, halte ich für ziemlichen Quatsch."

Prof. Dr. med. Julia Welzel, Leitung Klinik für Dermatologie und Allergologie

Olivenöl für die Haare?

Olivenöl lässt sich nur schwer aus den Haaren herauswaschen.

Auch hier soll es Wunder wirken: Es pflegt und vitalisiert die Haare, regeneriert ihre Struktur, schützt vor den Auswirkungen von heißem Föhnen oder regelmäßigem Färben – so heißt es. Das Haar wird wieder geschmeidiger, bekommt mehr Glanz und Widerstandskraft. Doch auch als Haarmittel scheint es für die Dermatologin problematisch:

"Sie können mit Olivenöl durchaus die Haare zum Glänzen bringen und auch glätten, aber Öle an sich sind nicht wasserlöslich, das heißt, Sie bekommen das auch nicht schnell wieder heraus, Sie müssen dann mit Shampoos mehrfach waschen, und Shampoos enthalten seifenähnliche Bestandteile, die die Kopfhaut und die Haare auch austrocknen, sodass die Haare danach eher wieder stumpf aussehen. Es gibt Öle, die synthetisch hergestellt sind, die einen sehr viel feineren Film hinterlassen und die optisch schöner aussehen."

Prof. Dr. med. Julia Welzel, Leitung Klinik für Dermatologie und Allergologie

Unser Fazit: Das Allheilmittel, für das es so oft angepriesen wird, ist Olivenöl wohl nicht. Aber es ist gesund, und mit seinem einzigartigen fruchtigen Geschmack ein kulinarischer Hochgenuss.

Experten im Beitrag:

Prof. Dr. Hans Hauner
Leiter Institut für Ernährungsmedizin
Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München
Gregor-Mendel-Str. 2
85350 Freising-Weihenstephan

Prof. Dr. med. Julia Welzel
Leitung Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg
Akademisches Lehrkrankenhaus der LMU München
Stenglinstr. 2
86156 München


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